Holzherde

Neue Holzherde – sauber und effektiv

Foto: Jürgen Radzieja / pixelio.de
Die Novelle der 1. Bundes- imission-schutzverordnung begrenzt erstmals die Abgasausstoß und Wirkungsgrad von privaten Kaminöfen, Holzheizungen und Holzherden.
 
kraut&rüben sprach mit Frank Kienle, Geschäftsführer des Industrieverbandes Haus-, Heiz- und Küchentechnik.
 
kraut&rüben: Mit welcher Technik schaffen es die Hersteller bei den Holzherden die strengen Emissions-Anforderungen einzuhalten?
 
Frank Kienle: Alle Geräte arbeiten heute neben der Luft, die durch den Rost einströmt auch mit Sekundärluft, die über dem Glutbett zugeführt wird. Die Primärluft allein reicht für eine vollständige Verbrennung nicht aus. Eine spezielle Luftführung hält die Brenngase länger im Feuerraum, sorgt damit für eine vollständige Verbrennung und reduziert die Schadstoffe in der Abluft. Neue Geräte kommen auf ein Viertel des Schadstoffausstoßes von Herden, die 20–30 Jahre alt sind.
 
kraut&rüben: Die Verordnung fordert auch einen höheren Wirkungsgrad der Geräte – mindestens 70 %. Wie lässt sich dieser erreichen?
 
Frank Kienle:  Durch das Umlenken der Brenngase, Lamellen und andere Möglichkeiten der Wärmeabgabe an den Herd lässt sich die Austritts-Temperatur der Abgase im Schornstein senken. Auf diese Weise wird der Brennstoff besser ausgenutzt. Der Wirkungsgrad der Herde konnte von rund 60 % vor 20 Jahren auf über 80 % erhöht werden. Hier liegt jedoch die Grenze. Technisch wäre mehr möglich, doch die Temperatur der Abgase darf in der Schornsteinmündung 100°C nicht unterschreiten. Das bei niedrigen Temperaturen entstehende Kondenswasser versottet den Schornstein und in der Wohnung würde es nach Chemie riechen.
 
kraut&rüben: Der Begriff Festbrennstoffherde bezieht Herde ein, die auch Braunkohlenbriketts verbrennen. Ist das unter Umweltaspekten sinnvoll?
 
Frank Kienle:  Einige Hersteller legen ihre Herde auch für Braunkohlenbriketts aus, nicht alle. Üblicherweise schürt man dann mit Holz, und legt nachts zum Warmhalten Briketts nach. Braunkohlenbriketts verbrennen ähnlich wie Scheitholz, brauchen aber etwas mehr Luft. Von den Schadstoffen her gesehen sind sie tendenziell sogar besser. Sie verbrennen aber nicht klimaneutral.
 
kraut&rüben: Wo können sich Kunden über Abgaswerte und Effizienz eines Herdes schlau machen?
 
Frank Kienle: Wir haben eine Datenbank programmiert, aus der Neukunden ablesen können, welche Werte ein bevorzugtes Modell erreicht und ob es schon jetzt die Anforderungen von 2015 erfüllt. Dort erfährt man auch, wie lange ein älteres Gerät noch zu nutzen ist. (www.cert.hki-online.de)
 
kraut&rüben: Müssen die Besitzer älterer Holzherde den Schornsteinfeger einbeziehen?
 
Frank Kienle:  Nein, die Schornsteinfeger sind aber im Rahmen der jährlichen Feuerstättenbeschau angehalten, die Situation zu erfragen und die Kunden zu informieren.
 
kraut&rüben: Wann ist es sinnvoll, einen alten Holzherd nachzurüsten?
 
Frank Kienle:  Das macht gar keinen Sinn. Für Zusatzaggregat, Installation und die Abnahme durch den Schornsteinfeger müssen Sie mit mehr als 1000 Euro rechnen. Dadurch erhöhen Sie aber den Wirkungsgrad nicht, und die Schadstoffe lassen sich lediglich um 50 % reduzieren. Einen Holzherd nachrüsten – das macht man nur, wenn es sich um ein Erinnerungs- oder Liebhaberstück handelt.
 

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