Kronenschnitt an Bäumen

Das Kappen der Krone nimmt einem Baum nicht nur seine Schönheit, er wird dadurch brüchig und zu einer Gefahr.
Kappung ist ein umfangreiches Absetzen oder Einkürzen von Krone, Kronenteilen oder einzelnen Ästen. Dabei verbleiben Stummel. Kappungen erfolgen meist ohne Rücksicht auf Habitus (Kronenform) oder physiologische Erfordernisse.
 
Der Grund für Kappungen
 
Bäume werden gekappt, weil die Besitzer glauben, der Baum werde dadurch sicherer oder würde im Herbst weniger Blätter verlieren. Nach den Erfahrungen von Peter Klug, Sachverständiger für Baumpflege, ist das Gegenteil der Fall.
 

Fachgerechte Baumpflege

 
Unter Baumpflege versteht man alle Eingriffe, die den Baum in seiner Entwicklung fördern und die Verkehrssicherheit langfristig erhalten oder wieder herstellen. Bei dieser Pflege ist darauf zu achten, dass je nach Baumart die entsprechende Kronenform erhalten bleibt. Die Durchführung von Baumpflegemaßnahmen ist in Normen und Regelwerken beschrieben.
Fachgerechter Kronenschnitt beseitigt unerwünschte Entwicklungen wie z.B. reibende Äste und fördert den Baum in seiner Entwicklung.
 
Das Entfernen von stärkeren Ästen birgt aber immer die Gefahr, dass holzzersetzende Pilze eindringen und den Baum langfristig schädigen.
 
Prinzipiell besteht bei jedem Baum ein Gleichgewicht zwischen Wurzel, Stamm und Krone. Jeder Teil des Baumes ist für das Überleben gleichermaßen wichtig. Bäume passen sich fortwährend an Belastungen an und sind dadurch in der Lage, statische Schwächen durch lokal verstärktes Wachstum auszugleichen. Dieses System funktioniert so lange, wie eine Versorgung aller Baumteile vorhanden ist.

Die Folgen von Kappungen
 
Mangelnde Versorgung
Nimmt man einem Baum den Großteil seiner Krone, dann nimmt man ihm auch die Möglichkeit, sich ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Man zerstört das natürliche Gleichgewicht zwischen Wurzel und Krone und fügt dem Baum außerdem große Wunden zu. Als Folge entstehen an den Kappstellen Versorgungsschatten.
Fäule
In die großen Verletzungen dringen holzzersetzende Pilze ein und schädigen das Holz.
Instabile Krone
Ein gekappter Baum versucht, das Gleichgewicht zwischen Wurzel und Krone wieder herzustellen. Es entstehen Ständer (senkrecht nach oben wachsende Triebe), die instabil sind und in Konkurrenz zueinander stehen. Die immer größer werdenden Ständer können wegen ihres Gewichts und der immer weiter in die Kappstelle eindringenden Fäule herunterbrechen. Der Baum wird zur Gefahr!
 
Enorme Folgekosten
Kappungen bringen das natürliche Gleichgewicht des Baumes durcheinander. Dies verursacht sehr aufwändige Pflegemaß-nahmen, die oft das Mehrfache der normalen Pflegekosten übersteigen.
Blattmasse
Aufgrund des starken Wachstums der neuen Triebe entsteht eine große Blattmasse. Der Baum braucht diese für sein weiteres Überleben.

Ästhetik
Ein Baum hat nach der Kappung seine arttypische Kronenform verloren. Er wird nie mehr die Schönheit eines natürlich gewachsenen Baumes erreichen.
Kappungen sind baumzerstörend
Nach geltenden Regelwerken können Kappungen nicht als Baumpflegemaßnahme bezeichnet werden. Werden sie trotzdem durchgeführt, muss die ausführende Firma mit Schadenersatzforderungen rechnen.
Kappungen machen den Baum nicht sicherer, sondern erhöhen bereits nach wenigen Jahren die Bruchgefahr. Es ist nicht korrekt, dass gekappte Bäume weniger Blattmasse haben.
In Gemeinden mit Baumschutzsatzungen stellen Kappungen einen Verstoß gegen diese Verordnung dar. Sie können ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die ausführende Firma und den Eigentümer zur Folge haben.
 
Quelle: Peter Klug, Diplom-Forstwirt, Sachverständiger für Baumpflege

 

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