Steinmehl anwenden im Garten

Pflanzenschutz mit Steinmehl
Legen Sie dem Garten Puder auf! Steinmehl schützt gegen Schädlinge - Foto: Christine Mall

Steinmehl verbessert den Boden und schützt gegen Schädlinge. Damit machen Sie nichts verkehrt und vieles besser. Was ist Steinmehl und wie wird es im Garten verwendet?

Was ist Steinmehl?

Unter Gesteinsmehl oder Steinmehl versteht man sehr fein gemahlenen Stein jeder Art. Steinmehl gibt es in verschiedenen Sorten und Eigenschaften. Je nach Herkunft unterscheiden sich die Spurenelemente der fein zermahlenen Steine von Basalt, Granit, Diabas, Gabbro oder anderem Tiefen- und Ergussgestein ebenso wie Kalkstein- oder Tonminerale. Rund 5 Millionen Tonnen fallen davon jährlich in deutschen Steinbrüchen an. Mergel, Ton und Vulkanaschen dienten bereits in der Antike zur Verbesserung des Ackerlandes.

Wie wirkt Steinmehl?

Das mineralische Pulver regeneriert den Boden, fördert den Kompost und schützt die Pflanzen.

Gesteinsmehl, auch Urgesteinsmehl genannt, enthält keine oder kaum Hauptnährstoffe. Es ist also kein klassischer Dünger. Stattdessen zählt das fein gemahlene Material zu den Bodenhilfsstoffen, die die Erde fruchtbarer machen und dafür sorgen, das Wasser darin zu halten.

Ein weiteres Plus sind die reichlich vorhandenen Mineralstoffe und Spurenelemente: Diese unterstützen beispielsweise Obst und Gemüse beim Wachstum und machen es widerstandsfähiger gegenüber Schädlingen.

Mit Steinmehl den Boden verbessern

Steinmehl enthält, abhängig von der Gesteinsart, unterschiedliche Mengen an Mineralstoffen wie Kalium, Calcium oder Magnesium sowie zahlreiche Spurenelemente. Mikroorganismen, Wasser und Bodensäuren zersetzten den feinen Staub und bereiten diese Nährstoffe so für Pflanzen verfügbar auf. Dennoch wirkt das Mehl nur untergeordnet als Dünger, da dieser Prozess sehr langsam abläuft und im Vergleich zu Kompost oder Hornmehl wenige Mineralien bereitstellt.

Gesteinsmehl ist vielmehr ein Helfer, der die Bildung von fruchtbarem Erdreich fördert. Denn auch der natürlich gewachsene Boden zu unseren Füßen entstand, weil sich mineralisches Gestein aus dem Erdinneren mit organischer Substanz, etwa abgestorbenen Pflanzen, vermischt hat.

Arbeiten wir fein gemahlenen Stein in die Erde ein, verbinden die Bodenlebewesen ihn mit Humusteilchen zu wertvollen Ton-Humus-Komplexen. Diese Komplexe sorgen für eine gute Bodenstruktur, die Wasser gut hält, ohne dabei eine ausreichende Durchlüftung zu verhindern. Außerdem haben Tonminerale selbst die Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und dadurch aufzuquellen. An ihrer relativ großen, negativ geladenen Oberfläche lagern sich positiv geladene Nährstoffteilchen (Ionen) an. Regenwasser kann diese anhaftenden Nährstoffe nicht auswaschen.

Welches Steinmehl für welchen Boden?

Wer Steinmehl im Garten ausbringen möchte, sollte zunächst einschätzen, ob sein Boden grundsätzlich eher sauer oder basisch ist. Denn basische Böden, wie solche mit Ton, Löß oder Lehm, verlangen eher saure Produkte. Sand- oder aschehaltige Böden benötigen hingegen alkalisch wirkende Pulver. Es ist also immer genau das Gegensätzliche in puncto pH-Wert gefragt. Zudem macht es Sinn, einen Blick auf die jeweiligen Inhaltsstoffe zu werfen: Je nach Ausgangsmaterial sind unterschiedliche Mineralien und Spurenelemente enthalten, weshalb man das feine Mahlgut unterschiedlich einsetzt.

Diabasmehl: Es ist ideal, um ein niedriges pH-Erdmilieu anzuheben, da es reich an Kalzium ist. Es wirkt somit einer Bodenübersäuerung entgegen. Diese Steinmehl-Variante ist bestens geeignet, um die meisten Kulturen mit ausreichend Eisen und Magnesium zu versorgen, was für saftiges Grün wichtig ist. Zusätzlich enthält Diabas viel Kieselsäure, welche die Pflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge wappnet. Sie ist außerdem Bestandteil wertvoller Ton-Humus-Komplexe, die helfen, Wasser und darin gelöste Stoffe im Erdreich zu binden. Ganz nebenbei verbessert Diabas den Geschmack von Obst und Gemüse und macht es beim Lagern haltbarer. Nur auf dem Heidelbeerbeet hat es nichts verloren: Die Sträucher brauchen nämlich einen Boden mit einem geringen pH-Wert von 4,0–5,0.

Basalt oder Granitmehl: Gesteinsmehle im Handel basieren meist auf Basalt. Es säuert stark alkalische Böden wirkungsvoll an. Außerdem ist es wertvoll für den Kompost, da es zersetzende Mikroorganismen fördert – ebenso wie Diabas- und Zeolithmehl. Die Miniorganismen vermehren sich dank des Pulvers schneller und arbeiten effektiver, sodass grobes Material, wie Strauchschnitt und Bioabfall ruckzuck in einzelne Bauteile zerlegt wird. Pulver aus Basalt oder Granit ist häufig dunkler als das aus Diabas, wobei es ähnliche Mineralstoffgemische aufweist.

Lavamehl: Es hat einen hohen Gehalt an Eisenverbindungen und weiteren Mineralstoffen und ist somit zum Regenerieren stark beanspruchter Böden ideal. Außerdem verabreicht man es gerne Starkzehrern wie Tomaten und Auberginen.

Zeolithmehl: Das poröse Material verbessert in besonderem Maße das Wasser- und Mineralstoff-Speichervermögen des Erdreichs und unterstützt die Arbeit von humusbildenden Kleinstlebewesen. Allerdings macht es den Untergrund alkalischer, weshalb man es auf Böden mit pH-Werten über 8 nur sparsam einsetzen sollte. Denn in zu basischem Milieu sind einige Nährstoffe nicht mehr pflanzenverfügbar. Beim großflächigen Ausbringen empfiehlt es sich, vorab den pH-Wert des Untergrunds zu messen. Jedoch ist Zeolith oft deutlich teuerer als andere Gesteinsmehle. Wohl dosiert ausgebracht, sparen Gärtner jedoch Dünger.

Bentonit: Es handelt sich um gemahlenen Ton, der dem Boden das Speichern von Nährstoffen erleichtert. Die darin vorkommenden Tonminerale enthalten nämlich über 50 Prozent wertvolle Kieselsäure. Bentonit ist daher vor allem auf durchlässigen Sandböden gefragt, um Wasser und Nährstoffe im Beet zu binden.

Egal welches Material Sie sich nun aussuchen: Richten Sie sich bei der verwendeten Menge von Steinmehl auf jeden Fall nach den Herstellerangaben.

Steinmehl richtig anwenden

  • Auf dem Beet ausstreuen: an windstillen Tagen, ohne es einzuatmen, da die feinen Partikel in die Lunge eindringen können. Anschließend arbeitet man das Pulver mit einer Harke leicht ein und wässert die Erde.
  • Bestäuben Sie den Boden jährlich im Frühling oder Herbst mit 200 bis 300 Gramm Mehl pro Quadratmeter und arbeiten es oberflächlich mit der Harke ein.
  • Ins Gießwasser einrühren: Obstgehölze und andere Dauerkulturen damit im Wurzelbereich gießen.
  • Ins Pflanzloch geben: Bei immergrünen Gehölzen beispielsweise verschafft Diabasmehl empfindlichen Wurzeln gute Anwachsbedingungen.
  • Über den Kompost streuen: Auf dem Kompost beschleunigen Steinmehle die Rotte und Humusbildung. Sie binden unangenehme Gerüche. Mit den Kompostgaben auf die Beete gelangt es außerdem in den Boden.
  • In Pflanzenjauche auflösen: Das Mehl mildert strenge Gerüche und reichert die Brühe mit wertvollen Mineralstoffen an.
  • Für sandige Böden empfiehlt sich Tonmehl, das häufig unter dem Namen Bentonit verkauft wird, während auf saurem Untergrund Mehl aus Kalksteinmagnesium Struktur und pH-Wert verbessert.
  • Die Wirkung des Steinpuders lässt sich optimieren, wenn gleichzeitig Reste einer Gründüngung oder eine pflanzliche Mulchschicht mit eingearbeitet werden: als Grundlage für die Ton-Humus-Komplexe.

Pflanzenschutz mit Steinmehl

Gärtner nutzen Steinmehle aber nicht nur als Bodenverbesserer, sondern auch als Pflanzenstärkungsmittel zum Schutz vor Schädlingen und Pilzkrankheiten. Viele Gesteinsarten wie Granit enthalten große Mengen Kieselsäure, die Pflanzen zur Abwehr von Angreifern nutzen.

Steinmehl für Pflanzenschutzzwecke sollte möglichst fein vermahlen sein. Als hauchdünner Belag auf den Blättern härtet es das Gewebe und macht es widerstandsfähig gegen Pilzsporen. Auch saugende Insekten suchen sich dann lieber eine andere Nahrungsquelle. Außerdem belästigt der feine Staub Läuse, Rote Spinne und andere weichhäutige Insekten beim Atmen und Bewegen. Da Gesteinspuder auch desodorierend wirkt, nehmen Schädlinge, die sich besonders nach ihrem Geruchssinn orientieren, Aromen und Lockhormone nicht mehr gezielt wahr und sind verwirrt.

Vorbeugend Spritzen gegen Pilzkrankheiten

Teigen Sie 200 bis 300 g Steinmehl mit etwas Wasser an, und verdünnen Sie den Brei unter ständigem Rühren mit 10 l Wasser. Spritzen Sie regelmäßig einmal pro Woche und nach dem Regen. Wählen Sie dazu die Morgen- oder Abendstunden oder Tage mit trübem Wetter. Bei Sonnenschein kann es zu Verbrennungen auf den Blättern kommen. Fertige Spritzbrühe lässt sich aufbewahren, muss aber vor der nächsten Behandlung gut aufgeschüttelt werden.

Stäuben bei Insektenbefall

Stäuben lässt sich mit einer speziellen Puderspritze (von Lava Union) oder einem Handfeger, den Sie in eine Schüssel mit Steinmehl tauchen und über den Pflanzen ausschlagen. Am besten stäuben Sie morgens auf die noch taufeuchten Pflanzen. Vermeiden Sie das Stäuben in den Bienenflugzeiten und verschonen Sie die Gartenbereiche in denen sich viele Nützlinge aufhalten.

Schnecken vergrämen

Schnecken lassen sich durch einen 5 bis 10 cm breiten Steinmehl-Schutzwall von Setzlingen abhalten. Nach einem Regen muss der Wall aber erneuert werden. Eine Paste aus Steinmehl mit zerquetschten Zwiebeln, Knoblauch, Holunderblättern oder anderen geruchsintensiven Pflanzen vertreibt Wühlmäuse und Maulwürfe aus ihren Gängen. Als Mittel gegen Wildverbiss wirkt eine Paste aus Steinmehl und Gerbstoffpulver (Tannin aus der Apotheke), die in Fraßhöhe auf die Rinde aufgetragen wird.

Schützender Baumanstrich

Ein Brei aus Tonmehl eignet sich sehr gut als Winteranstrich für Obstbäume. Er schützt die Rinde vor Frostrissen und verklebt die Schlupflöcher der Schädlinge.

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