Folge 6: Widerstand aus der Familie

Ich hätte den Kindern mein Experiment verschweigen sollen. Sie finden es doof. Aber mehr aus einer angeborenen Anti-Haltung heraus, weniger aus Sehnsucht nach frischem Salat.
 
© Eva Puchtinger
Während ich wieder einmal leise fluchend die dürren Skelette ermordeter Salate aus dem Beet zog, gab mir mein 5-jähriger einen wertvollen Tipp: „Du bräuchtest diese Krümel, die die Oma gegen die Nacktschnecken streut.“ Was sollte ich sagen? Unüberlegt und gedankenlos weihte ich ihn in meinen Selbstversuch ein, erklärte, dass ich meinen Kolleginnen versprochen hatte, kein Korn zu streuen, keinen Zaun zu errichten und keine Schnecke abzusammeln.
 
Zu spät hatte ich die Signale empfangen, die verrieten, dass der Sohn gerade in einer seiner Ich-bin-aus-Prinzip-dagegen-Momente feststeckte. Er hielt das Experiment also auf Anhieb für eine bescheuerte Idee. Auf meine Frage, warum er sich so aufrege, weil er den Salat doch ohnehin nicht esse, erhielt ich die Art von Antwort, die jedes Gegenargument von vornherein abschmettert: „Doch, genau dieses Jahr wollte ich mit dem Salat-Essen anfangen.“
 
Weil das Kind aber nicht ganz blöd ist und weiß, dass alles, was mit Mamas Garten oder Arbeit zusammenhängt, nicht verhandelbar ist, beruhigte sich seine Oberfläche schnell wieder. Stattdessen begann es beiläufig zu fragen, was Schnecken gar nicht mögen. Brennnesseln. Was noch? Blätter, die besonders hart und dick sind. Was noch? Sand und andere raue Sachen. Was noch? So ging das ein ganze Weile.
 
Kurz darauf beobachtete ich, wie der Sohn – ausgerüstet mit Handschuhen, Bauarbeiterhelm, Schutzbrille und Bambusstab – Brennnesseln, einige Blätter des Kirschlorbeers (ja, davon wächst ein Expemplar in der gemischten Hecke der früheren Bewohner und darf dort bleiben), Sand aus dem Sandkasten und einiges mehr zusammen mit Wasser in einem Eimer verrührte und dann auf eine sonnige Trittplatte im Gemüsebeet stellte. „Wenn Du nichts tust, Mama, setze ich eben ein eigenes Schnecken-Vertreibe-Mittel an,“ bekam ich als Reaktion auf meinen fragenden Blick.
 
© Eva Puchtinger
Am selben Tag wurden übrigens noch die sterblichen Salat-Reste aus dem Kompost geangelt und zwischen den Stauden wieder eingepflanzt (mit fünf Jahren darf man noch träumen) und der kleine Bruder wurde animiert, so viele Schnecken wie möglich ins Planschbecken zu schaufeln. Von dieser Aktion erfuhr ich allerdings erst Tage später, als aufgedunsene Schleim-Körper auf der Wasseroberfläche trieben.
 
Eine Garten-Saison lang will kraut&rüben-Redakteurin Eva Puchtinger nichts gegen die Schnecken in ihrem Garten unternehmen. Warum? Inspiriert von einer Leserin soll dieses Experiment die Sichtweise ändern. In Zukunft ist der Salat zur Hälfte knackig-köstlich, nicht halb angefressen.


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