Mispeln – Feines aus alter Zeit

Leseprobe aus kraut&rüben 12/2017

Mispeln – Feines aus alter Zeit - Leseprobe aus kraut&rüben 12/2017
Mispeln – Feines aus alter Zeit - Leseprobe aus kraut&rüben 12/2017

Die goldbraunen Steinäpfel waren früher heiß begehrt. Sie sind heute wieder im Kommen – aus gutem Grund!

Mispeln sind kleine Obstbäume und nah verwandt mit Äpfeln und Birnen, nur haben sie sich ihren robusten Wildobstcharakter bewahrt. Wer eine Mispel pflanzt, holt sich sowohl eine außergewöhnliche als auch historische Obstart in den Garten – und einen sehr dekorativen Baum.

Ein Baum mit vielen Vorzügen

Sein kurzer Stamm und die eigenwillig gedrehten Äste lassen ihn apart und südlich-olivenähnlich wirken. Von Ende Mai bis Juni kleiden sich Mispelzweige in ein weißes Blumengewand – ein Traum. Mit einem Durchmesser von bis zu 5 cm sind die Blüten deutlich größer als die anderer Obstbäume, und sie schmücken den Baum sehr lange.

Wie die Quitte wächst auch die Mispel eher strauchartig und wird selbst im Alter nur 4 bis 6 m hoch und 3 bis 5 breit. Weil sie sehr langsam wächst, eignet sie sich gut als Hausbaum für den kleinen Garten.

Leckere Früchte

Mispeln stammen aus dem Kaukasus, dem nördlichen Iran und Kleinasien. Von dort gelangten sie nach Südost- und Osteuropa. Die Römer fanden ihre Früchte extrem lecker: Sie aßen die Äpfelchen roh, legten sie in Honig ein oder trockneten sie, um daraus ein Mehl für süße Sünden zu mahlen.

Mispeln wurden selbst an Lagerplätze gepflanzt, damit Reisende nicht auf die Früchte verzichten mussten, und natürlich wurden sie auch in die barbarischen Provinzen nördlich der Alpen exportiert. Vor allem in Frankreich und in Deutschland fand das Obst großen Anklang. Es durfte im Mittelalter und noch lange danach in keinem Klostergarten und auf keiner bäuerlichen Obstwiese fehlen. So ist es kein Wunder, dass der robuste Baum bald auch wild an Wegrainen und Waldrändern auftauchte, ganz wie ein heimisches Gehölz. Daher tauften ihn die Botaniker Mespilus germanica, was ziemlich irreführend ist.

Aber früher war die Mispel bei uns tatsächlich ein Alltags-Gehölz wie heute der Apfel: Man genoss nicht nur die Steinäpfel genannten Früchte, sondern gewann auch Gerbstoffe für die Lederverarbeitung aus ihnen. Das harte Holz wurde zum Drechseln gebraucht oder zu Holzkohle verbrannt. Und, wen wundert es, man sprach der Mispel übernatürliche Kräfte zu – wer bei Prügeleien einen Mispelstock zur Hand hatte, dem war der Sieg so gut wie sicher.

Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verloren die Menschen aber das Interesse an ihrem einst so geliebten Obst.

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