Obstbaum-Schnitt: Gut zu wissen

Mann beim Apfelbaum-Schnitt
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Keine Angst vorm Obstbaum-Schnitt! Wer die Grundlagen kennt, entwickelt schnell ein Gefühl dafür, wo die Schere ansetzen muss.

Vielleicht fragen Sie sich manchmal: Wozu überhaupt schneiden? Obstbäume wachsen ja auch an Straßen- oder Waldrändern und tragen Früchte ohne menschliches Zutun. Stimmt, aber häufig bleibt das Obst klein, hat Flecken oder faule Stellen und schmeckt auch nicht besonders süß. Die Bäume altern schnell, der Fruchtbehang lässt bald nach, oft brechen Teile der Krone aus.

Ziel des Schnitts ist es, eine stabile Krone aufzubauen, die jedoch möglichst viel Licht und Luft ins Innere lässt. Nur dann reifen süße Früchte heran. Außerdem bleibt der Baum gesünder, weil nach Niederschlägen die Blätter schneller abtrocknen. So haben Pilzkrankheiten wie Schorf schlechte Chancen sich auszubreiten. Bei erwachsenen Bäumen lässt im Alter zudem der Neuzuwachs und später die Fruchtholzbildung nach. Der richtige Schnitt erhält Bäume für viele Jahre fruchtbar.

Wann schneidet man? Für die meisten Obstarten gilt der Spätwinter als bester Zeitpunkt, also Ende Februar, Anfang März. Nur Kirschen schneidet man im Sommer. Zu Jahresbeginn sind die Bäume unbelaubt, so müssen sie keinen Blattverlust verkraften. Außerdem erkennt der Gärtner den Kronenaufbau im kahlen Zustand besser. Wählen Sie den richtigen Tag je nach Wetterlage. In den folgenden Nächten sollte die Temperatur nicht unter –5 °C sinken. Der Austrieb der Blätter muss aber noch bevorstehen. Je nach Obstart und Kronenform führt man kleinere zusätzliche Schnittmaßnahmen im Sommer durch.

Wo wachsen die Früchte? Wer viele Früchte ernten will, muss wissen, wo die Schere anzusetzen ist, damit der Baum Blüten- und Fruchtholz bildet. Das ist unterschiedlich und hängt von der Obstart ab. Der äußere Triebzuwachs, der in der laufenden Saison entsteht, beziehungsweise in der letzten Saison vor Wintereinbruch gewachsen ist, heißt diesjähriges oder auch 1-jähriges Holz. Im nächsten Jahr wächst es weiter, der ältere Abschnitt wird dann zum 2-jährigen Holz. Kernobst, also Äpfel und Birnen, blühen und fruchten vor allem an kurzen Seitentrieben, die am 2-jährigen Holz sprießen. Sauerkirschen und Pfirsiche dagegen bilden vorwiegend am 1-jährigen Holz Früchte.

Wie groß wird mein Baum? Verfallen Sie nicht dem Irrtum, einen Baum durch Schnitt klein halten zu wollen. Man kann nur Korrekturen vornehmen. Die Größe des Baumes bestimmt die Unterlage, sie bildet die Stammbasis und den Wurzelbereich. Die Obstsorte wird darauf veredelt und baut die Krone auf. Hochstämme brauchen starkwüchsige Unterlagen, auf schwachwüchsigen bleiben die Bäume klein. Wobei jeder junge Baum zunächst stark wächst und kaum Früchte bildet. In dieser Phase sorgt der Gärtner mit dem Erziehungsschnitt für den Aufbau einer stabilen Krone. Wird der Baum älter, kehrt sich das Verhältnis um. Der Instandhaltungsschnitt hat dann ein ausgewogenes Verhältnis von Fruchtbildung und Triebwachstum zum Ziel.

 

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