Kartoffel des Jahres

Die ‚Heideniere‘ ist die „Kartoffel des Jahres“ 2015. Sie gehört zu den alten Kartoffelsorten, die sich durch große Formen-, Farben- und Geschmacksvielfalt auszeichnen.
 
Sie ist über 60 Jahre alt und stammt aus dem Kartoffelland Niedersachsen.
 
Steckbrief ‚Heideniere‘
 
Die ‚Heideniere‘ ist eine Kreuzung aus den Sorten ‚Erstling‘ und ‚Joks‘.
 
14 Jahre züchtete eine Genossenschaft von Kartoffelbauern aus dem Raum Soltau (Soltau-Bergen eG) mit ihr, bis sie 1953/54 zugelassen wurde. Die Form, die an eine Niere erinnert, gab der Heidekartoffel ihren Namen.
 
In Ihrer „Anmeldung zur Zulassung“ schwärmten die Züchter: „beste Speisekartoffel (Salzkartoffel) … mit besten Salat- und Bratkartoffeleigenschaften …ausgesprochene Delikatesskartoffel für Hotelbetriebe … eignet sich besonders für Pommes frites … als Ersatz für Bintje … Exportkartoffel für Belgien.“
 
Was den Verbraucher interessiert:
 
Die ‚Heideniere‘ ist eine tief gelbe, fest kochende Kartoffel mit charakteristischem Geschmack. Und wichtig für den Landwirt: Die Heideniere ist widerstandsfähig gegen Knollenfäule und gut haltbar im Winterlager.
 
Geschichte der ‚Heideniere‘
 
Trotz ihres hervorragenden Geschmacks konnte sich die ‚Heideniere‘ nur schwer behaupten, weil die Vermarktung schwierig war. Nach dem Ende ihrer geschützten Zulassung im Jahr 1966 wurde das Pflanzgut in Genbanken in Ostdeutschland am Leben erhalten. 1996 begann der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen (VERN), die Sorte wieder anzubauen. Seit 2011 steht die ‚Heideniere‘ als Erhaltungssorte in der Bundessortenliste und darf lizenzfrei als Pflanzkartoffel gehandelt werden. Derzeit wird sie aber auf weniger als zehn Hektar angebaut.
 
Wer hat gewählt?
 
Die „Kartoffel des Jahres“ wird gewählt von Vertretern des Arbeitskreises „Kartoffel des Jahres“. Dem Arbeitskreis gehören zehn Organisationen, Vereine und Unternehmen an.
1. Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Georg Janßen, Geschäftsführer
2. Bioland e.V., Jan Plagge, Präsident
3. Biolandhof Ellenberg, Karsten Ellenberg, Landwirt und Kartoffelzüchter
4. Freilichtmuseum am Kiekeberg, Prof. Dr. Rolf Wiese, Museumsleiter
5. Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH (KÖN), Carolin Grieshop, Geschäftsführerin
6. Slow Food, Walter Kress, Conviviumsleitung Heilbronner Land
7. „Tartufflis erlesene Kartoffeln“, Peter Glandien, Kartoffelhändler
8. Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN), Rudolf Vögel
9. Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), Dr. Heidi Lorey
10. www.blaue-kartoffeln.de, Wilfried Stegmann
 
Geschichte der „Kartoffel des Jahres“
 
Die Idee zur Wahl der „Kartoffel des Jahres“ stammt aus der Zeit, als die Kartoffelsorte ‚Linda‘ bundesweit auf die negativen Folgen der Zulassungsbestimmungen aufmerksam machte. Ende 2004 hatte der damalige Sorteninhaber der ‚Linda‘ die Zulassung entzogen. Nach einer großen Kampagne des Freundeskreises „Rettet Linda“ wurde die Sorte 2010 dann wieder zugelassen.
 
„Kartoffel des Jahres“ seit 2006
 
Sorte aus der Begründung für die Wahl
2006 Blauer Schwede „Kartoffeln müssen nicht immer nur gelb sein.“
2007 Linda „Weil sie gerettet werden muss…“
2008 Bamberger Hörnchen „In Feinschmeckerkreisen verehrte Sorte…“
2009 Adretta „Bedeutende DDR-Sorte, die die Wende überlebt hat…“
2010 Sieglinde „Von 1945 bis 1970 der Star am Kartoffelhimmel…“
2011 Ora „Mehlig kochende DDR-Sorte, perfekt für Püree…“
2012 Bintje „80 Jahre alte Schönheit aus Holland…“
2013 Rosa Tannenzapfen „Intensiver Geschmack und schöne Farbe…“
2014 Granola „Guter Geschmack und ungemein vielseitig verwendbar…“
 
Quelle: Blaue Kartoffeln, Wilfried Stegmann
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