Kubebenpfeffer – Heilpflanze des Jahres 2016

Kubebenpfeffer als Gewürz NHV Theophrastus / Gabriele Hanke
Kubebenpfeffer als Gewürz NHV Theophrastus / Gabriele Hanke

Nach Hildegard von Bingen führt der Kubebenpfeffer (Piper cubeba) „zu einem fröhlichen Geist, einem scharfsinnigen Verstand und zu reinem Wissen“.
 
Seltenes Gewürz und unterschätzte Arznei
 
Durch die Auslobung zur „Heilpflanze des Jahres“ will der NHV Theophrastus die überlieferten Erfahrungen mit dieser Heilpflanze wieder in Erinnerung bringen.
 
Wirkung und Anwendung
 
Hauptsächliche Einsatzgebiete des Kubebenpfeffers sind entzündliche und bakterielle Erkrankungen der Harnwege und als auswurfförderndes Mittel bei chronischer Bronchitis.
 
Kaut man getrocknete Früchte, sollen Kopfschmerzen und Schwindel gelindert werden und eine Steigerung des Geschlechtstriebes erzielt werden. Er wirkt harntreibend, harndesinfizierend, auswurffördernd, magenstärkend, verdauungsfördernd, blähungs- und krampflösend. Außerdem soll Kubebenpfeffer eine anregende Wirkung auf die Gehirnleistung, die Konzentration und das Wohlbefinden haben. Dafür wird das mehrmalige tägliche Kauen von drei getrockneten Früchten empfohlen.
 
Beim Räuchern wirkt gemörserter Kubebenpfeffer anregend und bringt stockende Energien wieder in Fluss. Da er pur etwas streng riecht, wird eine Mischung z. B. mit Rosmarin, Nelke, Rose oder Lemongras empfohlen.
 
Verwendung in der Küche
 
Fernsehkoch Alfons Schuhbeck schildert, dass sich der Geschmack in drei Phasen entfaltet: „Zuerst wirken sie scharf, dann macht sich eine Bitternote bemerkbar, die sehr eindringlich sein kann. Gegen Ende entwickelt sich ein lang anhaltendes Eukalyptus- oder Kampferaroma.“ Wegen seines speziellen Geschmackes rät er, den Kubebenpfeffer nie allein, sondern immer in Kombination mit anderen Gewürzen zu verwenden und vorsichtig zu dosieren. Die marokkanische Gewürzmischung Ras el Hanout aus etwa 25 Zutaten enthält zumeist Kubebenpfeffer.
 
In der indonesichen Küche und in Sri Lanka werden Fisch und Meeresfrüchte sowie Reisgerichte mit Kubebe gewürzt. Lamm oder Hammel, das typisches Fleischgericht des Orients, wird häufig mit Kubebenpfeffer verfeinert.
 
Von „Orientalischen Fröhlichkeitspillen“ bis zum Pfefferwodka
 
Chinesische Ärzte kannten im 1. Jahrhundert den Kubebenpfeffer als appetitanregendes Mittel und empfahlen ihn zum Dunkelfärben des Haares und als Duftmittel für den Körper. Auch sollte er helfen, Dämonen auszutreiben.
 
Arabische Händler brachten die Pfeffersorte nach Europa. Kubebenpfeffer soll neben vielen anderen Gewürzen Bestandteil der aphrodisisch wirkenden „Orientalischen Fröhlichkeitspillen“ gewesen sein, deren Hauptbestandteile Opium, Haschisch und Cannabis waren. Adam Lonitzer (1528 – 1568), deutscher Arzt und Botaniker, wusste: „Cubeben/öffnen die Verstopffung und Verhärtung der Därme/fürdern den Harn/und treiben den Stein der Nieren auß. Paracelsus (1493 – 1541) nennt den Kubebenpfeffer als erwärmendes Gewürz. Er ist Bestandteil eines Aqua vitae und einer Magenrezeptur und wird von ihm als lebensverlängerndes Mittel empfohlen.
 
Kubebenpfeffer gehörte zu den Gewürzen, die in Aromatisierungslösungen zur Selbstherstellung angegeben wurden. In den USA waren bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts Asthmazigaretten im Handel, die Kubebenpfeffer, aber keinen Tabak enthielten. Alkoholische Getränke wie z.B. Bombay Sapphire Gin und Pertsovka, ein dunkelbrauner Pfefferwodka aus Russland, sind mit Kubebe gewürzt. Kubebenpfeffer gehört u. a. zu den wichtigsten Pflanzen der traditionellen indonesischen Jamu-Medizin. JAMU ist heute in ganz Asien ein allgemeiner Begriff für Naturheilverfahren.
 
„Schwindelkörner“ und ihre Herkunft
 
Aufgrund seiner verschieden Kennzeichen und Eigenschaften haben sich für die Kubebe unterschiedliche volkstümliche Namen entwickelt: Die kleinen Stiele an den getrockneten Körnern sind verantwortlich für die Bezeichnung „Stielpfeffer“ oder „Schwanzpfeffer“, im Englischen „Tailed Pepper“. Nach seiner Herkunft heißt er auch „Java-Pfeffer“ und bezogen auf seine Schwindel bessernde oder Geschlechtstrieb steigernde Wirkung sind es „Schwindelkörner“ oder „Bräutigamskörner“. Das deutsche Wort Kubebenpfeffer stammt vom arabischen al-kabaabah.
 
Seine Heimat hat der Kubebenpfeffer in Indonesien. Er wächst vor allem auf Java, Sumatra und im Südteil Borneos. Dort sowie auf Sri Lanka, in Indien und Malaysia wird er angebaut, auch mit dem Ziel, Kaffeeplantagen zu beschatten.
 
Kubebenpfeffer – ein Kletterstrauch 
 
Die meisten Pfefferarten in Asien sind zweihäusige Pflanzen, d. h. dass sie getrenntgeschlechtlich sind – es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Der Kubebenpfeffer ist ein Kletterstrauch, der 5 bis 10 m hoch wird. Als junger Strauch hat er feinhaarige, im Alter kahle, gabelteilige Äste. Er wird bis zu 15 Jahre alt.
 
Die lederartigen Blätter sind 8 bis 25 cm lang und 4 bis 6 cm breit, gestielt, aber von verschiedener Gestalt – sie können herzförmig-spitz oder eiförmig-länglich-spitz sein. Beide Blütenarten bilden walzenförmige Ähren, die weiblichen sind jedoch dicker und derber als die männlichen. Daraus entwickeln sich traubenartige Fruchtstände, deren kuglige Früchte an einem kleinen Stil sitzen. Die Früchte werden geerntet, wenn sie noch nicht ganz reif sind. Bei der Trocknung in der Sonne verfärben sie sich schwarz-bräunlich. Dann haben sie eine netzartige, runzlige Oberfläche und sind häufig mit dem Stiel der Fruchtähre versehen.
 
Probieren – aber wie?
 
In Europa sind die Früchte des Kubebenpfefferbaumes nur in getrockneter Form erhältlich. In den Gewürzregalen von Supermärkten ist diese besondere Art des Pfeffers jedoch kaum anzutreffen. Fündig wird man in speziellen Gewürzläden oder über das Internet. Vielleicht können Sie bei kulinarischen Experimenten mit der Heilpflanze des Jahres 2016 neue geschmackliche Highligths entdecken.
 
Auch Eugen Roth rät zur vorsichtigen Dosierung nicht nur bei Kubebenpfeffer: „Der Witz ist Würze und nicht Speise; Nie reiche man ihn löffelweise! Zuträglich – gar bei scharfem Witze – Ist höchstens eine Messerspitze!“
 
Weiteres rund um den Kubebenpfeffer wird 2016 auf der Internetseite des NHV Theophrastus und in einer Broschüre veröffentlicht.
 
Quelle: Maria Vogel, Dipl.-Ing. (Pharmazie) Oktober 2015, NHV Theophrastus
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