Haselmaus

Auf den ersten Blick glaubt man eine Maus vor sich zu haben, doch ihr buschiger Schwanz belehrt den Betrachter eines Besseren.
 
Der Schwanz von echten Mäusen ist nie von einem dichten Fell bedeckt. Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) ist ein Nagetier, sie zählt ebenso wie ihr enger Verwandter Siebenschläfer zu den Bilchen. Diese werden auch als Schlafmäuse bezeichnet, da sie mehrere Monate lang Winterschlaf halten.
 
Verschlafener Bilch
 
Die Haselmaus schläft die Hälfte des Jahres, und zwar vom Herbst (Oktober) bis ins späte Frühjahr. Sie atmet nur noch 2–3mal pro Minute und senkt die Körpertemperatur auf bis zu 4 °C ab. Meist wacht sie erst Mitte, Ende Mai auf, wenn die Temperaturen über 20 °C steigen. Als Schlafquartier dienen den Winzlingen von Laubstreu bedeckte, tiefe Erdkuhlen im Waldboden oder Haufen aus trockenem Laub.
 
Scheuer Baumbewohner
 
Tatsächlich haben die wenigsten Menschen jemals eine Haselmaus gesehen. Nicht nur weil sie die Hälfte ihres Lebens verschläft, sondern auch weil man sie in Gärten nur selten antrifft. Sie ist im lichten Laubwald mit dichtem Unterwuchs zu Hause.
 
Flink und behände springt sie durchs Geäst der Bäume und des Unterholzes und hält sich nur selten auf dem Boden auf.
 
Die ganze Nacht aktiv
 
Die Tiere haben lange Tasthaare, mit deren Hilfe sie sich in der Dunkelheit orientieren. Zu einem guten Überblick bei ihren nächtlichen Ausflügen verhelfen ihnen außerdem die großen, hervorstehenden Augen. Den Tag verschläft der Bilch in einem kugeligem Nest (Kobel).
 
Zwischen Juni und September werfen sie bis zu zweimal im Jahr 2 bis 7 Junge, die sie in einem Nest aus Gras und Moos in Baumhöhlen, in Nistkästen oder Brombeergestrüpp groß ziehen.
 
Leichtgewicht von 15 g
 
Haselmäuse passen in die hohle Hand. Sie sind lediglich 6 bis 8 cm groß plus einer Schwanzlänge von 6 bis 7 cm. Schwere Exemplare mit Winterspeck auf den Rippen wiegen 40 g, aus dem Winterschlaf erwachte Leichtgewichte15 g – das entspricht einem Päckchen Backpulver, zwei Päckchen Vanillinzucker oder einem Riegel Schokolade.
 
Ihr Lieblingsfutter
 
Haselmäuse fressen nicht nur liebend gerne fetthaltige Haselnüsse und Eicheln, sondern auch kleine Insekten, Knospen, Blüten, Samen, Brombeeren, Himbeeren und andere Waldfrüchte.
 
Vielfältiger Lebensraum
 
Je vielfältiger das Nahrungsangebot ist, je mehr Pflanzenarten in ihrem Lebensraum wachsen, desto bessere Überlebenschancen haben die Tiere. Denn bis zum Herbst müssen sie sich eine dicke Fettschicht zulegen, von der sie 7 Monate lang zehren.
 
Siebenschläfer vertreibt Haselmaus
 
Auch der verwandte, deutlich größere und stärkere Siebenschläfer setzt der Haselmaus zu. Der große Bilch wiegt 80 bis 250 g und misst ohne Schwanz 15 bis 20 cm.
 
Im Streit um Nistkästen zieht die Haselmaus den Kürzeren. Helfen kann man ihr mit Nistkästen mit kleinem Einschlupfloch (Ø 3 – 3,5 cm), die dem Siebenschläfer den Zugang erschweren. Wer die Kästen mit der Öffnung zum Stamm hin aufhängt, sperrt außerdem Vögel aus.
 
Feinde der Haselmaus
 
Die Haselmaus hat viele Feinde. Ihnen versucht sie in der Regel durch Flucht zu entkommen – sofern sie nicht während des Angriffs schläft. Leichtes Spiel haben Wildschweine, die die schlafenden Tiere im Winter aus ihren Erdlöchern ausgraben. Haselmäuse stehen unter anderem auf der Speisekarte von:
 
>> Fuchs
>> Marder
>> Mauswiesel
>> Greifvögeln und Eulen 
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