Smoothies – Volle Kraft voraus!

04.05.2016, 15.43 Uhr

Smoothies – volle Grünkraft voraus!

Smoothies haben mich bisher nicht interessiert. Ich hielt sie für eine neue Ernährungsmarotte, die sich bald erledigt hätte. Eine, die zudem kaum gesünder ist, als häufig Fruchtsäfte zu trinken. Die enthalten neben den willkommenen Vitaminen reichlich Säuren sowie Zucker und sind aller gesunden Ballaststoffe beraubt. Das treibt den Blutzucker in die Höhe sowie das Insulin, welches den Blutzucker abbaut, und schon bald meldet das Gehirn erneut Hunger an. Außer Spesen nix gewesen.

Dann bin ich bei einer Yoga-Seminarreihe Heidi begegnet, ihres Zeichens Smoothie-Spezialistin. Zu den Treffen rückte sie mit Mixer und Zutaten für ein grünes Smoothie an: Ananas, Apfel, Kiwi und Banane, dazu reichlich Grünzeug wie Spinat, Salat, Karottenkraut, Blätter von Gartengemüsen, Küchen- und Wildkräuter. In der Pause jagte Heidi ihre Mitbringsel durch den Mixer, fügte Wasser hinzu, sodass der Brei trinkbar wurde und schmeckte die Mixtur hinsichtlich Süße und Säure ab. Das erste grüne Smoothie habe ich aus Neugierde getrunken. Es schmeckte köstlich. Beim zweiten Treffen spekulierte ich darauf, es möge wieder Smoothie geben, um enttäuscht zu sein, als dies einmal nicht der Fall war.

Zuhause begann ich nachzulesen. Na, logisch! Chlorophyll, der grüne Farbstoff in Blättern, ist Lebenskraft pur. Aber wer isst schon gerne eine Handvoll Petersilie, Giersch oder grünen Salat, um sich diese Grünkraft samt Ballaststoffen für eine gute Verdauung einzuverleiben. Von den gesunden Bitterstoffen ganz zu schweigen. Gemixt mit Obst sieht die Sache anders aus. Die Mineralstoffe aus dem Grünzeug neutralisieren die Fruchtsäuren, die Bitterstoffe werden durch Süße und Säure geschmacklich ausbalanciert, und die Ballaststoffe sind noch mit im Boot. Eine geniale Idee.

Ich kramte meine alte Saftpresse aus dem Keller und fing an. Nicht gerade mit dem idealen Gerät, denn hinterher musste ich den Saft und das abgetrennte Fruchtfleisch wieder zusammenkippen. Aber ich wollte in meiner Anfangs-Euphorie nicht wieder ein Gerät kaufen, das kurze Zeit später mit der Begeisterung im Keller verstauben würde.

Morgens brachte ich vom Joggen frische Wildkräuter mit , eine Art win-win-Situation entstand. Um Kräuter zu sammeln, musste ich loslaufen. Wenn sie da waren, musste ich ein Smoothie zubereiten, denn Wildkräuter welken schnell. Meine Erstlinge bestanden aus Giersch, Brennnessel. Löwenzahn und Sauerampfer sowie reichlich Ananas und Wasser. Lecker! Was meinen Magen nicht davon abhielt, eine gewisse Schwere zu signalisieren.

Gut, dass ich zeitgleich das Buch ‚Darm mit Charme’ gelesen habe. Dort erfuhr ich Wissenswertes über die Nöte der Darmbakterien mit Fremdem umzugehen, und schon fühlte sich die Botschaft aus dem Bauch anders an. Spannend war auch, dass Süß-und Fleischhunger abnahmen. Mikroben bekommen Futter aus dem Darm, wichtig ist jedoch, welche Art von Futter.

Inzwischen habe ich mir für 50 € einen kleinen Smoothie-Mixer gekauft.
Ich will keine Religion daraus machen, wie das so oft bei neuen Ernährungsideen der Fall ist. Auf keinen Fall werde ich täglich Smoothie trinken. Aber jetzt, wo die Wildkräuter nur so vor Kraft strotzen und es gilt, der Frühjahrsmüdigkeit Paroli zu bieten, bin ich mit von der Partie.

PS. Hier noch ein brandaktueller BuchtippEssbare Wildpflanzen einfach bestimmen. Die 50 beliebtesten Arten in mehr als 400 Farbfotos, mit Rezepten und Tipps für die Küche, von Fleischhauer, Guthmann, Spiegelberger, AT-Verlag, Aarau/München 2016

Wildkräuter-Smoothie

Pro Glas: 1 Handvoll Kräuter, 20 g (Giersch allein oder mit etwas Brennnessel, Löwenzahn, Vogelmiere), 100–120 g Obst wie 1 Apfel, Kiwi und/oder Erdbeeren, ½ Banane, 

• Kräuter und Obst mit wenig Wasser fein pürieren, und mit Wasser
(150 ml) aufmixen.
• Grüne Komponente: statt Kräutern Brokkoli, jungen Spinat oder Eisbergsalat, verwenden.
• Wer will, kann zum Smothie noch etwas Naturjoghurt oder Sojajoghurt dazugeben .

Wildkräuter-Salat

Pro Portion: 1–2 Handvoll Kräuter (nur Giersch oder gemischt mit Vogelmiere, Knoblauchsrauke, Brennnessel, Löwenzahn, Spitzwegerich),
2-3 Radieschen, 1 Stück Gurke, 1 Scheibe Feta, 1 EL Salatkerne, Walnussöl oder anderes Öl, Balsamico-Essig, Salz, Pfeffer, evtl. 1 TL Senf, 1 EL Joghurt

• Wildkräuter waschen und trockenschleudern, Blätter abzupfen, größere Blätter (Beinwell, Sauerampfer) zerschneiden und auf einen tiefen Portionsteller geben.
• Feta, Radieschen und Gurke kleinwürfeln und mit den Salatkernen über den Salat streuen, mit Gänseblümchen oder anderen Blüten dekorieren.
• Salatmarinade (Öl, Essig, Jogurt, Senf) anrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Über den Salat träufeln oder zum Salat servieren.

Teilen