Anis - Heilpflanze des Jahres 2014

© NHV Theophrastus
Die südländische Pflanze mag im Garten einen trocknen und geschützten Standort. 

 
Zur Heilpflanze des Jahres 2014 gekürt wurde Anis (bot. Pimpinella anisum) vom NHV Theophrastus, dem Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V., der mit dieser Wahl interessierte Menschen auf eine der ältesten Gewürz- und Heilpflanzen aufmerksam machen möchte.
 
Familie der Doldenblütler
 
Anis ist eine Pflanze aus der Familie der Doldenblütengewächse (Apiaceae), die insgesamt über 3000 Mitglieder umfasst. Eng verwandt ist er mit Gewürzpflanzen wie Dill, Fenchel oder Koriander, aber auch mit der Karotte als Gemüsepflanze.
 
Erscheinungsbild
 
Die einjährige Anispflanze wird 30-60 cm hoch und hat eine dünne, spindelförmige Pfahlwurzel mit einem aufrechten, gerillten, oben verzweigten ästigen Stängel. Die Blätter unterscheiden sich in ihrem Aussehen: Während die unteren Laubblätter ungeteilt und rundlich sind, werden sie zur Pflanzenspitze hin zunehmend feiner strukturiert – die mittleren sind einfach gefiedert, die oberen zwei- bis dreifach gefiedert.
 
Im Juli/August blühen zahlreiche kleine weiße Blüten auf, die aus fünf kleinen Kronblättchen bestehen und sich zu flachen, lockeren Doppeldolden zusammenfügen. Das eigentliche Erntegut sind die länglichen Früchte, die sich im Spätsommer entwickeln und die aufgrund des hohen Anteils an ätherischem Öl für medizinische Zwecke sowie die Lebens- und Genussmittelindustrie von Bedeutung sind.
 
Anbau im eigenen Garten
 
Hauptanbaugebiete sind meist südeuropäische Länder, wie die Türkei, Spanien und Italien, aber auch Asien, Mittel- und Südamerika.
 
Wer Anis im eigenen Garten anpflanzen möchte, sollte dafür einen relativ trockenen Standort mit schneller Erwärmung im Frühjahr wählen. Ausgesät wird ab Ende April. Besser sind jedoch im Gewächshaus vorgezogene Pflanzen, die dann nach dem letzten Frost ins Freie gepflanzt werden. Die Pflanze mag Wärme, mäßige Feuchtigkeit und einen langen, sonnigen Herbst, damit die Samen reifen.
 
Ernte
 
Wegen der ungleichmäßigen Reife der Samen werden die ganzen Pflanzen bereits abgeschnitten, wenn die Früchte der mittleren Hauptdolde braun werden und die Stängel sich gelb färben. Da die Früchte leicht ausfallen, sollte die Ernte bei Tau am Morgen erfolgen. Nach der Nachreife und dem Trocknen können die Früchte durch Klopfen über einem Tuch gewonnen werden.
  
Aroma
 
Der Geruch der Anisfrüchte wird als eigenartig würzig und der Geschmack mit süßlich aromatisch, oft auch lakritzähnlich, beschrieben. Fernsehkoch Alfons Schuhbeck schildert ihn als „... mildsüßliches Aroma, in das sich holzige und pfeffrige Noten mischen.“
  
Verwendung von Anis
 
Früchte wie Anis und Fenchel müssen gequetscht oder „angestoßen“ werden, bevor sie ihren Duft preisgeben – im Gegensatz zu Pflanzen wie Thymian, Basilikum oder Salbei, deren ätherisches Öl in Drüsen an der Pflanzenoberfläche gespeichert ist und sich bereits durch nur leichte Berührung verströmt.
 
Hierzulande ist Anis vorwiegend als Brot- und Kuchengewürz oder für Weihnachts-gebäck, wie Anisplätzchen und Lebkuchen, bekannt. Fette Fleisch- oder Fischgerichte schmecken mit Anis gewürzt frischer und sind leichter bekömmlich. Er ist in fertigen Würzmischungen, u. a. in Curry-Pulver, Kräuter der Provence oder für Wurst, zu finden.
 
Am bekanntesten ist der Anis jedoch als Bestandteil alkoholischer Getränke wie im griechischen Ouzo oder Mastika, im französischen Pastis oder Pernod oder im türkischen Raki. Auch in Deutschland kreierte man anishaltige Liköre wie z. B. Küstennebel oder Goldwasser.
  
Anis in der Tierwelt
 
Vierbeinige oder geflügelte Gefährten der Menschen scheinen den Anis ebenfalls zu mögen: Nach alten Überlieferungen heißt es, dass man Haustieren wie Pferden und Hunden Anis zur Gesunderhaltung in das Futter mischte. Sogar Mausefallen wurden mit ihm parfümiert, um die kleinen Nagetiere anzulocken.
 
 
Quelle: NHV Theophrastus / Maria Vogel, Dipl.-Ing. (FH) Pharmazie