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„Dolle“ Knolle: Kartoffelsorten im Visier

Kartoffelsorten gibt es gefühlt wie Sand am Meer. Die Auswahl im Supermarkt-Sortiment ist dagegen häufig recht spärlich, Massenertragssorten geben hier den Ton an. Dabei gibt es geschmacklich noch so viel mehr Sterne am Firmament des Kartoffel-Himmels, die Sie unbedingt probieren sollten.

Aktuell häufig im Supermarkt anzutreffen: Die festkochende Kartoffelsorte Allians.
Aktuell häufig im Supermarkt anzutreffen: Die festkochende Kartoffelsorte Allians.

Jährlich veröffentlicht das Bundessortenamt die Beschreibenden Listen für Kartoffelsorten. Hierbei handelt es sich um eine Liste aller im Handel zugelassenen Kartoffelsorten, die teils auch in anderen Ländern angebaut werden. Die Liste versorgt Landwirte, landwirtschaftliche Berater, den Handel und uns Verbraucher mit detaillierten Informationen. Neben vielen Neuzüchtungen sind aber auch nach wie vor alte Kartoffelsorten dabei, weil sie als besonders lecker gelten oder andere Eigenschaften haben, die ihren Anbau über die Jahre hinweg rechtfertigt.

„Der dümmste Bauer hat die dicksten Kartoffeln.“

Vorsicht, bei diesem Sprichwort schwingt auch immer ein bisschen Neid mit. Viellicht baut er auch einfach die wirtschaftlich „besseren“ Kartoffelsorten an? Viele alte Kartoffelsorten sind vom Markt verschwunden, weil ihr Anbau nicht nicht effizient genug war. Gründe hierfür können sein, dass

  • die Sorte als krankheitsanfällig gilt oder
  • weil ihr Erntemenge über die Jahre hinweg hinter den Erwartungen blieb.

Nichtsdestotrotz punkten insbesondere die alten Kartoffelsorten nach wie vor mit ihrem Geschmack. Wer also seine Lieblingskartoffel nicht selbst anbaut, für den lohnt sich der Blick über die Supermarkt-Theke hinweg. Auf Märkten und in Hofläden sind alte Sorten einfacher zu finden.

Auf Märkten ist die Auswahl an Kartoffelsorten meist größer als im stationären Lebensmitteleinzelhandel.
Auf Märkten ist die Auswahl an Kartoffelsorten meist größer als im stationären Lebensmitteleinzelhandel.

Überblick: Eine Auswahl an Kartoffelsorten

‘Ackersegen’ 

Was lange währt, wird endlich gut - das Ernte-Motto von ‘Ackersegen’, schließlich zählt diese klassisch deutsche Sorte von 1929 zu den sehr spät erntereifen Sorten. Ihre Knolle ist rund mit ockergelber Schale und gelbem Fleisch. ‘Ackersegen’ schmeckt buttrig mit einer würzigen Note.

‘Agria’  

Vorwiegend mehligkochend, mittelfrühe Ernte unter den Kartoffelsorte, gilt bei Kartoffelkennern als sehr schmackhaft bei den stärkereichen und mehligen Kartoffeln. Eignet sich ideal für Pürees und Reibekuchen. Diese Kartoffelsorte schickt sich außerdem für die industrielle Verarbeitung zu Chips und Pommes.

‘Allians’ 

Festkochend, fein aromatisch und robust im Anbau – des Landwirts Liebling und Star im Kartoffelsalat. Ebenfalls mittelfrühe Ernte unter den Kartoffelsorten. Nachfolgerin der Kartoffelsorte ‘Linda’, die von vielen Verbrauchern schmerzlich vermisst wurde.

‘Adretta’ 

Mehligkochend, bekannte ostdeutsche Züchtung, späte Ernte und gute Lagerfähigkeit. Fällt aufgeschnitten durch ihre hellgelbe Farbe auf. Findet Verwendung in Pürees, Kartoffelklößen und Eintöpfen.

‘Bamberger Hörnchen’ 

Festkochend, helles Fleisch mit gelber bis gleicht rosafarbener Schale, mittelfrühe Ernte. Diese „krumme“ Knolle gehört zu den alten Kartoffelsorten und wird seit dem späten 19. Jahrhundert angebaut. Ihr Ursprung soll – wie der Name schon sagt – in Franken/Bayern liegen. Dort heißt sie auch ‘Bamberger Hörnla’. Ihr Anbau ist mittlerweile als regionale Sorte mit einer geografischen Angabe europaweit geschützt. Die Hörnchen haben auch schon eine Miss-Wahl gewonnen: Sie war Kartoffel des Jahres 2008. Macht sich aufgrund ihrer Größe gut als Pellkartoffel, schmeckt aber auch fein in Salaten.

Das Bamberger „Hörnla“, wie man im Süden sagt, ist eine ideale Pellkartoffel.
Das Bamberger „Hörnla“, wie man im Süden sagt, ist eine ideale Pellkartoffel.

‘Belana’ 

Festkochend, frühe Ernte und neben der ‘Allians’ noch eine Nachfolgerin für ‘Linda’. ‘Belana’ ist ebenfalls des Bauerns Beste: gute Erntemengen, gute Lagerfähigkeit. Und in der Küche macht sie mit ihrer ovalen Form und dünnen, glatten Schale ebenfalls einen soliden Job, ob schlicht als Salzkartoffel oder im Kartoffelsalat.

‘Bintje’ 

„Alsjeblieft“ – bitteschön, sagten unsere niederländischen Nachbarn, als sie die ‘Bintje’ brachten. Diese niederländische Züchtung wandert zwischen vorwiegend festkochend bis mehligkochend und eignet sich deshalb für Pürees, Suppen und Eintöpfe. Wer nicht gerne schält, freut sich über ihre großen Knollen mit dünner, gelber Schale.

‘Blauer Schwede’ 

Eine der Kartoffelsorten, die man sich gerne anschaut. Warum sie so aussieht? Grund dafür sind die in ihr enthaltenen Anthocyanen. Diese sollen gegen freie Radikale wirksam sein und gelten als krebshemmend. Das violette Fleisch färbt sich beim Kochen übrigens blau. Sie ist vorwiegend festkochend bis mehligkochend und deshalb ein Blickfang für blaues Kartoffelpüree. Übrigens auch eine Prämienträgerin: Sie war Kartoffel des Jahres 2006. Diese mittelfrüh geerntete blaue Knolle gehört zu den alten Kartoffelsorten und ihr Ursprung wird in Skandinavien vermutet.

‘Blaue St. Galler’ 

Schweizer Züchtung, die ursprünglich auf die ‘Blauer Schweden’ zurückgeht. Mittelfrühe Ernte. Wird durch die Kartoffelindustrie gerne zu blauen Chips verarbeitet.

Kartoffelsorten: Blauer St. Galler
Schon einmal blaue Chips gesehen? Meist verwendet die Industrie dafür die Blauen St. Galler.

‘Cilena’ 

Festkochend und eignet sich nahezu für sämtliche Aufläufe, Gratins, Brat- und Salzkartoffeln. Sie gehört zu den früh geernteten Kartoffelsorten und ist trotzdem gut lagerfähig.‘Cilena’ besticht mit einer schönen, gelben Farbe und großen, länglichen Knollen. Kartoffelkenner sagen, ihr Aroma wird mit zunehmender Lagerdauer noch feiner.

‘Coronada’ 

Neue und ertragsstarke Sorte, die für die Low-Carb-Kartoffel-Produktion geeignet ist. ‘Coronada’ ist eine vorwiegend festkochende Speisekartoffel mit frühem Erntezeitpunkt. Einheitliches Erscheinungsbild mit rund-ovalen Knollen.

‘Granola’ 

Vorwiegend festkochende und mittelfrühe Sorte mit recht runden Knollen und rauer Schale. Gute Lagerfähigkeit. Nicht erschrecken: Beim Kochen ist sie anfangs sehr fest, wird dann aber nach einigen Minuten zunehmend weicher und eignet sich gut für Kartoffelknödel und Pürees. Auch sie ist eine Siegerin: Sie war Kartoffel des Jahres 2014.

‘La Ratte’ 

Bonjour! Je suis une patate. ‘La Ratte’ ist ein Klassiker unter den Kartoffelsorten aus Frankreich. Sie gehört ebenfalls zu den alten Kartoffelsorten und soll bereits dem späten 19. Jahrhundert angebaut worden sein. Optisch ähnelt sie äußerlich etwas unserem Bamberger Hörnchen durch ihre kleine, längliche Form, ihre inneren Werten zeigen ein gelbliches Fleisch mit speckigem Charakter. Sie gehört zu den mittelfrühen und festkochenden Kartoffelsorten und ist bei Kartoffelfreunden wegen ihres nussigen Geschmacks beliebt.

‘Linda’ 

Diese Sorte mit gelbem, festem Fleisch löste einen wahren Kartoffelsorten-Skandal aus. Nach Auslauf des 30-jährigen Sortenschutzes sollte sie 2004 eigentlich vom Markt genommen werden. Landwirte und Verbraucher liefen Sturm. Ende vom Lied: Nach mehreren Jahren Streit ist es den gelungen, den Erhalt der Sorte zu sichern. Mittlerweile ist die festkochende ‘Linda’, die dann zur Kartoffel des Jahres 2007 gekürt wurde, besonders im Bioanbau beliebt. Aufgrund ihres angenehmen Geschmacks ist Linda ein wahrer Liebling – da braucht es nicht einmal eine Soße.

 

Kartoffelsorte Linda
Dass Linda 2004 eigentlich vom Markt genommen werden sollte, sorgte für Entrüstung. Happy End: Linda blieb erhalten!

‘Linella’ 

ist nur ein Markenname von Kaufland. Dahinter verbirgt sich die Low-Carb-Kartoffel ‘Coronada’ (siehe oben).

‘Mandel’ 

Die finnischen Mandelkartoffeln brillieren mit ihrem ausgezeichneten Geschmack und machen sie so zu einer Sorte, die von Gourmets geschätzt wird. Ohne diesen Vorteil wäre die mandelförmige Kartoffelsorte mit kleiner Knolle, rauer Schale und tiefgelbem Fleisch vermutlich längst nicht so angesehen, denn im Anbau sie alles andere als einfach und bringt nur geringe Ertragsmengen.

‘Montana’ 

Diese neue Low-Carb-Kartoffel wird von Edeka vertrieben. Sie ist festkochend und gehört zu den Kartoffelsorten mit mittelfrühem Erntezeitpunkt. Bei großen Anbauern aufgrund ihrer einheitlichen Abpackoptik beliebt: einheitliche Knollen mit gelbem bis tiefgelbem Fleisch.

‘Nicola’ 

Noch so eine Prämien-Kartoffel – ‘Nicola’ war Kartoffel des Jahres 2016. Sie gehört zu den mittelfrühen, festkochenden Kartoffelsorten. Gute Lagerfähigkeit und für Landwirte ein Träumchen: Sie gilt als robuste Sorte, die auch unter schwierigen Wetter- und Bodenbedingungen gute Erträge erzielt.

‘Rosa Tannenzapfen’ 

Längliche Knolle mit Verwachsungen und einer Schale in rosa. Bei dieser Kartoffel mit festem Fleisch handelt es sich um eine englische Züchtung von 1850, die auch unter dem Namen ‘Pink Fir Apple’ bekannt ist. Ihr Geschmack ist angenehm würzig.

Kartoffelsorten: Rosa Tannenzapfen
Alles andere als holzig: Die rosa Tannenzapfen tragen ihren Namen wegen ihrer Verwachsungen. Geschmacklich können ihr nur wenige Kartoffeln das Wasser reichen.

‘Sieglinde’ 

Und weil‘s so schön ist, gleich nochmal: ‘Sieglinde’ war Kartoffel des Jahres 2010. Sie gehört zu den Vertretern der älteren Kartoffelsorten und stammt aus dem Jahr 1935. Beliebte Kartoffel für die Selbstversorgung, da sie weitestgehend resistent gegen die typischen Krankheiten der Kartoffelpflanze ist. Die gute ‘Sieglinde’ ist eine frühe und festkochende Kartoffel mit längeren, ovalen Knollen und einer intensiven gelben Farbe. Geliebt wird sie für ihr würziges Aroma, das noch intensiver sein soll, wenn sie auf Moorböden angebaut wird.

‘Vitelotte’ 

Für den kommerziellen Anbau eine eher uninteressante Sorte, denn die Erträge sind klein. Aussehen? Naja. Dicke und raue Schale mit tiefen Augen. Warum sie es in diese Auflistung geschafft hat? Ihr Geschmack (und ihre violette Farbe)! Sie gilt als „französische Trüffelkartoffel“: mild würzig bis nussig.

Kartoffeln anbauen, ohne zu graben, und im Herbst reichlich ernten – das gelingt mit einem Kartoffel-Heubeet. Katja Holler zeigt im Video, wie die Methode „Heukartoffeln“ funktioniert und wie das Heubeet gebaut wird.

„Kartoffeln machen dick.“ - Nein, das stimmt so nicht.

Der gute Ruf der Kartoffel hat hier und da gelitten, wird sie doch gerne mal als kalorienbehaftete Dickmacher betitelt. Zu Unrecht. Mit circa 70 Kilokalorien auf 100 Gramm gelten Kartoffeln aus ernährungspsychologischer Sicht als ausgewogene und gut verdauliche Schonkost, insbesondere für Menschen mit Magen-Darm-Problemen.

Die Low-Carb-Kartoffel, die seit einiger Zeit erhältlich ist, wirbt damit, nochmals 30 Prozent weniger Kilokalorien auf den Teller zu bringen, also nur rund 50 Kilokalorien auf 100 Gramm. Die klassische Salzkartoffel hat im Vergleich zur Nudel an Popularität verloren, auch weil ihre Zubereitung als aufwendiger gilt. Nach dem zweiten Weltkrieg galt sie noch als Hauptlieferant für die Kohlenhydratversorgung der deutschen Bevölkerung.

Im Wirtschaftsjahr 1950/51 lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Kartoffeln bei satten 186 kg, 10 Jahre später waren es schon nur noch 132 kg. Im Jahr 2000/01 waren es dann 70 kg, 2018/19 nur noch 55 kg. In der Corona-Krise feierte die Kartoffel eine kleine Renaissance: Hier zeigen die Zahlen, dass der durchschnittliche Kartoffelverbrauch wieder auf 59,4 kg (lt. Statista, Zahlen enthalten sowohl den Verbrauch von Speisekartoffeln sowie von industriell verarbeiteten Kartoffeln).

Kartoffelsorten: Kartoffelverkauf früher
Die Kartoffel war einst Hauptlieferant für die Kohlenhydratversorgung.

Durchhalten – die Kartoffel hilft dabei

Kartoffelsorten hin oder her – eins haben sie gemein: Gekochte Kartoffeln gelten als ideale Nahrung für Ausdauersportler, denn sie machen satt, aber erzeugen kein Völlegefühl. Außerdem werden die Kohlenhydrate in den Muskel- und Leberdepots des Körpers gespeichert, auf die er dann bei stärker Belastung längerfristig zugreifen kann.

Wirklicher Dickmacher ist die Kartoffel eher in industriell verarbeiteter Form, zum Beispiel als Chips, Pommes, Krokette, Rösti, Curly Fries. Ordentlich gewürzt und mit Mayo und Ketchup serviert, mutiert die einst so gesunde Kartoffel dann doch zum Figur-Killer.

Sie sollte hingegen viel häufiger nur gekocht auf deinem Teller landen, denn dann ist sie als Nahrungsmittel am wertvollsten. Kartoffeln sind reich an Stärke und enthalten außerdem Vitamin C, einige B-Vitamine und Mineralstoffe, u.a. Magnesium, Kalium und Eisen. Das in den Knollen enthaltene hochwertige Eiweiß lässt sich von unserem Körper am besten aufnehmen, wenn es zusammen mit Eiern oder Milchprodukten gegessen wird.

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