Garten-Kolumne
16.06.2010  

Rüben-Euphorie und Läusepein

Die ersten Salatköpfe - Foto W. Müller
Ginge es immer nur ums Geld, wäre der Gemüseanbau von Laien kein Thema. Im Supermarkt kosten Salatköpfe weniger als einen Euro. Sie sind immer gleich groß und gleich makellos, wenn sie in der Auslage dicht aneinander gedrängt auf einen Käufer warten. Es scheint gerade so, als hätten ihre Blätter nie wachsen müssen. Sie sind einfach vorhanden, weil wir sie gerne essen. Punkt. Ende der Konsumgeschichte.
 
Doch die Geschichte meiner Krautgartensalate fängt viel früher an. Ich habe ihnen beim Wachsen zugesehen. Jetzt kann ich es kaum fassen, dass die wohlschmeckenden Wuschelköpfe für nur einen Euro zu haben sind. Sie trotzten dem schlimmsten Regen, sie haben die Hitze überlebt, und sind trotzdem immer perfekter geworden.
 
Inzwischen sind die ersten Batavia- und Kopfsalate auf dem Teller gelandet. Ein auf die Grillfeier mitgebrachter Salat aus eigenem Anbau kann großes Staunen auslösen. "Echt jetzt? Aus Deinem Beet?" fragen Freunde ungläubig. Sie gucken dann so, als könne ein in Form und Farbe nicht von einem Supermarktprodukt unterscheidbares Lebensmittel unmöglich die Frucht der unbekümmerten Nebentätigkeit eines der ihren sein.
 
Ich kann es verstehen. Weil der Supermarktsalat seine Herkunft verschweigt, der Krautgartensalat aber mitsamt Wurzel und voller Erdkrümel die Freundesküche erreicht, wirkt letzterer wie ein verdächtiges Objekt aus einer unbekannten Welt. Dasselbe gilt für Radieschen und rote Rettiche. Einige tragen Fraßspuren, manche auch braune Flecken in der Knolle. Das sind wir verhätschelte Stadtkonsumenten nicht gewohnt.
 
Für ein Radieschen mit besonders großer Knolle lobte mich eine Krautgarten-Nachbarin. Tatsächlich packte mich die Euphorie. In Deutschland bricht pünktlich zur Fußball-WM wieder das Fan-Fieber aus, und ich bin ganz von der Rolle wegen einer Knolle! Aber es war eben nicht irgendein Wurzelgemüse, das mir da Freude bereitete. Sondern ein Radieschen, das zwar völlig selbstständig gewachsen war, aber während dieser Zeit regelmäßige Unterstützung von mir bekommen hatte.
 
Keinerlei Hilfestellung will ich hingegen den kleinen schwarzen Läusen geben. Ihre
Fotos: W. Müller
Ankunft verrieten die gekräuselten Blätter des Spinats. Wenig später bevölkerten die Insekten auch den jungen Fenchel, zuletzt sah ich einige von ihnen sogar in den Tomatenstauden. Ich habe zunächst auf Rettung durch Marienkäfer gehofft. Doch die ließen sich nur kurz blicken. Was soll's, könnte man sich denken, ein Kilogramm Fenchel kostet im Supermarkt nur zwei Euro. Aber hier geht es nicht um irgendeinen Fenchel. Ich muss etwas tun.
 
Fortsetzung folgt ...

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