Hummeln, die auf Tomaten fliegen

Ohne Hummeln würden Tomaten im Gewächshaus nur wenige Früchte ansetzen.
 
Denn der Pollen liegt nicht wie bei vielen anderen Blüten locker verteilt zum Abholen bereit, sondern ruht sicher verwahrt in den röhrenförmigen Staubbeuteln – und zwar so fest, dass er sich nicht einfach herausklopfen lässt. Bienen und Wind schütteln einige Pollenkörner frei, aber an die volle Ladung gelangen sie nicht.
 
Auf die Technik kommt es an
 
Selbst die Anwendung roher Gewalt führt nicht zum Ziel. Es bedarf einer ganz bestimmten Technik, damit die Pollenkörner aus ihrer Verpackung rieseln. Nur wenn die Behälter in Eigenschwingung geraten, also mit einer Frequenz von 400–500 Hertz ge- schüttelt werden, kullern die Pollen aus der winzigen Öffnung.
 
Hummeln beherrschen den Trick
 

Sie brummen die Pollen heraus. Sie beißen und krallen sich an den Staubgefäßen fest und bringen ihre Flügel in Ruhestellung, indem sie sie am Körper anlegen. Dann starten sie ihren „Flugmotor“ und brummen mit dem „Motorengeräusch“ die Pollen frei – ohne ein einziges Mal mit den Flügeln zu schlagen. Allenfalls ein leichtes Vibrieren der Flügel und das weithin hörbare Summen verraten, dass die Flugmuskulatur auf Hochtouren läuft.

 
Kraftakt
 
Fliegende Hummeln sausen normalerweise mit einer Flügelschlagfrequenz von etwa 180 Hertz durch die Lüfte und verbrauchen damit deutlich weniger „Flugbenzin“ als beim Pollentanken an den Tomatenblüten.
 
Bestäubung nebenbei
 
Als Lohn für ihre Mühe stauben Pollenwolken auf ihren Bauch nieder. Mit Speichel vermengt kneten sie diese zu handlichen Ballen zusammen und transportieren sie in den Taschen an ihren Hinterbeinen als gelbe Kraftpakete nach Hause.
 
Nebenbei bestäuben die Hummeln die Blüten und zwar deutlich effizienter als andere Pollenboten wie Wind, Bienen, Pinsel oder gar batteriebetriebene Bestäubergeräte. Hummeln rütteln mit einem Trick den Pollen aus den Tomatenblüten. wie sie früher in den Gewächshäusern der Profigärtner üblich waren. Dort erledigen heute ebenfalls Hummeln die Bestäubung.
 
Übrigens: Ob eine Tomatenblüte Hummelbesuch hatte und bestäubt wurde, verrät ein kleiner, bräunlicher Fleck – die Stelle, an der sich die Hummel festgebissen hatte. 
 
Foto: Erika Hartmann  / pixelio.de  
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