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Microgreens und Sprossen anbauen

Auch im Winter muss man nicht auf frisches Grünzeug verzichten. Microgreens ist das Trendwort der Stunde. Das Großartige an ihnen ist, dass sie schon nach ein paar Tagen erntereif sind. Im Video zeigt Chefredakteurin Eva Puchtinger, wie Sie Keimsprossen, Grünsprossen und Microgreens ganz einfach selbst anbauen können.

Frisches Grün den ganzen Winter lang? Mit Microgreens und Sprossen! Wir erklären, wie sie anzubauen sind, was genau der Unterschied ist und welche Arten sich für dieses Mini-Gemüse ganz besonders gut eignen.

Umgangssprachlich wird häufig alles unter dem Begriff Microgreens zusammengefasst. Aber tatsächlich tragen die unterschiedlichen Stadien auch unterschiedliche Namen. Von Microgreens ist erst die Rede, wenn die Pflänzchen schon etwas länger gewachsen sind.

Microgreens und Keimsprossen werden gerne mal über einen Kamm geschoren, sie unterscheiden sich allerdings im Anbau und beim Erntezeitpunkt. Keimsprossen wachsen ohne Substrat und werden im Ganzen, also auch mit den Wurzeln, verspeist. Bei Keimsprossen handelt es sich nur um die aufgeplatzten Samen, aus denen erste Wurzeln sprießen. Dies passiert im Dunkeln bei Feuchtigkeit.

Microgreens dagegen wachsen als Mini-Pflanze auf Erde und bevorzugen es hell und luftig. Das steigert ihren Vitamin- und Mineralstoffgehalt. Bei der Ernte abgeschnitten und gegessen werden nur der aufwachsende Spross und die ersten kleinen Blätter. Diese enthalten den Blattfarbstoff Chlorophyll.

Andere Namen für Microgreens sind Schösslinge und Grünkraut. Grünsprossen werden auch gern synonym verwendet, allerdings handelt es sich hier um ein Zwischenstadium von Keimsprossen und Microgreens.

Aber egal, ob Sie die Sprossen oder Microgreens anbauen und ernten möchten - eins haben sie gemeinsam: Sie sind wahre Vitaminbomben! So werden sie angebaut:

Die „Babys“: Keimsprossen ziehen in selbst gemachten Keimgläsern

Von Keimsprossen kann alles gegessen werden: der gequollene Samen, die Wurzeln und den ersten zarten Keim, noch bevor sich Blätter gebildet haben. Um Keimsprossen zu ziehen, benötigen Sie sogenannte Keimgläser. Man kann diese im Handel kaufen oder sie ganz einfach selbst machen.

Was Sie dafür brauchen:

  • Einmachgläser als Keimgefäß
  • Haushaltsgummis
  • Fliegengitter oder Gaze aus dem Verbandskasten
  • Ein Trinkglas, das etwas größer ist als das Einmachglas (als Auffangbehälter)

Gute Keimsprossensamen sind z. B. Radieschen, Mungbohnen, Alfalfa, Rote Bete oder Linsen. Und so können Sie Keimsprossen ziehen:

Geben Sie die Samen Ihrer Wahl in das Keimglas, bis der Boden gut bedeckt ist. Die Öffnung oben wir nun mit dem Fliegengitter oder den Gazen abgedeckt und mit einem Gummi befestigt. So bleiben die Samen beim Spülen im Glas. Anschließend füllen Sie zwei bis drei Fingerbreit mit lauwarmem Wasser auf und lassen die Samen über Nacht quellen. Am nächsten Tag gießen Sie das Wasser ab, füllen noch einmal auf und gießen erneut ab. Das ist der Spülvorgang, der ab sofort 1 bis 2-mal pro Tag durchgeführt werden soll. Tipp: Damit die Flüssigkeit jeweils gut abtropft, stellen Sie das Keimglas schräg kopfüber in das Trinkglas. Je nach Art können Sie die Keimsprossen nach 3 bis 7 Tagen genießen.

Die „Kleinkinder“: Grünsprossen säen – auf Watte oder Küchenkrepp

Grünsprossen sind schon etwas weiter in ihrer Entwicklung als Keimsprossen. Es werden nur die jungen Blättchen und Triebe gegessen, die vorab mit einer Schere geerntet werden. Um Grünsprossen anzuziehen, brauchen Sie nicht mehr als einen flachen Teller, Wattepads oder Küchenkrepp und die gewünschten Samen. Diese streuen Sie dicht aus. Wichtig: Zuvor Pads oder Küchenkrepp gut anfeuchten! Nun stülpen Sie eine Glasschüssel darüber, welche quasi als Mini-Gewächshaus dient. So halten Sie das Klima warm und feucht. Einmal am Tag sollten Sie lüften, damit sich kein Schimmel bilden kann.

Als Grünsprossen eigenen sich z. B. Sonnenblumenkerne, Brokkolisamen oder Rote Bete.

Die „Teenager“: Microgreens anbauen – Vitaminbomben auf der Fensterbank

Microgreens sind sozusagen die Teenager unter den Sprossengemüsen. Sie werden als ziemlich große Keimlinge geerntet. Dementsprechend dauert es auch ein bisschen länger, bis man sich an ihnen laben kann. Anders als Keim- und Grünsprossen werden Microgreens in richtige Erde ausgesät. Wir verwenden ganz normale Blumentöpfe zur Aussaat. Die Samen werden über Nacht in Wasser eingelegt, damit sie etwas vorquellen können. Dann werden sie im Abstand von ca. 2 cm in die Erde gesteckt und vorsichtig angegossen. Verwenden Sie am besten eine ganz feine Brause, damit die Samen nicht weggespült werden.

Auch hier wird anschließend eine Glasschüssel als Mini-Gewächshaus verwendet, um das Klima feucht und warm zu halten. Nach ein paar Tagen können die Microgreens geerntet werden. Entweder schneiden Sie die Triebe ab oder Sie zupfen einzelne Blätter ab. Zur Anzucht eignen sich dieselben Saaten wie auch für Keim- und Grünsprossen. Im Video haben wir Erbsen verwendet – eine ganz klare Empfehlung der Redaktion!

Vorsicht: Keine Nachtschattengewächse verwenden!

Nachtschattengewächse wie Tomaten, Paprika, Chilis, Auberginen oder Paprika eignen sich nicht als Sprossengemüse. Denn sie tragen giftiges Solanin in sich, das auch beim Erhitzen nicht zerstört wird. Bohnen wiederum können zur Aussaat verwendet werden. Allerdings sollten Sie die Sprossen vor dem Verzehr erhitzen, damit das giftige Phasin unschädlich gemacht wird.

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Beliebte Microgreens: Sorten, Aussehen, Ernte, Geschmack – wirklich vielfältig

Gesund sollen sie sein. Und schön. Zum Glück bringen Microgreens beide dieser Attribute mit, um als vitale Küchendekoration einziehen zu dürfen. Ein kleiner Auszug aus ihrer Gemüse-Akte:

  • Brokkoli: mildes Kohlaroma, leuchtend grün, erntereif nach 14 bis 21 Tagen
  • Koriander: scharf bis zitronig, erntereif nach 10 bis 16 Tagen
  • Buchweizen: schmecken süß-säuerlich und leicht nussig, grüne Blättchen, rötlicher Spross
  • Rote Beete: eine der schönsten Sorten, ein wahrer Augen- und Gaumenschmaus, erntereif nach 16 bis 21 Tagen
  • Grünkohl: fein-herber Geschmack, dunkelgrünes Vitalstoffwunder
  • Kresse: der Klassiker aus Kindertagen, würziger bis scharfer Geschmack
  • Radieschen: würzig-scharf, erntereif nach 5 bis 8 Tagen
  • Weizengras: eine kleine Wiese auf der Fensterbank, perfekt für Smoothies, erntereif nach 14 bis 20 Tagen
  • Rucola: pfeffrig-nussig, erntereif nach 10 bis 14 Tagen
  • Basilikum: gerade die roten Sorten sind optisch ansprechend, aromatisch-pfeffriges Würzkraut, erntereif nach 14 bis 21 Tagen

Auch lecker: Wenn Sie Kresse mögen, sollten Sie auch mal Rettich und Senf in der Microgreens-Version probieren. Ebenfalls empfehlenswert: Erbsen- und Linsengrün in Miniaturformat.

Microgreens: Saat und Zubehör kaufen

Achten Sie beim Kauf darauf, dass Sie zum Verzehr geeignete Microgreens-Saat kaufen. Saatgut erhalten Sie sowohl im stationären Handel (Gartenmarkt, Supermarkt, Baumarkt) sowie in vielen Online-Shops. Neben dem Saatgut und ganz viel Zubehör für die Gemüse-Loggia auf der Fensterbank sind auch Startersets und vorab zusammengestellte Saat-Mixe erhältlich.

Microgreens: kleine Vitaminriesen und Nährstoffgiganten

Microgreens: Erbsen
Erbsen im Miniaturformat sind Eiweß- und Vitamin C-Lieferanten.

Die Kräuter- und Gemüsepflanzen in Miniaturformat sind wahre Kraftpakete. Wenn Microgreens erntereif sind, stecken sie in einer Wachstumsphase, in der sie besonders hohe Vitamingehalte verzeichnen. Hervorheben lassen sich hier Vitamin A, B6 und C.

Ein kleiner Vitaminvergleich*:

  • Radieschen als Microgreens enthalten jeweils mehr als dreimal so viel Vitamin B1 und B2 als die ausgewachsenen Variante.
  • Brokkoli an sich gilt schon als idealer Vitamin C-Lieferant. Kultiviert als Microgreens fallen diese Werte noch höher aus. 100 g Brokkoli-Microgreens enthalten 110 mg Vitamin C und decken damit den Tagesbedarf zu 138 % ab. Sie müssten also nur etwa 80 g Brokkoli-Microgreens pro Tag essen, um Ihren Tagesbedarf zu 100 % zu decken. Klingt erstmal wenig, aber Microgreens sind nicht ganz so effizient im Anbau – da wäre eine kleine Plantage schnell abgeerntet.

Auch beim Nährstoff- und Proteingehalt müssen Microgreens ihr kleines Licht nicht unter den Scheffel stellen, denn auch hier weisen sie häufig höhere Gehälter* auf als in ausgewachsener Form.

  • Rotkohl im Miniformat liefert zum Beispiel jeweils mehr als doppelte an Calcium, Magnesium und Eisen als der allseits bekannte Rotkohl.
  • Radieschen-Microgreens trumpfen beim Magnesium-Gehalt sogar mit einem viermal höheren Wert auf als ihre kugeligen großen Geschwister.

*Quelle: Heimgart

Brokkoli-Microgreens enthalten rund 50-mal mehr Sulforaphan als ausgewachsener Brokkoli. Sulforaphan ist ein pflanzlicher Schutzstoff und soll bei der Krebsprophylaxe und -therapie unterstützend wirken. Der Gehalt dieses sekundären Pflanzenstoffes nimmt mit zunehmender Reife ab. Sie müssten rein rechnerisch 1,5 kg Brokkoli essen, um auf die gleiche Menge zu kommen, die in einer Handvoll Brokkoli-Microgreens stecken.

Beim Nährstoffgehalt liefern sich Microgreens ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den klassischen Keimsprossen. Beide werden darum gerne als „Superfood“ betitelt. Wussten Sie, dass Erbsen in Sprossenform 25 % Eiweiß und viermal mehr Vitamin C als Orangen enthalten? Gerade im Winter punkten sie darüber hinaus mit ihrem besonders feinen Erbsenaroma.

Microgreens: weitere Vorteile der kleinen Schösslinge

Sie sind ideal für alle Gemüsefreunde, die es gerne einfach und schnell mögen.

  • Microgreens gedeihen innerhalb weniger Tage und Sie brauchen keinen großen Erfahrungsschatz für eine erfolgreiche Anzucht.
  • Wenn Sie eigenes Saatgut verwenden oder beim Kauf auf die Herkunft achten, sind Sie in puncto Regionalität bestens aufgestellt.
  • Positive Ökobilanz: Durch die Anzucht auf der eigenen Fensterbank vermeiden Sie lange Transportwege, energieaufwändige Kühlketten und Verpackungsmüll.
  • Sie schonen die Geldbörse: Gutes Saatgut und Erde sind nicht allzu teuer und das weitere Equipment haben Sie sicherlich schon im Haus. Wenn nicht, können Sie etwas kreativ werden. Als Schalen eignen sich auch Teller oder andere flache Gefäße. Leere Sprühflaschen zum Beregnen finden Sie möglicherweise in Ihrem Badezimmer, z.B. von aufgebrauchtem Kosmetikmitteln. Reste sollten Sie vorab gut ausspülen.
  • Abwechslungsreich: Weil Sie die Microgreens schon nach so kurzer Zeit ernten können, können Sie auch immer wieder andere Sorten ausprobieren – je nachdem, wonach Ihnen gerade der Sinn steht.
  • Ernte für alle: Um Microgreens zu ernten brauchen Sie keinen Garten, keine Terrasse und keinen Balkon. Schon das Fensterbrett oder ein Eckchen auf dem Schreibtisch reichen völlig aus.
  • Dekorativ: Mit all ihren Formen und Farben machen die Grünsprossen nicht nur den Speiseplan gesünder, sondern auch die vier Wände hübscher!

Microgreens: Wahre Vitaminbomben oder noch so ein Food-Hype?

Auswahl an Microgreens
Microgreens liefern Vitamine und peppen die Küche auf. "Normales" Gemüse ersetzen sie aber nicht.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu essen, davon dreimal Gemüse (insgesamt etwa 400 g) und zweimal Obst (insgesamt etwa 250 g). Microgreens enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe, aber wir verzehren im Vergleich zu einer großen Salatgurke, gegarten Brokkoliröschen oder Radieschen nur wenige Gramm von ihnen, deshalb ersetzen sie nicht den Verzehr von Gemüse, sondern ergänzen ihn vielmehr als würzige Komponente.

Außerdem würden Sie beim ausschließlichen Verzehr von Grünsprossen nicht genügend Ballaststoffe zu sich nehmen. Diese sind alles andere als tatsächlicher „Ballast“ für die Verdauung. Sie brauchen sie sogar dringend als Volumen im Magen für ein ausreichendes Sättigungsgefühl und das Binden von Wasser im Darm.

Laut der Verbraucherzentrale Bremen lockt das ein oder andere Unternehmen mit irreführenden Versprechen, so zum Beispiel, dass einige Sorten der Grünsprossen Krankheiten lindern oder gar verhindern können. Hierzu gibt es keine belegbaren Studien.

Nichtsdestotrotz bereichern Microgreens die ausgewogene Küche, peppen mit ihrem würzigen Geschmack viele Gerichte auf und bringen Farbe in die Bude – gerade dann, wenn draußen winterliche Tristesse herrscht.

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