Scharfe Knolle, große Wirkung

Ingwer – Zingiber officinale
Frische Ingwer-Wurzeln – Foto: zigzagmtart / stock.adobe.com

Vom Verein NHV Theophrastus wurde Ingwer (Zingiber officinale) zur Heilpflanze des Jahres 2018 gekürt.

„Der Ingwer verleiht zum einen Speisen eine interessante fernöstliche Würze, zum anderen hat er ein erwiesenermaßen breites Wirkspektrum auf medizinischem Gebiet“, erklärt Konrad Jungnickel. Der Heilpraktiker ist Vorsitzender des Vereins NHV Theophrastus.

Beeindruckende Wirkungen

Es gibt zahlreiche Studien, welche die vielseitige Wirksamkeit von Ingwer wissenschaftlich bestätigen. So lindert er Brechreiz und Erbrechen und wirkt ebenso effektiv bei Reisekrankheit wie synthetische Medikamente.

Weiterhin regt Ingwer die Darmperistaltik an, fördert die Speichel-, Magensaft- und Gallensekretion und verhindert Völlegefühl nach üppigem Essen. Klinische Studien haben gezeigt, dass Ingwer Schmerz reduziert und daher bei rheumatischen Erkrankungen dienlich ist. Ferner wurden krampflösende und tumorhemmende Eigenschaften beobachtet.

Die Erfahrungsmedizin nutzt ihn außerdem bei Erkältungen und Husten, bei Menstruationsbeschwerden, bei Rückenschmerzen und Migräne.

Das ätherische Öl ist nicht scharf und wirkt auf körperlicher Ebene hautfreundlich, vitalisierend sowie virushemmend auf Herpes-Viren, auf seelischer Ebene stabilisierend und stimmungsaufhellend.

Nützlich für Tiere

Auch zur Behandlung von Tieren wird Ingwer verwendet. Mit Ingwertee oder geschnittenem Ingwer kann z. B. bei Geflügel ein Befall des Darmes mit Parasiten verhindert werden. Außerdem ist er ein hervorragendes Schmerzmittel für Pferde, die unter Arthrose leiden. Dabei benötigen sie eine bedeutend geringere Dosis Ingwer pro Kilogramm Körpergewicht als Menschen, vermutlich deshalb, weil die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe langsamer in deren Magen zersetzt werden.

Wertvolle Inhaltsstoffe

Der Ingwer-Wurzelstock enthält bis zu 3 % ätherisches Öl, welches je nach Herkunft sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein kann. Es findet sich in den unter der Korkschicht liegenden Sekretzellen. Deshalb sollte Ingwer nicht geschält, sondern der Kork höchstens vorsichtig mit einem Löffel abgeschabt werden.

Gewürz mit Heilwirkung

Für den Gebrauch als Gewürz lohnt es sich, Ingwer aus unterschiedlicher Herkunft zu testen, denn die Sorten verfügen über unterschiedlichen Geschmack. Dabei soll der Ingwer aus Nigeria am schärfsten sein, der aus Australien am mildesten. Die den Forderungen des Arzneibuches am besten entsprechende Sorte ist der Jamaika-Ingwer, aber auch Australischer und Bengalischer Ingwer.

Als Gewürz kann er sowohl herzhaften Gerichten wie Suppen, Fleisch- und Fischgerichten, als auch süßen Speisen wie z. B. Gebäck und Kuchen hinzugefügt werden.

Aufgrund seiner früheren Kolonien in Ostasien findet sich in England der Ingwer (engl. Ginger) in vielen traditionellen Speisen und Getränken, z. B im Gingerbread (Lebkuchen), in Marmelade, in der Worcestersauce oder im Ginger Beer.

Die Schärfe des Ingwers hat für Fernsehkoch Alfons Schuhbeck „durchaus etwas Freches und Herausforderndes“, was aber nicht ausschließt, dass er trotzdem gut kombinierbar mit anderen Gewürzen ist. „Knoblauch und Ingwer sind das Traumpaar schlechthin in meiner Küche.“, schreibt er in einem seiner Kochbücher. Das erhöht laut Schuhbeck die wertvolle antioxidative Wirkung um 50%.

Die Ingwer-Pflanze

Ingwer stammt aus dem tropischen Klima Asiens. Das Gewächs ist eine ausdauernde Staude mit einem horizontal kriechenden, geweihartig verzweigten Wurzelstock. Dieser wird als Rhizom bezeichnet und ist eine verdickte Sprossachse, die der Pflanze als Speicher- oder Überwinterungsorgan dient. Aus dieser wachsen etwa ein Meter hohe Stängel (in tropischen Gebieten auch bis zu 1,80 Meter) mit länglich-lanzettlichen Blättern, die der Pflanze ein schilfartiges Aussehen geben. Der Blütenstand, der einer zapfenartigen Ähre ähnelt, sitzt auf einem kurzen blattlosen Trieb. Aus diesem öffnen sich die einzelnen rot-gelblichen Blüten.

Blühende Pflanzen sind selten. Sie können sich über die gebildeten Samen vermehren. Diese Vegetationsphase bis zur „erwachsenen“ Pflanze dauert jedoch sehr lang. Im kommerziellen Anbau wird sie vegetativ durch Teilung des Rhizoms vermehrt.

Die Ernte erfolgt nach 8 bis 10 Monaten. Für einen zarten, nicht faserigen Ingwer wird jedoch auch früher – nach 5 bis 6 Monaten – geerntet.

Ingwer selber anbauen

Wer sich hier in Mitteleuropa seinen eigenen Ingwer heranziehen möchte, kann das in einem Topf in der Wohnung tun – in milden Weinanbauregionen kann es sogar im Freien gelingen.

Im zeitigen Frühjahr besorgt man sich einen frischen Wurzelstock mit möglichst vielen „Augen“, aus denen die Pflanze später treibt. Er wird in etwa 5 cm große Stücke geteilt (wobei jedes Stück mindestens ein Auge haben sollte), in einen breiten Topf mit durchlässiger Gartenerde gelegt und dünn mit Erde bedeckt.

Um ein feucht-warmes Klima zu erzeugen, kann der Topf bis zum Austrieb der Pflanze mit einer Klarsichtfolie überspannt werden. Die Erde sollte stets feucht sein – Staunässe verträgt Ingwer nicht. Ein heller, aber nicht zu sonniger Platz und eine möglichst gleichbleibende Temperatur sind vorteilhaft.

Wenn nach etwa 8 Monaten das Laub zu welken beginnt, kann der Ingwer geerntet werden. Für die weitere Kultur kann man ein Stück wieder in den Topf einsetzen. Der Wurzelstock übersteht bei 10 bis 15°C ohne Gießen den Winter.

Quelle: NHV Theophrastus

Der NHV Theophrastus setzt sich für die Verbreitung naturheilkundlichen Gedankengutes bei Jung und Alt ein. Seit 2003 kürt der Verein jährlich eine „Heilpflanze des Jahres“, welche durch eine unabhängige Jury bestimmt wird. Vorgänger des Ingwers sind unter anderem Melisse, Anis und Gänseblümchen.

 

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