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03.11.2009  

Verschollene Quittensorte gesucht

Beim jüngsten Streuobsttag der LWG machten Besucher die Erfahrungen, dass Quitten sich auch über ihren Duft entdecken lassen. - Fotos: LWG
’Die Langfrüchtige’ wurde vermutlich 1958 das letzte Mal von der Baumschule Müllerklein in Karlstadt verkauft. Seitdem ist die in alten Büchern als außergewöhnlich aromatisch beschriebene Frucht verschollen.
 
Experten suchen verschollene Quitte
 
Die beiden Streuobst-, bzw. Quittenexperten Marius Wittur und Martin Degenbeck sind guten Mutes, dass in irgendeinem alten Garten noch eine Langfrüchtige und andere alte Quittensorten stehen 
 
Wer kaufte bis 1958 Quittenbäume in Karlstadter Baumschule?
 
Martin Degenbeck von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim betreut das Streuobstprojekt des Landkreises Würzburg und der Eisenheimer Marius Wittur initiierte das Fränkische Rekultivierungsprojekt Alter Quittensorten. „Im Oktober entfalten die reifen Früchte Duft und ihre typische Form“ erklärt Degenbeck. „Das konnten zum Beispiel die Besucher des jüngsten Streuobsttages in der LWG wieder anschaulich erleben. Jetzt lässt sich die Quitte „Die Langfrüchtige“ leicht erkennen und bestimmen,“ meint er und hofft auf eine rege Mithilfe der Bevölkerung bei der Suche.
 
Quitten erleben eine Renaissance
 
Kaum eine andere Obstart ist in ihrem Bestand in den vergangenen Jahrzehnten so sehr geschrumpft, wie die Quitte. Als „schwierig zu verarbeiten“ gebrandmarkt, verschwand die an Vitaminen und Mineralstoffen äußerst reiche und gesunde Frucht aus Fluren und Gärten.
 
Zurzeit erlebt sie eine Renaissance. Jährlich werden Quitten tonnenweise aus dem Ausland importiert. Doch die beginnende massenhafte Neuanpflanzung in Deutschlands wärmeren Gefilden täuscht nur scheinbar über die mangelnde Vielfalt hinweg:
 
„Geschrumpft sind natürlich auch die Angebotslisten der deutschen Baumschulen. Nur ein paar wenige Sorten haben hier den Exodus der vergangenen 50 Jahre überlebt,“ bedauert Wittur. In ganz Deutschland sucht er schon seit vielen Jahren alte Sorten, vermehrt und pflanzt sie wieder auf. In ihnen schlummern oft wichtige Eigenschaften, wie besondere Aromen und Inhaltsstoffe, Gesundheit und Widerstandskraft. In den exklusiven Weinen, Seccos und Säften aus Witturs Erzeugung lassen sie sich heute wieder schmecken, wie die Besucher des Streuobsttages erfahren konnten. Und auf dem von ihm initierten und betreuten „Astheimer Quittenlehrpfad“ können Spaziergänger auf einer vier Kilometer langen Strecke die Schönheit bis zu hundertjähriger Baumgreise entdecken.
 
„Für die Züchtung der Zukunft ist es wichtig, einen großen Gen-Vorrat zu besitzen,“ betont Degenbeck den wissenschaftlichen Aspekt der Suche und ergänzt: „Wissen wir zum Beispiel, welche Herausforderungen der Klimawandel noch an unsere Obstbäume stellen wird? Wir brauchen die alten Sorten.“
 
Noch sind Wittur und Degenbeck hoffnungsvoll, auch „Die Langfrüchtige“ wieder zu
’Die Langfrüchtige’ im Vergleich mit anderen Quittensorten.
entdecken. „In den privaten Gärten stehen sicher noch viele wertvolle alte Bäume,“ sind sich die Experten sicher. „Hier werden wir vielleicht auch die Verschollene finden.“
 
In früherer Literatur wird „Die Langfrüchtige“ als äußerst aromatische Frucht mit markant länglicher Form beschrieben. In Mainfranken hat sie wohl 1958 zum letzten Mal die damals schon überregional bekannte Baumschule Müllerklein in Karlstadt angeboten.
 
Die beiden Experten bitten deshalb Quittenbaumbesitzer, die zwischen 1948- 1958 in Karlstadt gekauft haben, sich an eine der folgenden Adresse zu wenden:
 
Fränkisches Quittenprojekt, Marius Wittur, 0176/23 63 72 16, info@mustea.de
 
oder an LWG Veitshöchheim, Martin Degenbeck, 0931/9801-402, martin.degenbeck@lwg.bayern.de
 

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