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Dünger aus Bioabfall: Bokashi im Praxistest

Wie wäre es mit einem Bokashi-Eimer als Weihnachtsgeschenk? Damit lässt sich Biomüll im Handumdrehen in Dünger verwandeln. Wie gut das geht, zeigt der Praxistest.

Frau befüllt Bokashieimer
Bokashi wird einen luftdicht verschlossenen Eimer fermentiert.
Bokashi
Bokashi: Hier wird Biomüll in einem verschließbaren Eimer fermentiert.

Kartoffelschalen, Brokolistrunk, Paprikakerngehäuse, säuberlich in Stücke schnitten – was aussieht wie Rohkostsalat geht in den großen schwarzen Eimer. Daraus soll bald Dünger für meine Balkonpflanzen werden. Wie? Mit Bokashi, einer Methode, die Japaner für Stadtmenschen erfunden haben, die keinen Garten und Komposthaufen haben. Das Wort Bokashi bedeutet „Fermentiertes Allerlei“. Und das ist was in dem Eimer passiert: Die Bioabfälle werden mithilfe von Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthesebakterien fermentiert. Damit sollen sie in kurzer Zeit zu Humus werden, ganz ohne lästige Gerüche. Klingt erstmal gut. Also habe ich mir ein Bokashi-Starter-Set vom Hersteller Fairfox besorgt. Hier mein Erfahrungsbericht:

Wie viel Aufwand ist Bokashi?

Es empfiehlt sich die Bioabfälle zu sammeln.
Es empfiehlt sich die Bioabfälle in einem Behältnis zu sammeln.

Klappe auf und rein damit! So einfach ist Bokashi leider nicht. Man muss die organischen Abfälle gut zu zerkleinern. Nicht größer als eine 2-Euro-Münze sollten die Stücke sein, empfiehlt die Expertin für Küchenbokashi. Außerdem sollte man die Abfälle separat sammeln, damit man den Eimer nicht zu oft öffnen muss. Ich habe dafür eine verschließbare Tupperbox verwendet.

Auch beim Befüllen gilt es einiges zu beachten. Jede Füllung muss schön gleichmäßig im Eimer verteilt, besprüht und mit Ferment bestreut werden. Dann muss das ganze gut zusammengepresst werden, damit möglichst wenig Luft an den Bokashi kommt. Man macht sich dabei nicht selten die Hände und Unterarme schmutzig. Manche Hersteller liefern eine Kelle aus Plastik zum Verdichten und zur Abdeckung des Inhalts mit.

Igitt! Fäule im Bokashi!

Da die Effektiven Mikroorganismen nur unter Ausschluss von Sauerstoff gut arbeiten, darf so wenig wie möglich Luft an den Bokashi - sonst entsteht Fäulnis. Und das, kann ich aus Erfahrung sagen, riecht nicht gut. Nach gut einer Woche schlug mir beim Öffnen des Eimers ein penetranter Gestank wie nach Erbrochenem entgegen - ein deutliches Zeichen, dass Fäulnisbakterien am Werk sind. Es ist wohl zu viel Sauerstoff an den Bokashiinhalt gekommen. Das Problem: Man muss den Inhalt im Eimer separat abdecken. Aber wie? Im Starter-Set war kein Zubehör zum Abdecken. Im Internet finden sich alle möglichen DIY-Bokashiabdeckungs-Ideen. Ich versuchte es mit einem Bienenwachstuch, das den Inhalt möglichst luftdicht abdecken sollte. Ich beschwerte das Tuch dann mit einer Schieferplatte.

Der kraut&rüben Tipp:

Beginnt Bokashi zu stinken, sollte mehr Flüssig-EM und eine Handvoll Gesteinsmehl hinzu.

Zitat

Wenn der Bokashi stinkt, mehr EM

Mindestens so wichtig wie die Zugabe der effektiven Mikroorganismen, ist es zudem, die Abfälle im Eimer gut zu verdichten, so dass keine Luftlöcher bleiben und die Flüssigkeit in das Sammelreservoir des Eimers abfließen kann. Das ist wohl der Grund, warum der Biomüll auch möglichst gut zerkleinert werden sollte. Nachdem in meinem Bokashi bereits Fäulnisprozesse am Start waren, zerkleinerte ich stärker und verwendete eine Extraportion EM, damit die Fäulnisbakterien keine Chance haben.

Wie stark stinkt Bokashi?

Der Geruch des Bokashi-Ferments riecht säuerlich und ist sicher nicht jedermanns Sache. Oft wird der Geruch mit Sauerkraut verglichen, aber ich finde, dass es einen unverkennbaren Eigengeruch ähnlich Maissilage (Kraftfutter für Kühe) hat. Anfangs war der Geruch noch leicht, aber nach 2 Wochen roch das Bokashi schon deutlich stärker, unangenehm säuerlich wie Erbrochenes. Ein Zeichen, dass nun auch Fäulnisbakterien mit am Werk sind, was nicht erwünscht ist. Danach sprühte ich mehr EM und drückte den Bokashi stärker zusammen, so dass die Flüssigkeit besser abfließt. Auch der Bokashi-Saft roch stark danach, daher nutzte ich ihn nicht als Dünger für die Zimmerpflanzen, sondern nur für die Balkonpflanzen. Der Geruch wurde weniger, nachdem ich mehr Ferment verwendete und den Inhalt besser verdichtet habe. Ich machte mir Sorgen, ob mein faulender Bokashi jetzt für die Tonne ist. Aber die Expertin für Küchenbokashi beruhigte mit: Die Antwort lest ihr unter Fragen und Antworten zu Bokashi.

Bokashisaft als schneller Dünger

Bokashisaft im Glas
Bokashisaft ist ein guter Flüssigdünger.

Nach 5 Tagen öffnete ich das erste Mal den Zapfhahn des Bokashi-Eimers. Es flossen zirka 50 ml Bokashisaft heraus. In der bräunlichen Flüssigkeit schwammen weiße Hefeflocken. Ab einer Woche kam deutlich mehr Flüssigkeit. Ich habe ab diesem Zeitpunkt alle drei Tage Bokashisaft abgelassen. Damit alles an Flüssigkeit herausfließt, habe ich den Eimer beim Abzapfen am Ende immer leicht schräg gehalten. Einige Male kam deutlich mehr Bokashisaft heraus als die mitgelieferte Plastiktasse (150 ml) auffangen kann. Daher verwendete ich ab da einfach ein Marmeladenglas. Das Gute daran: Damit lässt sich der Flüssigdünger geruchsfrei aufbewahren, denn der Bokashisaft riecht deutlich strenger als das Bokashi im Eimer. Meine Balkontomaten und Erdbeeren dankten es mir mit reicher Ernte. Auch mein Hibiskus blühte kräftig nach der Düngergabe.

Was kostet ein Bokashi-Set?

Bokashi-Eimer
Ein Bokashi-Set besteht aus einem Eimer und Ferment.

Einen Bokashi-Eimer mit Zubehör gibt es ab 50 Euro. Eingefleischte Bokashi-Fans haben meist zwei Eimer. So kann, während der eine Behälter für die finale Fermentierung ruht, der Zweite befüllt werden. Wer sich noch nicht ganz sicher ist, sollte das Ganze erstmal mit einem Eimer testen, sonst hat man am Ende mehr Müll produziert als vermieden. Ich komme gut mit einem Eimer aus, da ich nicht das gesamte Jahr Bokashi und Dünger produzieren werde.

  • Bokashi Starter Set mit Zubehör (2 Eimer) ab 70 Euro
  • 1 l EM-Lösung Effektive Mikroorganisment 5 bis 10 Euro
  • 1 kg Bokashi-EM-Ferment 7 bis 10 Euro (man braucht pro Eimerfüllung etwa 50 Gramm)

Praxiserfahrung mit Bokashi

Bokashi ist mit etwas Aufwand verbunden. Und es erfordert etwas Fingerspitzengefühl für die Handhabung und eine gewisse Geruchstoleranz. Ein Vorteil gegenüber Biomüll ist, dass sich im Bokashi-Eimer keine lästigen Fruchtfliegenschwärme bilden. Ich würde aber das nächste Mal zu einem kleineren Eimer greifen. Für einen Single wie mich füllt sich der 19-Liter-Eimer nur sehr langsam.

Der Bokashisaft als Flüssigdüngerzugabe hat meinen Balkonpflanzen gutgetan. Meine Tomaten und Erdbeeren dankten es mir mit reicher Ernte. Auch der Hibiskus blühte kräftig nach der Düngergabe. Bei der Vererdung in meinem neuen Hochbeet werde ich versuchen, mit Hilfe von Holzkohle Terra Preta herzustellen.

Kauft man die Zutaten allerdings teuer ein, spart man nicht wirklich Geld. Berechnet man die Kosten für Trockenferment und Effektive Mikroorganismen kommt man auf 8 bis 10 Euro pro Eimerfüllung. Nicht viel weniger zahlt man im Handel für 40 l Komposterde. Laut Expertin für Küchenbokashi reicht die Zugabe von Flüssig-EM aus. Das Trockenferment kann man getrost weglassen. Das reduziert die Kosten auf 5 Euro pro Eimer.

Mein Fazit: Nicht mein letzter Bokashi

Nichtsdestotrotz wird das nicht mein letzter Bokashi sein. Der erste geht in mein neu gebautes Hochbeet in meinem Schrebergarten. Ich möchte versuchen mithilfe von Holzkohle daraus Terra Preta herzustellen. Der nächste ist für meine Balkonpflanzen. Nach der Ernte meines Balkongemüses werde ich die Erde mit Bokashi beleben, da spare ich mir den aufwendigen Erdwechsel.

Meine Praxistipps für Bokashi-Anfänger

  • Zerkleinerte Abfälle in verschließbarer Tupperbox sammeln.
  • Abwaschbare Plastikabdeckung für den Bokashi-Inhalt nutzen.
  • Bei starkem Geruch, mehr Flüssig-EM sprühen und eine Handvoll Gesteinsmehl einstreuen.
  • Verschließbares Weckglas für Bokashisaft verwenden.
  • Beim Abzapfen des Bokashisafts gegen Ende den Eimer leicht schräg halten, um alles auszugießen.
  • Nicht zu feuchtes Füllgut, mit trockenem Füllgut (z.B. Haferflocken) kombinieren.

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