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Insektenfreundliche Blühstreifen: Nur gucken, nicht abpflücken

So ein Blühstreifen sieht schon wirklich toll aus, wenn Klatschmohn, Kornblume, Margerite, Lupine, Kamille und Wegwarte ihr schönstes Blütenkleid auspacken. Sehr verlockend, einen großen Sommerstrauß zu pflücken und mit nach Hause zu nehmen. Besser nicht, denn die obersten Ziele der Blühstreifen sind Insekten- und Naturschutz!

Blühstreifen sind nicht nur ein Blickfang, sondern Nahrungsquelle für viele Insekten.
Bunte Farbenpracht am Acker- und Straßenrand: Blühstreifen sind nicht nur ein Blickfang, sondern Nahrungsquelle für viele Insekten.

Was ist ein Blühstreifen?

Schon Willi von Biene Maja wusste, dass es auf der Klatschmohnwiese einfach am schönsten ist. Nicht nur im Kinderfilm, sondern auch auf Blühstreifen ist Klatschmohn häufig zu finden. © Klaus Strotmann
Schon Willi von Biene Maja wusste, dass es auf der Klatschmohnwiese einfach am schönsten ist. Nicht nur im Kinderfilm, sondern auch auf Blühstreifen ist Klatschmohn häufig zu finden.

Blühstreifen sind naturgemäß ein wahrer Blickfang und so manch einer mag meinen, dass ein Blumensträußchen "to go" wohl drin sein mag, aber die Blühstreifen – ob nun auf dem Dorf am Ackerrand oder in der Stadt auf Verkehrsinseln und Straßenrändern – haben eine viel wichtigere Aufgabe: Sie dienen der Biodiversität. Darunter versteht man laut Umweltbundesamt den Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt sowie die nachhaltige Nutzung der Natur.

Klingt nach Amtsdeutsch, soll aber nichts anderes heißen, als dass Blühstreifen dafür gedacht sind, Bestäubern wie Bienen und Hummeln sowie anderen Insekten ein breites Nahrungsangebot zu liefern. Damit verbunden sind die Blühstreifen auch für viele Vögel und kleine Wildtiere eine Nahrungsquelle und dienen zusätzlich als Schutz- und Rückzugsort.

Wer Blühstreifen plündert, begeht in erster Linie „Diebstahl an der Natur“, weil er den Insekten schlichtweg das Futter klaut. Das klingt nun recht platt, ist aber letztendlich so. Wer einen Blühstreifen plündert, begeht unter Umständen aber sogar echten Diebstahl und dann ist es kein Kavaliersdelikt mehr. Dieser Fall tritt ein, wenn Blumen ungefragt von landwirtschaftlichen Flächen entwendet werden – sogenannter Felddiebstahl.

Blühstreifen plündern? Bitte nicht!

Also zurück zum Amtsdeutsch und zur rechtlichen Situation. agrarheute schreibt dazu, dass es sich „[…] beim unerlaubten Entwenden von Feld- und Gartenfrüchten rein juristisch um Diebstahl gemäß § 242 StGB handelt. Allerdings wird dieser Strafbestand nur noch auf Strafantrag verfolgt. Der Fall wird gerichtlich teils als Ordnungswidrigkeit, teils als Vergehen geahndet.“

Übrigens sei hier noch einmal erwähnt, dass Landwirte Blühstreifen nicht ganz uneigennützig anlegen. Zum einen gehören zu den Bewohnern des Blühstreifens auch landwirtschaftliche Nützlinge, die als biologische Schädlingsbekämpfung einen Teil des Pflanzenschutzes übernehmen. Zum anderen erhalten Landwirte Fördergelder aus nationalen Töpfen und der EU, wenn sie Blühstreifen auf ihren Äckern anlegen.

Blühstreifen sind Lebensraum für Insekten und Blickfang für den Menschen. Meist werden sie entlang von Feldern angelegt und bestehen aus diversen Pflanzenarten. So entsteht ein Rückzugsraum für unterschiedlichste Käfer, Schwebfliegen und Falter. Idealerweise sind die Blühflächen miteinander verbunden und schaffen damit einen großen, vernetzten Lebensraum mit hoher Artenvielfalt. Selbst neben intensiv genutzten Agrarflächen entsteht auf diese Weise eine lebendige Landschaft.

Klaus Strotmann, Redakteur für Pflanzenbau und Pflanzenschutz bei agrarheute Zitat

Und was ist mit der Handstrauß-Regelung?

Der ein oder andere mag aber nun noch die Handstraußregelung im Kopf haben. Hier sollten Sie beachten, dass es laut Bundesnaturschutzgesetz verboten ist, „[…] wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten.“ Wo eine Regel herrscht, gibt es aber auch die dazugehörigen Ausnahme und die besagt: „Jeder darf […] wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.”

EIn kleiner Handstrauß ist schon noch drin und darf im Park oder am Waldrand gepflückt werden, aber nicht auf landwirtschaftlichen Flächen, zumindest nicht ohne vorherige Absprache. Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen möchten, nutzen Sie ausgewiesene Blumen-Selbstpflückfelder. Diese sind zwar nicht kostenlos, aber extra dafür ausgelegt, dass die Blumen geerntet werden.

Mit Blühstreifen zu mehr Artenvielfalt und Insektenschutz: So können Sie unterstützen

Blühstreifen sind nicht nur ein Blickfang, sondern Nahrungsquelle für viele Insekten.
Bunte Farbenpracht am Acker- und Straßenrand: Blühstreifen sind nicht nur ein Blickfang, sondern Nahrungsquelle für viele Insekten.

Die Blühstreifen-Initiative gefällt Ihnen? Dann können Sie Landwirte, aber auch Kommunen, Vereine und private Initiatoren mit einer Blühpatenschaft unterstützen. Eine Blühpatenschaft ist nichts anderes als eine Spende, mit der Sie das Anlegen von Blühflächen finanzieren. Träger von Blühpatenschaften sind ganz unterschiedliche Institutionen, Unternehmen und private Organisationen.

Bei den Blühpatenschaften werden entweder Teile landwirtschaftlich genutzter Flächen mit Blühstreifen versehen oder sogar ganze Flächen zu Blumenwiesen verwandelt und schaffen wertvollen Lebensraum für Insekten, Vögel, Wildtiere und andere teils vom Aussterben bedrohte Arten. Auch in dicht besiedelten Gegenden und Städten sind Blühstreifen auf dem Vormarsch. Hierdurch werden urbane Räume nicht nur insektenfreundlicher, sondern auch ansehnlich.

Hier können Sie sich zu Blühpatenschaften informieren:

Auch im eigenen Garten können Sie immer neue Räume für Insekten schaffen. Hier geht es zur Anleitung für eine insektenfreundlichen Bauerngarten und zu einer passenden Pflanzen-Übersicht.

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