Terra Preta – Erfahrungen mit der Indio-Erde

Terra Preta – Erfahrungen mit der Indio-Erde
Terra-Preta: dunkle Erde, luftige Krümel – Foto: Pedro / stock.adobe.com

Terra Preta, die Wundererde aus Südamerika soll die Bodenfruchtbarkeit erhöhen. Lohnt sich Terra Preta im Garten? Wir haben eine Expertin nach ihren Erfahrungen gefragt.

Beste aller Erden – was ist dran an der Indio-Erde?

Terra Preta heißt das neue Zauberwort in vielen Biogarten-Blogs und an manchem Gartenzaun. Hergestellt nach dem Vorbild einer alten Indio-Methode ist sie besonders fruchtbar und gilt deshalb als die beste aller Erden.

Das Prinzip, das dahinter steckt: Die Ur-Bewohner des Amazonasbeckens sammelten Holzkohlereste, Essensabfälle, Fäkalien, Tonscherben und Ähnliches, kompostierten oder fermentierten alles und verteilten die dunkle Masse auf ihren Feldern.

Diese Mischung verwandelte den mageren Urwaldboden, aus dem täglicher Regen einen großen Teil der Nährstoffe ausspült, in fruchtbare Flächen.

Kern-Zutat war die Holzkohle. Dank vieler winziger Poren speichert sie reichlich Wasser und Mineralien, außerdem verleiht sie dem Boden luftige Stabilität – und das über Jahrhunderte.

Von den Terra-Preta-Vorkommen und ihren Vorzügen wissen Fachleute schon seit über 100 Jahren. Doch erst seit rund 20 Jahren begannen sie, sich genauer damit zu beschäftigen. Seither entwickelten sie auch Verfahren, Terra-Preta-ähnliche Erden herzustellen, die mittlerweile im Gartencenter erhältlich sind.

Übrigens: Bio-Gärtner können sicher sein, dass es sich bei Terra-Preta-Erden im Handel immer um nachgeahmte Mixturen handelt. Der Export von Original-Terra-Preta ist verboten.

Erfahrungen mit Terra Preta Erde

Die Gemüsebau-Expertin Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Gartenakademie hat moderne Terra-Preta-Erde ausprobiert. Wir haben sie gefragt:

Wo und wie haben Sie Terra Preta getestet?

Wir haben Terra Preta in unserem Praxisgarten an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) ausprobiert. Dort haben wir die Gefäße in unserem Kistengarten teils mit torffreien Erden, teils mit einem Terra-Preta-Produkt befüllt. In die Kisten säten und pflanzten wir anschließend ein Sortiment der beliebtesten Gemüse- und Kräuterarten für einen Balkongarten.

Wie kamen die Pflanzen in diesen Erden zurecht?

Salate, Tomaten und anderes Fruchtgemüse gediehen darin bestens. Da die Erden neben der Pflanzenkohlen aber weitere Zusätze enthalten, darf man deren Einfluss auf das Wachstum nicht unterschätzen. Unsere Beobachtungen zeigen also nur einen Trend.
Eines können wir jedoch sicher sagen: In manchen Terra-Preta-Produkten stecken sehr viele Nährstoffe. Das ist manchen Kräutern, den Erbsen und Erdbeeren nicht bekommen. Sie wuchsen besser in den normalen Gartenbeeten nebenan.

Wie unterscheiden sich moderne Terra-Preta-Produkte vom Original?

Die Ur-Terra-Preta in tropischen Regenwaldregionen ist im Durchschnitt 1 000 bis 2 000 Jahre alt und sehr strukturstabil. Nachgeahmte Terra-Preta-Erden haben mit ihr nur die Holzkohle gemein. Vermischt mit Kompost, Holzfasern, Rindenhumus, weiteren Zusätzen und Dünger, wird aus dieser Kohle jedoch eine Erde, deren Eigenschaften denen der Original-Terra-Preta zumindest nahekommt. Allerdings überdauert Pflanzenkohle aus modernen Verkohlungs-Verfahren in vielen Böden kaum länger als 10–20 Jahre, bis Mikroorganismen und andere Lebewesen sie zersetzt haben.

Was ist das Besondere an Terra Preta im Gegensatz zu herkömmlicher Gartenerde?

Ganz klar, die Pflanzenkohle. Die unzähligen winzigen Poren verleihen ihr eine große Oberfläche. Und dadurch kann Kohle mehr Wasser speichern als die meisten anderen Bestandteile von Erden. Außerdem sorgt sie über einen langen Zeitraum für
eine gute Krümelstruktur. Die ist wichtig, damit die Erde Nährstoffe speichern kann und nicht verkrustet, sondern luftig bleibt.

Woran erkenne ich gute Terra-Preta-Erden?

Die Hersteller müssen auf der Verpackung über den Verwendungszweck und wichtige Inhaltsstoffe informieren. Am wichtigsten ist es, dass die Erde frei von Schwer-
metallen und anderen Schadstoffen ist.

Für Gärtner sind vor allem diese Angaben wichtig: Der pH-Wert sollte nicht über 7 liegen, der Salzgehalt keinesfalls höher als 2 g/Liter Erde. Mehr vertragen nur Starkzehrer wie Tomaten.

Was bedeutet das für Gärtner?

Auf gutem Gartenboden sind der eigene Kompost, das Mulchen mit Grünabfällen und Gründüngung bestimmt die sinnvollsten und preiswertesten Methoden zur Bodenpflege. Terra Preta führt dort kaum zu mehr Wachstum oder höherem Ertrag. Allerdings fehlen bislang aussagekräftige Erfahrungen über die genaue Wirkung von Pflanzenkohlen.

Wo empfehlen Sie Terra Preta?

Wer auf mageren, sandigen Böden gärtnert, kann diese mit kohlehaltigen Erden verbessern. Denn, dass Terra-Preta- Produkte Wasser und bedingt auch Nährstoffe gut speichern, ist unbestritten.

Auch in Kübeln, Kisten oder Hochbeeten sind qualitativ hochwertige – und darauf kommt es an – Terra-Preta-Produkte eine mögliche Variante unter den torffreien Erden.

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