Kirschmichel Rezept – Brotbuberla, Kirschplotzer

Brotbuberla in der Form - Foto: Elisabeth Melzer

Mittelfranken ist seit jeher das Zentrums des bayerischen Kirschenanbaus. Deshalb findet man dort auch noch traditionelle regionale Gerichte mit Kirschen. Eines davon serviere ich Ihnen heute, denn die Kirschernte hat begonnen.

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Oma Ecksteins Brotbuberla

Oma Eckstein backt Brotbuberla

Die Großmutter meiner besten Freundin aus der Nürnberger Gymnasialzeit war Bäckerin und führte viele Jahre lang eine Brot- und Fein-Bäckerei in Fürth. In meinen Nürnberger Jahren hatte die selbstbewußte und tatkräftige alte Dame ihr Geschäft zwar aufgegeben, verwendete aber viel Zeit darauf, die Familie zu bekochen und quasi täglich mit Kuchen zu verwöhnen. Es war ein großes Glück für mich, fernab des Elternhauses ein ebenso gastliches wie kulinarisches Asyl zu finden.

Wenn meine Freundin Monika und ich nach dem Unterricht bei Oma Eckstein aufkreuzten, gab es immer etwas Besonders zu essen für ‚die zwa fleißigen Schulmadla’. Oft waren es Gerichte, die ich aus dem oberfränkischen Bergland nicht kannte. Mehlklöße mit Sauerkraut und reichlich in Butter gedünsteten Zwiebeln oder Dampfnudeln, und in der Kirschenzeit servierte Oma Eckstein auf vielfachen Wunsch mehrmals ihr ‘Brotbuberla’ mit Vanillesoße. Wir haben es heiß geliebt und so viel davon gefuttert, dass hernach an Hausaufgaben nicht mehr zu denken war.

Kirschmichel Rezept – Brotbuberla, Kirschplotzer

Das Brotbuberla ist ein süßer Auflauf mit Kirschen, ähnlich wie in Oberbayern der Scheiterhaufen, im Badischen der Kirschplotzer und in Franken der Kirschmichel oder das Kirschmännla. Nur wird das Brotbuberla eben nicht aus altbackenen Semmeln gemacht, wie viele Liebhaber der Landküche es kennen, sondern mit einem herzhaftem fränkischen Sauerteigbrot, das die Bäckerin in Bohnenkaffee einweichte statt in Milch. In diesem Backofen-Gericht vereinten sich ihre Bäcker-Fähigkeiten auf wunderbare Weise mit dem pflückfrischen Obst aus der Region. Denn nur wenige Kilometer nördlich von Nürnberg beginnt das größte Kirschen-Anbau-Gebiet Bayerns, von wo 95 % der bayerischen und gut 10 % der deutschen Kirschen-Ernte stammen.

Ein Glück, dass ich das Brotbuberla-Rezept all die Jahre in meinem Küchen-Karteikasten aufbewahrt hatte, bis die Arme-Leute-Küche wieder trendig wurde. In groben Zügen zumindest, denn genaue Mengen-Angaben kannte die versierte Bäckerin ohnehin nicht. Im Internet habe ich das Gericht jedenfalls vergeblich gesucht. Gut möglich, dass Monikas Großmutter die Rezeptur erfunden hat, zuzutrauen war es der agilen alten Dame jedenfalls.

Kirschmichel Rezept: Oma Ecksteins Brotbuberla

Zutaten für 4 Portionen:

4–6 Scheiben altbackenes Bauernbrot (Schwarzbrot oder Graubrot; 250– 300 g), ½ l Bohnenkaffee, 2 Eier, 1 EL Kakao, 1 Päckchen Vanillesoßenpulver, 2 Handvoll Rosinen, 1 TL Lebkuchen-Gewürz oder Zimt, 1–2 EL Zucker (50 g), 600 g Kirschen, entsteint (Süß- oder Sauerkirschen), 20 g Butter

Zubereitung:

  • Schwarzbrot entrinden, grob zerteilen und in eine flache Form geben, den Kaffee darüber gießen und das Brot aufweichen lassen, dann Flüssigkeit mit der Hand ausdrücken.
  • Brot, Eier und restliche Zutaten vermengen, mit Zucker und Gewürzen abschmecken.
  • Die Masse mit den entsteinten Kirschen in eine gefettete Form schichten, mit Butterflöckchen belegen, 40 Minuten bei 180 °C backen. Mit Puderzucker bestreuen und mit warmer oder kalter Vanillesoße als Hauptgericht servieren.
  • Schmeckt auch gut gekühlt mit Vanillesoße oder mit Vanille-Eis an heißen Tagen.
  • Statt Brot können Sie auch Brötchen verwenden oder beides mischen, der Kaffee lässt sich durch ¼ l Milch ersetzen, die im Teig bleibt. Und beim individuellen Würzen (Macis, Sternanis, Ingwer, Zimt, Nelke, Zitonen-/Orangenschale, Rum(aroma)) sind ohnehin keine Grenzen gesetzt.

 

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