Folge 3: So darf es weitergehen

In diesem Jahr ignoriere ich die Schnecken. Ich streue kein Korn, ich sammle nicht ein, ich errichte keinen Zaun, ich sehe nicht (so genau) hin, sondern ändere meine Sichtweise: In Zukunft ist der Salat zur Hälfte knackig-köstlich, nicht halb angefressen.
 
Zwei Tage und Nächte hat es fast pausenlos geregnet. Das weiß ich so genau, weil die Kinder nur in voller Matsch-Montur nach draußen konnten. Außerdem hat sanftes Trommeln auf dem Dachfenster meinen Schlaf begleitet.
 
Trotzdem, der dritte Satz Salat steht im Beet wie gemalt – diesmal ganz ohne Vlies-Decke, auch wenn das Münchner Pfingstwetter sie absolut rechtfertigen würde. Weit und breit ist keine Schnecke in Sicht.
 
Entweder die Tiere fühlen sich durch meine fehlende Streitlust so unterfordert, dass sie in Gärten mit höherem Thrill-Faktor umgesiedelt sind oder das zurückliegende April-Wetter versucht, sein Verhalten mit diesem Effekt wieder gut zu machen.
 
Schließlich war dem Winter – nachdem er vier Monate lang offenbar nicht wusste, was von ihm erwartet wird – doch noch eingefallen, dass Schnee und Kälte zu seinem Show-Programm gehören. Möglich, dass voreilig geschlüpfte Jungschnecken davon böse überrascht wurden. Den unterirdisch überwinternden Eiern hat das kurze Frost-Gastspiel aber sicher nicht geschadet. Und die daraus geschlüpften Tiere könnten schon bald großen Hunger haben …
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