Früchte aus dem Paradies

Für Brauchtum und Küche spielen Äpfel in der Weihnachtszeit eine wichtige Rolle.
 
Früchte vom immergrünen Baum
 
Der Christbaum geht auf das mittelalterliche Paradiesspiel in der Kirche zurück, das später durch das Krippenspiel abgelöst wurde.
 
Die Schauspieler zeigten, wie die Sünde in die Welt kam und pflückten schließlich eine Frucht von dem immergrünen Baum. Diese Frucht war nach zeitgenössischer Vorstellung ein Apfel.
 
Äpfel als Christbaumschmuck
 
Der sogenannte „Baum der Erkenntnis“ wurde mit den Jahren immer aufwendiger geschmückt. Die Äpfel wurden schließlich sogar in Silber- und Goldfolie gewickelt, was dem Baum eine noch „paradiesischere“ Anmutung verlieh.
 
Im 16. Jahrhundert tauchte der Baum – mitsamt Apfelschmuck – erstmals außerhalb der Kirche auf, zum Beispiel bei Feiern von Zünften und Bruderschaften. Der Weg bis in die Wohnstuben war nun nicht mehr weit.
 
Als Gegensymbol zur katholischen Krippe wurde der Baum schon bald zum weihnachtlichen Symbol evangelischer Familien. Neben Äpfeln wurde der Baum mit Süßigkeiten behängt, der von den Kindern am Ende der Weihnachtszeit –  also am
6. Januar – geplündert werden durfte.
 
In seinem Märchen vom „Nussknacker und Mausekönig“ beschreibt E. T. A. Hoffmann auf überschwängliche Weise einen Weihnachtsbaum: „Noch nie hatte der Weihnachtsbaum solch‘ reiche Früchte getragen […], dazwischen mancher goldene Apfel aus den Gärten der Hesperiden“.
 
Auch als der Weihnachtsbaum von der Landbevölkerung übernommen wurde, behielt man den Apfelschmuck bei. Diese waren günstig und konnten später sogar noch gegessen werden.
 
Von echten Äpfeln zu Holz- und Glasäpfeln
 
Schließlich kam die Industrie auf die Idee, dauerhaften Christbaumschmuck herzustellen und so tauchten ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Äpfel aus Holz auf und ab 1884 erstmals aus Glas. Bei den reicheren Familien waren die Glasäpfel schnell sehr beliebt, während die ärmeren die Holzäpfel nutzten.
 
Heute werden kleine rote Äpfel als Baumschmuck hauptsächlich bei Familien eingesetzt, die ihren Baum kindgerecht mit Spielzeug und Strohsternen schmücken wollen. Dass es sich stets um rote Äpfel handelt, hat einen Grund, denn rot und grün sind die Farben von Weihnachten. Grün symbolisiert die Hoffnung, das erwachende Leben und die Geburt des Erlösers; rot erinnert an sein Blut, das er für die Erlösung der Menschheit vergossen hat.
 
Hoffnung auf den Frühling
 
Eine weitere weihnachtliche Tradition rund um den Apfel sind die Barbara-Zweige, die schriftlich seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesen werden können. Dabei handelt es sich um Zweige von Obstbäumen – je nach Region und Brauch waren es Apfelbaumzweige – die am 4. Dezember, Tag der heiligen Barbara, geschnitten und in einer Vase in der Wohnung aufgestellt werden.
 
Wenn diese Zweige dann an Weihnachten blühten, wurde dies als glückliches Omen gedeutet. Oft heftete man auch die Namen der Familienmitglieder an die einzelnen Zweige. Wessen Barbara-Zweig besonders schön blühte, hatte im kommenden Jahr viel Glück zu erwarten, bei Mädchen bedeutete es eine baldige Heirat. Heute erfreut man sich einfach mitten im Winter an den Frühling verheißenden Blüten!
 
Kinder, kommt und ratet, was im Ofen bratet!
 
Im kulinarischen Bereich ist der Apfel als Bratapfel die unangefochtene Nummer eins. Auf vielerlei Varianten ist der duftende, heiße Apfel zuzubereiten: Ob mit Nüssen und Rosinen, Marzipan, Dominosteinen, Haferflocken, ob mit Vanille-, Schokosauce, Cidre oder Rum serviert – er findet immer einen glücklichen Abnehmer. Viele Familien pflegen auch ihr eigenes, traditionelles Rezept. 
 
Eine wichtige Rolle spielen Äpfel zur Weihnachtszeit auch auf pikante Art: Kein Rotkraut ohne Apfelstückchen, keine gebratene Ente oder Gans ohne Apfelfüllung!
 
Weniger bekannt, aber unbedingt einen Versuch wert, sind winterliche Apfelsuppen, zum Beispiel mit Lauch, Karotten, Kartoffeln, Kürbis, Pastinaken, Rosenkohl oder Sellerie. Dank weiteren Zutaten wie Ingwer, Speck, Schinken, Majoran, Meerrettich, Maronen, Salbei oder Curry lassen sie sich zahllos variieren.
 
Quelle: BVEO

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