Champignons selber ziehen

Champignons selber ziehen
Champignon-Zucht - Foto: yudaiphoto / stock.adobe.com

Champignons sammeln, ohne zu suchen? Das klappt mit dem richtigen Know-How bei Ihnen zu Hause – und sogar mitten im Winter.

Wie Champignons gedeihen

Gehören Sie auch zu den Gärtnern, die Fertigpackungen links liegen lassen? Dann sollten Sie bei Champignons eine Ausnahme machen. Sie ticken anders als Blumen und Gemüse. Und auch das Wissen über Austernpilze oder Braunkappen nützt nicht viel. Denn während man diese Zuchtpilze auf Strohballen oder Holzstämmen regelrecht anpflanzen kann, lassen sich die weißen Pilzköpfe nicht so leicht zum Bleiben überreden. Champignons wachsen nur auf einem Untergrund mit dem gewissen Etwas.

In der gekauften Kiste finden sie, was ihr Herz begehrt: eine Mischung aus Pferdemist und Hühnerdung, von Fachleuten zusammengestellt und mithilfe von Bakterien vergoren. Die Mikroorganismen müssen das pflanzliche Eiweiß erst aufspalten, bevor es für die Pilze bekömmlich wird. Außerdem wurde dieser Kompost stark erhitzt. Keimfrei muss er sein. Das unterirdische Pilzgeflecht ist empfindlich und würde Schimmelpilzen und anderen Widersachern unterliegen.

Anzuchtset für Pilze

Machen Sie sich’s also leicht. Nicht nur dass die Aussicht auf gute Erträge quasi mitgeliefert wird, so eine Pilz-Schachtel ist auch mobil und praktisch. Im Sommer steht sie – schneckensicher – im schattigen Frühbeet oder auf dem Balkon. Im Winter in der Wohnung, im Keller oder Hobbyraum. Nur in der Garage ist die eigene Pilzzucht fehl am Platz. Pilze lagern Schadstoffe aus Autoabgasen ungefiltert ein.

Stellt man sich die Kiste in die Küche, kann man beim Kochen aus dem Vollen schöpfen. Erntefrisch schmecken die Pilze nochmal so gut. Sie alle sprießen in Griffweite, wenn der Garten seinen Winterschlaf hält.

Schade ist es schon, wenn nach 3–4 Monaten der Erntesegen vorbei ist. Wie in der Natur nach einigen fetten Monaten auch hat sich das Pilzgeflecht (Myzel) in seinem mobilen Heim erschöpft. Die Nährstoffe sind aufgebraucht, die Fruchtkörper bleiben aus. Mitunter fordern Versäumnisse bei der Pflege oder Fäulnis Tribut. Dünger- und Kompostgaben beschleunigen noch das Absterben.

Wohin mit dem Pilzgeflecht?

Erde und Pilzgeflecht wandern am besten auf den Kompost. Dort haben manche Pilzfreunde nach ein paar Wochen sogar wieder Pilze sprießen gesehen. Andere verteilen die Reste unter Bäumen und Sträuchern, um auch dort in Zukunft ein paar Fruchtkörper zu entdecken. Dass die Rechnung aufgeht, kann niemand garantieren, vor allem im Winter nicht.

Keine gute Idee ist es, die Fertigpackungen in der freien Natur auszuleeren. Immer wieder findet man ausgewilderte Zuchtchampignons, die auf Wiesen und an Waldrändern angestammte Champignonarten wie den Anis-Champignon (Agaricus arvensis) oder den Wiesen-Champignon (A. campestris) verdrängen.

Von wenig Erfolg gekrönt ist der Versuch, die Pilze über ihre Sporen auszusäen. Zwar rieselt der feine Staub zuhauf aus den Lamellen alter Hüte. Bis der erste Fruchtkörper erscheint, können Jahre vergehen.

Profis vermehren deshalb winzige Stücke des Pilzgeflechts im Labor, um es auf Getreidekörnern weiterwachsen zu lassen. Mit dieser Pilzbrut beimpfen sie große Mengen ihres Kompostes, woraus die Pilze bald nur so ploppen. Ein wenig von der gehaltvollen Erde in eine Kiste – und ab in die Post. Die Hobbygärtner warten schon.

Das Paket ist da

Die Champignon-Fertigkultur kauft man in einem mit Folie ausgeschlagenen Karton, einem Styroporkasten oder einem Kunststoff-Gewächshaus. Darin ist bereits der Nährboden enthalten, der vom Pilzgeflecht durchwachsen ist.

Die Füllung macht’s

Wenn Sie die Packung öffnen, finden Sie auch Erde, die in einem Folienbeutel verpackt ist. Verteilen Sie diese gleichmäßig und bis in die Ecken auf dem Nährboden und streichen sie diese ohne Druck glatt. 1–2 Handvoll Erde behalten Sie für später im Beutel zurück.

Feucht, nicht nass

Nun befeuchten Sie die Erde mit einer Sprühflasche, vorsichtig und in mehreren Etappen. Sie darf nicht zu nass werden, denn dann fault die Kultur schneller als die Pilze wachsen.
Prüfen Sie während des Wässerns immer wieder die Erde, indem Sie ein wenig davon zwischen die Finger nehmen und drücken. Tritt ein einzelner Wassertropfen heraus, passt die Feuchtigkeit.

Steht das Wasser nach dem Gießen unten im Karton, bohren Sie ein paar
Löcher in den Boden, damit es abfließt. Staunässe wäre fatal.

Deckel drauf

Bohren Sie ein paar Löcher in den Kartondeckel und decken den Kasten damit ab. Das vermindert die Verdunstung und erzeugt ein feuchtes Kleinklima. Hierfür eignet sich auch Frischhalte- oder andere Folie, in die man Luftlöcher piekt.

So warm soll’s sein

Der Kasten muss nicht dunkel stehen, aber schattig. Direkter Sonne ausgesetzt oder auf einem Fensterbrett über der Heizung stehend staut sich die Wärme unter seiner Abdeckung. Die günstigste Temperatur für die Pilzkultur beträgt 15–20 °C. Da findet sich im Haus oder Keller bestimmt ein Platz! Ist es kühler, lassen die Pilze länger auf sich warten. Unter 4 °C wächst nichts mehr.

Das Pilzgeflecht wächst

Kontrollieren Sie in der nächsten Zeit immer wieder die Feuchtigkeit der Erde. Je feuchter die Luft im Raum ist, desto weniger muss man wässern. Nach etwa
8 Tagen ist das weiße Pilzgeflecht bis kurz unter die Oberfläche der Erde gewachsen. Bildet sich in dieser Zeit eine graue, fast schimmelige Schicht auf der Erde, sollte man die Kultur sofort kühler stellen. Die grauen Stellen decken Sie dünn mit der aufbewahrten Erde ab.

Nicht kratzen!

Während der Wartezeit sollten Sie nicht in der Erde herumkratzen. An solchen Stellen zerstört man das Pilzgeflecht, und es wächst dort nichts mehr. Die feinen Fäden können sich nicht regenerieren. Wer unbedingt schauen möchte, ob sich was tut, bohrt mit einem Streichholz ein kleines Loch.

Pilze brauchen Luft

Nach 10–12 Tagen nehmen Sie die Abdeckung herunter, weil die Champignons viel Luft brauchen, um sich zu entwickeln. Die umgebende Luft sollte aber weiterhin gut feucht sein (z. B. in einem Kellerraum). Bald zeigen sich winzige Knötchen auf der Oberfläche, die innerhalb weniger Tage zu großen Fruchtkörpern heranwachsen.

Endlich ernten

Groß oder klein? Sie entscheiden selbst, in welchem Alter Sie die Pilze ernten möchten. Je größer die Hüte sind, desto würziger schmecken sie.
Fassen Sie dazu die Champignons unten am Stiel und drehen sie vorsichtig aus der Erde heraus. Schneidet man die Champignons ab, faulen die Stielreste und mit ihnen bald das ganze Pilzgeflecht.

Lange nutzen

Die Pilzkultur können Sie etwa 5-mal beernten, vorausgesetzt Sie wässern sie nach jeder Ernte mit der Menge Wasser, die dem Gewicht der geernteten Pilze gleichkommt. Löcher schließen Sie aus Ihrem kleinen Erde-Vorrat. Zum Schutz vor Trauermücken stecken Sie Gelbtafeln in die Kiste, damit die Pilze nicht madig werden und faulen.

Kleiner Pilz ganz groß

Der Champignon oder Zweisporige Egerling (Agaricus bisporus) ist der älteste Kulturpilz. In Paris baute man ihn bereits im 17. Jahrhundert an. Der Zuchtpilz startete seine Karriere am Hofe Ludwigs des XIV. und war lange den Adeligen und Gourmets vorbehalten. Ab dem 19. Jahrhundert zogen Gärtner den Champignon auch in Deutschland heran.
Die Gärtner nutzten Keller oder Stollen, manchmal auch alte Bunker, um die festen, aromatischen Fruchtkörper in immer größeren Mengen zu ernten. Im kühlen Dunkel herrschen optimale, gleichbleibende Wachstumsbedingungen.

Heutzutage haben sich Hallen bewährt, die sich über Förderbänder besser beschicken lassen. Neben den weißen Champignons gibt es braune, die intensiver schmecken und sich auch länger halten. Da die dunklen Egerlinge weniger Erträge bringen, sind sie immer etwas teurer als die weißen. Diese Champignons gibt es ebenfalls als Fertigkultur.

Auf den Geschmack kommen

Champignons sind gesund, denn sie enthalten Kalium, Magnesium und zahlreiche Spurenelemente wie Mangan, Zink und Selen. Vor allem in der lichtarmen Jahreszeit sind sie für den Körper eine wichtige Vitamin-D-Quelle.

Frische Champignons schmecken schon von allein sehr würzig. Ein wenig Pfeffer und Salz unterstreichen das Aroma, doch sollte man erst nach dem Kochen würzen, weil vorheriges Salzen die Pilze zäh werden lässt.

Schneiden Sie die Champignons mal in feine Scheiben und mischen sie unter den Salat. Durch ihren hohen Chitinanteil besitzen die Pilze viele Ballaststoffe und sättigen, ohne dick zu machen. Allerdings sind sie schwer verdaulich, deshalb mit kleinen Portionen anfangen!

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