Folge 7: Rekonvaleszenz-Phase

Nein, ich habe mein Schnecken-Experiment nicht klammheimlich abgebrochen. Ich wollte nur nicht als Prinzessin Weinerlich in Erinnerung bleiben.
 
Die vergangenen Wochen waren hart. Und weil nicht auszuschließen war, dass ich ins abstoßend Jämmerliche abrutsche, wenn ich von meinen Rückschlägen auf dem Gemüsebeet berichte, habe ich es lieber bleiben lassen. Was langweilt schließlich mehr als die Erzählungen einer in Selbstmitleid ertrinkenden Schrulle, die über Dingen verzweifelt, die sie sich selbst eingebrockt hat? Eben.
 
Ich brauchte meine Zeit, jetzt ich bin auf dem Weg der Besserung. Ich kann wieder das Gute im Garten sehen: die blühenden Bohnen, das erfolg- und ertragreich abgeerntete Erbsengestrüpp, leuchtend orange Möhrenschultern unter saftig grünem Federlaub. Und ich weiß nun, dass Glücksklee (Oxalis tetraphylla) so gar nicht nach Schneckengeschmack ist. Und das, obwohl er viel verletzlicher aussieht als alle seine Beet-Nachbarn.
 
Als lebten sie unter einer rosaroten Glücksglocke, stehen die zarten Kleeblättchen da und ahnen offenbar nicht einmal, was um sie herum geschieht. Die Szenerie lässt sie ein bisschen kindlich-naiv erscheinen, aber was soll’s. Dem Glücklichen schlägt bekanntlich keine Stunde – folglich auch nie das letzte Stündlein.
 
Die Brutzwiebelchen hatte ich im Frühjahr auf einer Saatgutbörse erstanden. Wenn die Rübchen auf dem Teller halten, was der engagierte Herr am Raritäten-Stand versprochen hat, bekommt der Glücksklee nächste Saison auf jeden Fall mehr Platz im Beet eingeräumt. Wer weiß, vielleicht strahlt seine Aura sogar auf die Umgebung ab?
 
Eine Garten-Saison lang will kraut&rüben-Redakteurin Eva Puchtinger nichts gegen die Schnecken in ihrem Garten unternehmen. Warum? Inspiriert von einer Leserin soll dieses Experiment die Sichtweise ändern. In Zukunft ist der Salat zur Hälfte knackig-köstlich, nicht halb angefressen.
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