Geißblatt: Verführer & Eroberer

Lonicera caprifolium
Foto: paolofusacchia/stock.adobe.com

Geißblätter haben viele Qualitäten. Als Klettergehölze erklimmen sie stürmisch jede Rankhilfe und sorgen so für Sichtschutz. Ihre Blüten betören aber auch mit verführerischem Duft menschliche wie tierische Schnuppernasen.

In unseren Breiten sorgen Geißblätter (Lonicera) mit ihren Laubschleiern und Blütenvorhängen im Garten für märchenhafte Atmosphäre. Die rechtswindenden Schlingpflanzen erobern Zäune, Pergolen, Lauben und Wandspaliere im Handumdrehen und verwehren mit ihrem dichten Grün jeden Durchblick. Sie winden sich sogar ins Geäst alter Bäume. Öffnen sie dann noch ihre Blüten – je nach Art zwischen Mai und Oktober – offenbaren sie noch weitere Vorzüge.

Heimische Geißblätter

Die beiden heimischen Arten, das Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum) und das Echte Geißblatt (L. caprifolium) – auch Jelängerjelieber genannt – blühen von Ende Mai bis in den Juli hinein und zeigen dabei ein faszinierendes Farbspiel. Purpurfarben oder rötlich überhaucht sehen die geschlossenen Blütenröhren aus. Beim Aufgehen wölben sie ihr gelbes oder weißes Innenleben nach außen. Mehrere Einzelblüten bilden dabei Quirle, die die ganze Pflanze mit farbenfrohen Tupfern überziehen. Aber auch mit geschlossenen Augen nimmt man sie wahr, denn sie wird von einer intensiven Duftwolke eingehüllt.

Für Nachtschwärmer

Vor allem abends und nachts liegt schwerer süßer Geruch in der Luft. Das empfiehlt diese Geißblätter allen Workaholics, die ihren Garten nur abends genießen können. Sie locken aber auch allerlei Nachtfalter an, die an den Blüten naschen. Nachtschwärmer und Eulenfalter sind auf deren Bestäubung spezialisiert und werden für ihren Einsatz reichlich belohnt, denn die 4–5 cm langen Röhren sind oft halb gefüllt mit Nektar. Von den nachtaktiven Flatterern wiederum fühlen sich Fledermäuse angezogen, die eine Abendmahlzeit suchen.

Der beste Platz

Die beiden nahe verwandten Schlinger unterscheiden sich im Laub. Beim Jelängerjelieber verwachsen die obersten Blattpaare am Trieb zu stängelumfassenden Tellern oder Scheiben. Die Einzelblätter sind mit bis zu 10 cm Länge und 2–6 cm Breite auch größer. Das Wald-Geißblatt bildet eher längliche, elliptische Blätter, deren Basis nie verwächst.

Beide lieben halbschattige Standorte auf frischen bis feuchten, nährstoffreichen Böden. Vor allem der Wurzelbereich sollte im Schatten liegen, die Triebspitzen sonnen sich auch gerne. Je feuchter der Boden desto mehr Sonne wird vertragen. Im Vollschatten wachsen die Senkrechtstarter zwar auch, blühen jedoch nicht.

Große Verwandtschaft

Neben den beiden heimischen Geißblättern existieren zahlreiche weitere Lonicera-Arten, darunter strauchig wachsende Heckenkirschen, aber auch andere Kletterer.

  • das Immergrüne Geißblatt (L. henryi)
  • das Japanische Geißblatt (L. japonica)
  • das Feuer-Geißblatt (L. x heckrottii)
  • das Rote Geißblatt (L. x brownii) ‘Dropmore Scarlet’
  • das Gold-Geißblatt (L. x tellmanniana)

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