Folge 5: Intelligent oder nur intrigant?

Die Schnecken-Communitiy muss gut vernetzt sein. Und mittlerweile bin ich sicher, dass einzelne Individuen deutlich höher entwickelt sind als führende Malakologen – das ist der offizielle Titel für Schneckenforscher – annehmen.
 
Eine andere Erklärung gibt es nicht: Die Schnecken-Gemeinde des Münchner Ostens hat auf der kraut&rüben-Internetseite meine selbstgerechten Zeilen der vergangenen Wochen gelesen und daraufhin ihren subtil-fiesen Schlachtplan entworfen. Dieser Plan sieht vor, mich erst zu verwirren und dann bis aufs Mark zu frustrieren.
 
Ich stelle mir die Zusammenkünfte der Wegschnecken-Aktivisten-Szene so vor. Der Vorsitzende, eine charismatische Braune Wegschnecke mit heller Maserung, heizt der schleimenden Masse ein: „Aufgepasst Leute! Du da drüben nimmst Dir den Buchs im Topf auf der Terrasse vor. Erst kriechst Du genussvoll über die zähen Blätter und als Krönung räkelst Du Dich auf diesem grässlichen blauen Vogel-Stecker. Wenn die Puchtinger das sieht, kann sie nicht anders, sie wird wissen wollen, was sich im Rest des Gartens abspielt.“
 
„Und dann, Chef?“ ruft der Molluskenchor erwartungsvoll. „Dann geht’s richtig los: Du, mein Freund, schleimst an einem Kartoffelsack bis in die höchste Blätter-Etage und knabberst sichtbar am Kartoffel-Laub. Ganz egal, wie bitter das Zeug schmeckt.“ „Hehehe, genial, ich ziehe gleich los.“ „Bestens, es soll Dein Schaden nicht sein. Und jetzt kommt das große Finale: Ihr vier hier, Ihr macht sie fertig. Zusammen raspelt Ihr die Salatköpfe kurz und klein, immer alle gleichzeitig auf einem Kopf und einen nach dem anderen, bis auf die Blattrippen. Halt, wartet! Der Clou an Eurem Auftritt wird sein: Ihr nehmt Euch nur die linke Beethälfte vor. Rechts vom Weg bleibt alles makellos. Verstanden? Und habt keine Angst. Das Schlimmste, was passieren kann ist, dass sie Euch mit ihrem Blitzlicht blendet. Sie hat versprochen, dass sie uns dieses Jahr nichts tut.“
 
Ja, das hat sie und sie zieht es durch – noch. Was dabei hilft: der zarte Pflücksalat aus dem Gewächshaus der Nachbarin, die zum Ernten ohne Bescheidenheit während ihrer Urlaubsreise aufgerufen hat.
 
 
 
 
 
Eine Garten-Saison lang will kraut&rüben-Redakteurin Eva Puchtinger nichts gegen die Schnecken in ihrem Garten unternehmen. Warum? Inspiriert von einer Leserin soll dieses Experiment die Sichtweise ändern. In Zukunft ist der Salat zur Hälfte knackig-köstlich, nicht halb angefressen.
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