Nisthilfen im Garten

 

Können Nistkästen die Wohnungsnot heimischer Tiere tatsächlich lindern? Ein Experte gibt Rat.
 
kraut&rüben hat Julian Heiermann, Tierexperte beim NABU (Naturschutzbund Deutschland) zum Thema Nisthilfen im Garten befragt:
 
 
 
 
 
Woran liegt es, wenn die Mieter ausbleiben und niemand einzieht?
Julian Heiermann:
Meist liegt es am Nahrungsangebot im Garten. Wer beispielsweise Wildbienen und Hummeln Nisthilfen anbietet, braucht heimische Blütenpflanzen wie Sträucher, Stauden und Kletterpflanzen im Garten oder in der Umgebung, da deren Blüten vielen Tieren Nahrung bieten.

 

Können Nistkästen die Wohnungsnot heimischer Tiere lindern?
Künstliche Nisthilfen sind immer nur die zweite Wahl. Viel besser sind natürliche Nistmöglichkeiten, wie eine Höhle in einem alten Baum. Dort finden neben Vögeln auch Fledermäuse und eine Vielzahl seltener Insekten ein Zuhause.

 

Welche Tiere profitieren besonders von den Nisthilfen?

Anpassungsfähige Arten, die mit den durch Menschen geprägten Bedingungen gut zurechtkommen. Dazu zählen typische Gartenvögel wie Meisenarten, Amseln, aber auch eher seltene Vertreter wie Gartenrotschwanz und Gartenbaumläufer.

Welche Arten kommen zu eher kurz?
Zu kurz kommen Arten, die besonders große Lebensräume benötigen und spezielle Ansprüche stellen. Dafür sind unsere Gärten meist zu klein. Hier sind wir auf andere Landnutzer, wie zum Beispiel die Landwirte angewiesen, von deren Wirtschaftsweise der Fortbestand von Feldlerche, Kiebitz & Co abhängt. Derzeit haben solche Arten leider sehr schlechte Karten.
Ist es sinnvoll, sich mit Nachbarn zu vernetzen?
 
Das wäre wünschenswert! Je größer ein Lebensraumtyp, sei es eine bunte Blumenwiese, Trockenmauer oder ein Gebüsch, desto größer ist die Chance, dass sich die Arten, die wir fördern wollen, dort ansiedeln und auch halten können.
Mitunter stört Schwalbenkot die Nachbarn, manche sind wegen Fledermäusen unterm Dach verunsichert. Was raten Sie?
Gegen Schwalbenkot hilft ein einfaches Auffangbrett, angebracht unterhalb der Nisthilfe oder dem von den Vögeln selbst gebautem Nest.
Erklären Sie den Nachbarn die Lebensweise der von Ihnen geschützten Tiere! Denn es ist nicht jedermann bekannt, dass Fledermäuse keine blutrünstigen Vampire sind, sondern nützliche Insektenfresser.
Gibt es beim NABU Infos zum Tierwohnungsbau?
Neben zahlreichen Bauanleitungen und Broschüren zum Bau von Tierquartieren bieten viele unserer örtlichen NABU-Gruppen auch Kurse zum Bau derselben an. Dort kann man viele Tricks und Kniffe lernen, und in der Gemeinschaft macht das Bauen doppelt Spaß. Einfach mal mit der örtlichen Gruppe in Kontakt treten und nachfragen.
Mehr Infos unter www.nabu.de
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