Folge 8: Einatmen, ausatmen, ruhig bleiben

Manchmal denke ich, ich sollte den Tieren sogar ein bisschen dankbar sein. Wer weiß, ob ich in manchen Momenten so gefasst bleiben könnte, wäre ich nicht durch die harte Schnecken-Schule der Kontenance gegangen.
 
© Eva Puchtinger
Gestern Abend haben wir – vielleicht zum letzten Mal in diesem Sommer – draußen gegessen. Zu Gegrilltem gab es Bohnengemüse, Pellkartoffeln und gemischten Salat. Alles zubereitet aus eigener Ernte. AUS UNSERER ERNTE!
 
Diesen Satz wiederholte ich während des Essens so oft, bis es mir genervt entgegenschallte: „Jaahaa, wir haben es verstanden. Jedes einzelne Gemüse auf diesem Tisch ist in Deinen Beeten gewachsen. Und wir essen, nicht die Schnecken.“ Als wäre das nichts, als hätten wir in diesem Sommer täglich vor opulenten Mahlzeiten aus eigenem Anbau gesessen!
 
Aber Ziel meines Schnecken-Experiments ist es schließlich, mich in Gelassenheit zu üben. Und Gelassenheits-Workouts hatte ich wahrlich reichlich exerziert in den vergangenen Monaten. Da würden mich abfällige Bemerkungen von absolut Ahnungslosen nicht ernsthaft aus dem Ruhepuls bringen. Grrrrrr!
 
Ich bin nicht auf deren Anerkennung angewiesen. Ich bin mein eigener Antrieb. Zerfressenes auf dem Kompost entsorgen, Neues säen, scheitern, Anderes pflanzen, scheitern, … nichts hat mein Durchhaltevermögen bisher beschädigt.
 
© Eva Puchtinger
Trotzdem bin ich nicht böse, dass die Gemüse-Hauptsaison nun ihr natürliches Ende nimmt. Vor kurzem habe ich Spinat und Feldsalat mit dem guten Gefühl gesät, dass ich nicht aufgegeben habe. Möglicherweise hätte ich es getan, wenn dieser Satz des 3-jährigen schon früher gefallen wäre. Beim Anblick der frisch ausgegrabenen makellosen (!) Kartoffeln rief er: „Iiiii, Mama, schau mal: Pferdekacka!“ So viel Ignoranz verträgt auf Dauer niemand, oder?
 
Eine Garten-Saison lang will kraut&rüben-Redakteurin Eva Puchtinger nichts gegen die Schnecken in ihrem Garten unternehmen. Warum? Inspiriert von einer Leserin soll dieses Experiment die Sichtweise ändern. In Zukunft ist der Salat zur Hälfte knackig-köstlich, nicht halb angefressen.