Gehölze im Klimawandel

Leseprobe aus kraut&rüben 12/2017

Gehölze im Klimawandel - Leseprobe aus kraut&rüben 12/2017
Gehölze im Klimawandel - Leseprobe aus kraut&rüben 12/2017

Die Sommer werden heißer und trockener, Stürme und Starkregen häufiger. Welche Gehölze eignen sich für den Klimawandel?

Was machen diese Wetterextreme mit unseren Bäumen? Welche Bäume sind die Schattenspender der Zukunft?

Auch wenn manche es immer noch leugnen, der Klimawandel ist in vollem Gange. Die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes sprechen eine klare Sprache.

Experten sehen einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Temperaturen und der Zunahme von Treibhausgasen in der Luft seit Mitte des letzten Jahrhunderts. Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change) prognostiziert: Es wird noch deutlich wärmer werden. Bis Ende des Jahrhunderts erwartet er eine Erwärmung um 2 bis 5 ° C (www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimawandel).

Doch nicht allein die Temperaturen steigen. Auch Unwetter treten immer häufiger auf und die Verteilung der Niederschläge ändert sich ebenfalls.

Immer öfter Extreme

Im Frühjahr fällt kaum noch Schnee oder Regen, vielerorts stieg die Waldbrandgefahr immens an. Später setzen anhaltende Starkregen so manche Region unter Wasser. Sommer mit monatelangen Trockenperioden und Hitzerekorden könnten sich häufen.

All das stresst nicht nur den Menschen, sondern auch die Pflanzen. Vor allem Gehölze, die Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte alt werden, passen sich nicht so schnell an veränderte Bedingungen an.

Kommunen schlagen längst Alarm, weil Stadtbäume kränkeln und sterben. Leiden sie ohnehin häufig schon unter zugepflastertem und verdichtetem Wurzelraum sowie belasteter Luft, setzen ihnen Hitze und Trockenheit zusätzlich zu und machen sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge.

Gehölze für den Klimawandel

Kastanienminiermotte, Massaria-Erkrankung bei Platanen und Eschentriebsterben dünnen das Grün in unseren Innenstädten bedrohlich aus. Dabei sind Gehölze als CO2-Verbraucher und Sauerstoffproduzenten wichtiger denn je. Und angesichts heißer werdender Sommer wird man künftig für jeden Schattenspender dankbar sein.

Aber welche Bäume kommen noch in Frage?

Welche Arten halten dem Klimawandel stand?

Dieser Frage nimmt sich die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim (LWG) derzeit an. Im Rahmen des Projektes Stadtgrün 2021 suchen die Wissenschaftler nach geeigneten Stadtbäumen für die Zukunft. Dazu wählten sie, nach intensivem Erfahrungsaustausch mit Fachleuten und Praktikern aus der ganzen Republik, 20 Versuchsbaumarten aus, die aus Regionen und Lebensräumen stammen, in denen Klimabedingungen herrschen, wie sie für unsere Breiten prognostiziert sind. Obwohl der Versuch noch bis 2021 läuft, zeichnen sich bereits Ergebnisse ab.

Auch Gärtner profitieren

Für die heutigen Gärten sind die meisten Straßenbäume zu groß. Doch auf der Liste der Versuchsgehölze befinden sich auch einige Arten, die sich für Privatgärten durchaus eignen. Wer jetzt denkt: „Im Garten gieße ich bei Trockenheit und Hitze halt mehr“, sei an die letzten Sommer erinnert. In Regionen, wo wochenlange Trockenheit das Trinkwasser verknappte, verboten viele Gemeinden, den Garten zu bewässern. Das könnte zur sommerlichen Normalität werden. Wohl dem, der dann anpassungsfähige Bäume gepflanzt hat, die auch noch echte Schmuckstücke sind.

Der Amberbaum (Liquidambar styraciflua) etwa gehört zu den spektakulären Herbstfärbern. Gelborange, tief purpurfarben oder weinrot laufen seine gelappten, 12-15 cm breiten Blätter an, die Ahornlaub ähneln. Aus den Blüten im Mai entwickeln sich kugelige, 3 cm große Früchte, die noch im Winter an den kahlen Ästen baumeln. Seine Rinde zieren Korkleisten, die ihm selbst im laublosen Zustand ein attraktives Aussehen verleihen. Der Baum wächst zunächst langsam, kann im Alter allerdings 10–20 m Höhe erreichen. In seiner Heimat Amerika befeuert der Amberbaum den Indian Summer. Dort wächst er an Hängen, wo Wasser schnell abläuft, ebenso wie in Uferwäldern im häufig überschwemmten Missisippi-Tal. Auch als Pioniergehölz auf Rohböden lässt er sich gerne nieder. Diese Anpassungsfähigkeit hilft dem Amberbaum, auch dem Klimawandel Stand zu halten. Einzig für kalkhaltige Böden ist das Gehölz nicht zu empfehlen, dort verfärben sich die Blätter gelb. Junge Bäume brauchen in den ersten Jahren etwas Frostschutz, später halten sie auch härtere Minustemperaturen aus.

Der Französische Ahorn auch Dreilappiger Ahorn (Acer monspessulanum) genannt, beweist handlicheres Gartenformat. Er wird nur 5–8 m hoch und kann als Baum oder Großstrauch wachsen. In der Natur kommt er hauptsächlich im Mittelmeergebiet vor bis in den Kaukasus hinein, taucht aber auch in Deutschland in Weinbauregionen auf. Er steht gern auf kalkhaltigen trockenen Felshängen, niederschlagsfreie Zeiten steckt er daher gut weg. Trotzdem erträgt er auch Fröste ohne Schaden. Seine breite Krone färbt sich im Oktober gelborange bis kräftig rot ein. Mit dem Austrieb im April/Mai erscheinen gelbgrüne Blüten, die Hummeln, Bienen, Falter und Käfer in Scharen anziehen. Sie entwickeln sich zu den ahorntypischen Flügelfrüchten.
Die Blumen-Esche oder Manna-Esche (Fraxinus ornus) fügt sich mit 8–10 m Höhe ebenfalls gut in Privatgärten. Im Gegensatz zur Gewöhnlichen Esche (F. excelsior) bleibt sie vom Eschentriebsterben verschont. Der kleine Baum oder Großstrauch stammt aus Südeuropa, liebt warme, sonnige Plätze und toleriert fast alle Bodenarten von trocken bis frisch. Frost verträgt er dennoch gleichermaßen. Seine 15–20 cm langen, gefiederten Blätter bleiben meist bis zum Blattfall grün. Dafür schmückt er sich im Mai und Juni über und über mit cremeweißen Blütenrispen am Ende der Triebe. Die duften und locken zahlreiche Insekten an. Für Gärten sind auch Sorten-Selektionen interessant, wie die schmalkronige ‘Obelisk’ oder ‘Meczek’ mit der Kugelkrone.

Die Parrotie (Parrotia persica) heißt auch Eisenholzbaum und bildet kleine, machmal mehrstämmige Bäume von 6–10 m Höhe. Ihre Blüten erscheinen vor den Blättern im März. Den großen Auftritt im Garten hat sie jedoch im Herbst. Denn ihre 10 cm langen Blätter verfärben sich dann von Gelb über Orangerot bis Violett oder Scharlachrot. Oft zeigen sie mehrere Farben gleichzeitig. Ein vollsonniger Standort intensiviert die Färbung. Ihre Blätter überstehen noch Fröste bis -8 ° C, daher haften sie lange an den Ästen. Auch beim Austrieb im Frühjahr ist das Laub rot gerandet.

Die Purpur-Erle (Alnus x spaethii) gedeiht noch auf ärmsten Böden und kommt mit feuchten wie trockenen Bedingungen zurecht. Sie erreicht 12–15 m Höhe. Allenfalls in der Jugend können Frostschäden auftreten, die jedoch schnell überwachsen. Über die extrem frühen Blütenkätzchen, die oft schon Ende Januar erscheinen, freuen sich Insekten, für Allergiker bedeuten sie allerdings eine Herausforderung. Der Baum gehört zu den Stickstoffsammlern und schmückt sich mit riesigen, bis 18 cm großen Blättern, die im Herbst lange haften bleiben. Er macht tiefe Wurzeln und lässt sich im Garten daher gut mit Stauden und Zwiebelblumen unterpflanzen.

Die Schmalkronige Ulme (Ulmus ‘Lobel’) erreicht 12–15 m Höhe und entwickelt mit ihren straff schräg aufstrebenden Ästen zunächst eine schmale Säulenform und später kegelförmigen Wuchs. Sie widersteht der Ulmenkrankheit, sofern sie als Steckling vermehrt wurde und auf eigener Wurzel steht.

Tipps für Gärtner vom Experten

Dr. Philipp Schönfeld ist Sachgebietsleiter Pflanzenökologie und Pflanzenverwendung an der LWG in Veitshöchheim und arbeitet am Projekt Stadtgrün 2021 mit.

Herr Dr. Schönfeld, viele Bäume aus dem Projekt Stadtgrün 2021 sind für Privatgärten zu groß. Haben Sie auch Erfahrungen mit kleineren Gartengehölzen?

Die Kollegen vom Sachgebiet Baumschule testen auf ihren Versuchsflächen im Stutel weitere Baumarten auf ihre Tauglichkeit für den Klimawandel. Dort stehen inzwischen 150 Arten und Sorten und können direkt miteinander und mit den Gehölzen aus dem Projekt Stadtgrün 2021 verglichen werden.

Welche davon können Sie unseren Lesern als gut anpassungsfähig empfehlen?

Von Gartenformat ist die Weidenblättrige Birne (Pyrus salicifolia), die sehr tolerant ist in Bezug auf Hitze und Trockenheit. Auch die Baumförmige Felsenbirne (Amelanchier arborea) der Sorte ‘Robin Hill’ eignet sich mit 5–8 m Höhe gut für Gärten. Sie erkrankt seltener an Echtem Mehlltau als die Kupfer-Felsenbirne. Zierapfel-Sorten wie ‘Red Sentinel’, ‘Evereste’ oder Malus tschonoskii sind schorffest, überzeugen mit handlichem Format, Blüten und Herbstfarbe.

Haben sich auch Sträucher bewährt?

Da kann man mit der Kornelkirsche (Cornus mas) sogar ein heimisches Gehölz empfehlen. Sie gedeiht auf trockenen wie frischen Böden, verträgt längere Hitzeperioden ebenso wie harte Frostphasen.

Können Gärtner etwas tun, um ihre Gehölze stressfest zu machen?

Das A und O ist eine sorgfältige Pflanzung: Ein großes Pflanzloch graben, verdichtete Bodenschichten aufbrechen und Bäume mit einem Dreibock stützen, den man 3 Jahre stehen lässt. Ein weißer Anstrich oder eine Schilfmatte schützt den Stamm vor Sonnenschäden. In den ersten 2 – 3 Jahren ausreichend wässern.

 

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