Vogelschlag am Fenster

Viele Vögel sterben, weil sie gegen Glasscheiben fliegen. Was wir tun können, um das zu vermeiden.

Glasscheiben sind für Vögel ein unsichtbares Hindernis, an denen jedes Jahr Hundertausende verunglücken, weil sie mit hoher Geschwindigkeit frontal gegen große Fensterscheiben, Wintergärten, Glashäuser oder Glaswände fliegen.
 
Vögel, die sich bei dem Aufprall meist innere Verletzungen zugezogen haben, fliegen zunächst weiter oder flattern ein wenig herum. Werden sie nicht mehr gesehen, liegt die Vermutung nahe, dass sie nochmals davon gekommen sind. Doch die lädierten Tiere verstecken sich zum Beispiel im Gebüsch, wo sie langsam verenden, wenn sie nicht vorher von Katzen, Mardern oder Krähen verschleppt worden sind. 
 
Glasscheiben als Gefahrenzone
 

Große Kollisionsgefahr besteht bei blitzblank geputzten Scheiben, denn Staub und Schmutz nehmen dem Glas die Transparenz. Auch der Lichteinfall beeinflusst die Unfallhäufigkeit.

 
Zu den Kollisionen kommt es zum einen wegen der Transparenz bzw. Durchsichtigkeit des Glases, zum anderen wegen der Spiegelung des Glases. Gerade in einer naturnahen Umgebung werden Bäume und Sträucher in den Scheiben gespiegelt – und dadurch leider zu einer tödlichen Falle.
 
Greifvogel-Aufkleber sind wirkungslos
 
An die Scheiben geklebte Greifvogel- Silhouetten schrecken die Vögel nicht ab, denn sie nehmen sie nicht als Feinde wahr, sondern allenfalls als schwarze Flecken, an denen sich versuchen, vorbeizufliegen. Davon zeugen zahlreiche Aufprallspuren, unmittelbar neben den Aufklebern.
 
Was kann man tun?
 
Wer ein Haus baut, kann die Problematik bereits in der Planungsphase berücksichtigen und sich professionellen Rat, u.a. bei Naturschutzverbänden (LBV, NABU) holen. Es gibt heutzutage sehr schicke Konstruktionen  z.B. für Windfänge und Windschutz mit mattierten oder geriffelten Scheiben, die unproblematisch sind.
 
Der beste Schutz
 
Sichtbare Markierungen und Muster auf den Glasscheiben, die per Siebdruck oder Folie angebracht werden, sind der beste Schutz gegen Vogelschlag am Fenster (Bezugsquellen siehe unten). Damit die Spiegelung gebrochen wird, müssen sie von außen angebracht werden.
 
Zu diesem Ergebnis kommen Experten der „Wiener Umweltanwaltschaft“, die auf diesem Gebiet bereits seit etwa 20 Jahren forschen.
 
Danach erweisen sich kontrastreiche Punkt- und Gittermuster sowie Streifen als wirkungsvoll. Die Streifen können horizontal oder vertikal angebracht werden. 
 
Die Experten aus Wien empfehlen für eine vertikale Ausrichtung schwarze Streifen von mindestens fünf Milimeter Breite in zehn Zentimenter Abstand und für horizontale Streifen in drei Milimeter Breite in fünf Zentimeter Abstand.
 
Da die Muster in vertikaler und in horizontaler Ausrichtung unterschiedlich wirken, ist es sinnvoll, sich an geprüfte Muster zu halten:
 
 
Einige Beispiele für bewährte Markierungen von Fensterscheiben sehen Sie auch in der nachfolgenden Fotogalerie (unten). 
 
Weitere Möglichkeiten
 

>>  Innen: Gardinen, Innenrollos und Bilder am Fenster verhindern und vermindern die Transparenz der Scheiben (aber leider nicht die Spiegelung!). 

  
>> Außen: Spiegelungen werden vermieden durch von außen angebrachte Rollos, Jalousien aus Metall- oder Holzlamellen.
 
>> Bewährt haben sich auch Fliegengitter, Windspiele und Nylon-Schnüre. 
 
>> Auf Fensterputzen öfter mal verzichten! 
 
 
Gefahrenzonen entschärfen

 

 >> Lärmschutzwände aus Glas stellen ein großes Gefahrenpotial dar und sollen unbedingt von beiden Seiten markiert und gesichert werden.
 
>> Begrünung:  Bäume und Sträucher in unmittelbarer  Nähe von Glas- und Fensterfronten vermeiden, da hier die meisten Kollisionen stattfinden.
 
>> Nistkästen und Futterhäuser sollen wegen der Gefahr der Spiegelung mit einem ausreichenden Abstand zu ungesicherten Fenster- und Glasscheiben aufgehängt werden.
 
 
Birdpen – weniger wirksam?
 
Die Experten der Wiener Umweltanwaltschaft raten entschieden ab von „unsichtbaren“ Aufklebern und Stiften, die angeblich im UV-Bereich wirken. Die Wirkung sei unzureichend.
 
In der Kritik steht vor allem der bislang häufig empfohlene Birdpen, der in transparenten Streifen aufgetragen wird und für Menschen unsichtbar bleibt.

 

Zum Birdpen gibt es eine Untersuchung der Wiener Umweltanwaltschaft von April 2015 mit weniger guten Ergebnissen, siehe unter:
 
 
 
Bezugsquellen für Folien und Aufkleber:
 
Birdtape können selbst montiert werden, am besten immer 2 Stück 2-cm-Bänder in 5mm Abstand, dann 10cm Abstand und wieder ein „Doppelband“ (oder 4-cm-Bänder in 10cm Abstand),
 
Birdsafe Folien müssen von einer (deutschen) Firma angebracht werden. Das wäre die haltbarste (und teuerste) Version.
 
Eine Alternative sind 5mm breite schwarze Streifen, die es für Kfz-Dekoration gibt; ebenfalls vertikal anbringen, 10cm Abstand; das ist die kostengünstigste Variante,
ca € 5.-/m².
 
Mit Hilfe einer Holzlatte können Steifen gleichmäßig abgerollt werden. 
Es ist wichtig, Streifen und Folien außen auf der Anflugseite zu montieren, damit die Spiegelung gebrochen wird.
 
 

 

Fotos:

WUA Wiener Umwelt Anwaltschaft (Galerie unten)

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