Garten-Kolumne
22.04.2010  

Nicht vergraben. Einpflanzen genügt!

Frisch von mir eingepflanzter Wirsing. - Foto: Müller
Am Ende sah ich kaum noch die eigene Hand vor Augen. Es war sieben Uhr abends an diesem lauen Aprilabend, als ich mein erstes junges Gemüse in die Erde setzte. Zwei Stunden musste ich mich beeilen, um fertig zu werden. Die Sonne hatte sich schon hinter dem Horizont verabschiedet. Ich nahm mein Handy in die eine Hand, um mit dem Display den Boden auszuleuchten, und platzierte mit der anderen Hand den letzten Setzling.
 
Meine 30-Quadratmeter-Parzelle bietet unglaublich viel Platz. Ich bin jetzt stolzer Züchter von: Lauchzwiebeln, Fenchel, Mangold, Brokkoli, Sellerie, Wirsing, Spitzkohl und Kohlrabi. Und von Blumenkohl. Und natürlich von Salaten. Und, nicht zu vergessen: Von zwei Tomatensträuchern, zwei Gurkenpflanzen und ein paar Minibüscheln Petersilie. Kartoffeln, Karotten, Radieschen und Rote Bete waren schon gesät – das haben Mitarbeiter der Stadt für mich erledigt.
 
Nach meinem Bürotag fand ich mich also am Boden kniend und mit Arbeitshandschuhen in der Erde wühlend wieder. Ich widmete jedem Setzling ein paar Sekunden, betrachtete ihn und wünschte ihm viel Glück beim Gedeihen. Ein junger Brokkoli sieht noch etwas schwächlich aus. Optisch schon ganz in Ordnung finde ich die Salate und den Sellerie. Ausnehmend hübsch sogar das Blattwerk von Mangold.
 
Mangold – was ist das eigentlich genau und wofür ist es gut? Den Spitzkohl und die anderen Triebe habe ich ja auch nur erkannt, weil die Stadt dankenswerterweise ein Papierschild darum gewickelt hatte. Nur die Salate vermitteln mir ein Gefühl von Sicherheit: Sie sehen schon jetzt so aus wie ihre erwachsenen Brüder. Nur eben viel kleiner.
 
"Nicht gleich vergraben. Einpflanzen genügt", hat mir zwischendurch die Gärtnerin von den landwirtschaftlichen Betrieben in München geraten. Sie stand mir und den anderen Gemüse-Greenhorns zum Saisonstart ein wenig zur Seite.
 
Forsch hatte ich meine Pflanzschaufel in den Acker getrieben und dabei richtig tiefe Löcher gegraben, in denen das junge Gemüse verschwand. Nicht mein einziger Fehler. Ein Lineal zu benutzen, um die Abstände zwischen den Salaten auszumessen, schien mir etwas spießig. Dafür stehen manche jetzt ziemlich eng beieinander. Viel wachsen dürfen die nicht. Zwei Beete weiter sieht alles irgendwie geordneter aus. Ich bin etwas neidisch.
 
Fortsetzung folgt ...

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