Kirsch- und Apfelblüte im August

Zweite Blüte am Obstbaum
Frucht und Blüte gleichzeitig - Foto: Brigitte Sokop

Mitten im Sommer stehen plötzlich Blüten zwischen reifenden Früchten. Spielt die Natur verrückt? Wie ist das zu erklären?

Wenn der Apfelbaum im August blüht

kraut&rüben-Leserin Brigitte Sokop aus Wien hat uns dieses Bild mit einem Phänomen aus ihrem Garten geschickt. Mitten im August haben sich oberhalb eines bereits reifen Apfels der Sorte ‘Bellefleur‘ drei Blüten gebildet.

Auch die Leser Renate und Ingo K. von der Nordsee schreiben:

Nachdem mein Mann den alten, von der Dürre dieses Sommers geschädigten Sauerkirschbaum stark zurück geschnitten hat, blüht er nun Mitte August ein zweites Mal. Wir fragen uns, ob es wohl zu Nikolaus zu einer zweiten Ernte kommt.

Obstbaumblüte mitten im Sommer – wie ist das möglich?

Dr. Michael Neumüller vom Bayerischen Obstzentrum (BayOZ) in Hallbergmoos erklärt das Phänomen:

Wenn die natürliche Austriebshemmung der Knospen im Spätsommer aufgehoben wird, kann das folgende Gründe haben:

· es hat ein starker Rückschnitt im Sommer stattgefunden,
· starker Hagelschlag, bei dem die Blattfläche stark reduziert wird,
· lange Trockenheit, die von einer Phase mild-feuchter Witterung abgelöst wird.

Wenn nicht gerade ein lokal begrenztes Gewitter niederging, so kann auch das ausgiebige Gießen eines Baumes nach vorhergehender Trockenphase die Austriebshemmung der Knospen bereits aufheben. Deshalb treiben im Spätsommer einige Blütenknospen aus.

Sie müssen nicht beunruhigt sein, wenn sich an Ihrem Obstbaum eine zweite Blüte zeigt. Lassen Sie den Baum verblühen und erfreuen Sie sich am Blütenflor. Schneiden Sie danach die kleinen Früchtchen, die sich bilden, einfach ab. Auf den Ertrag im kommenden Jahr hat die jetzige Blüte keinen relevanten Einfluss: Es öffnen sich im Spätsommer immer nur ganz wenige Blüten, es bleiben ausreichend viele für das kommende Frühjahr übrig.

Knospenbildung und Blüte

Im Normalfall werden Knospen, aus denen im Frühjahr die Blüten erscheinen, bereits im Vorjahr angelegt, treiben aber nicht aus. Innere Faktoren, die der Baum selbst bildet, hindern sie daran. Aus Sicht des Baumes macht das Sinn: Würden sie jetzt austreiben, könnten sich vor Wintereinbruch keine Früchte mit lebensfähigen Samen mehr ausbilden.

Später im Jahr, wenn die Vegetationsperiode endet, haben sich bestimmte Hemmstoffe in den Knospen gebildet, die einen Austrieb verhindern. Erst, wenn eine gewisse Zeit lang Kälte auf die Knopsen einwirkt, ist diese Austriebshemmung abgebaut. Dann verhindern nur noch die kalten Wintertemperaturen, dass die Knospen schwellen und austreiben.

Dieses Kälteedürfnis ist je nach Obstart und -sorte unterschiedlich groß. Solche mit niedrigem Kältebedürfnis können für Barbarazweige verwendet werden. Ihre Knospen sind schon Mitte Dezember austriebsbereit.

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