Winter in Orange

16.02.2015, 11.25 Uhr

Winter in Orange

Was wäre ein Winter ohne Orangen? Fad, vitaminarm, farb- und freudlos. Immerhin gilt die Farbe Orange als Farbe der Geselligkeit sowie der Lebensfreude, und sie zieht auch mich magisch an. Mein Sofa ist orange, Bilder und Deko-Gegenstände in meiner Wohnung klotzen mit diesem Farbton, und ich liebe Orangen. Es gibt für mich keine andere Frucht, die gleichzeitig Augen, Mund und Nase so sehr anspricht, welche die Geschmacksrichtungen süß, sauer und bitter so elegant kombiniert und zudem sinnbildlich für Sonne und südliches Lebensgefühl steht.

Orangen sind mit 400 Sorten die wichtigste Zitrusfrucht, die Sorte ‘Valencia’ eine der Hauptsorten. Die kernlosen Navelorangen lassen sich durch den charakteristischen Nabel (engl. navel) am Blütenansatz von allen anderen Orangen unterschieden. Er entsteht durch die Entwicklung einer zweiten, winzigen Tochterfrucht zwischen den Segmenten der Mutterfrucht. Die Frucht in der Frucht wurde gezüchtet, um die Kerne der Hauptfrucht aufzunehmen. Mittlerweile enthält auch die Nebenfrucht keine Kerne mehr.

500 Tausend Tonnen Orangen verspeisen wir hierzulande jährlich. Die meisten Früchte stammen aus Italien und Spanien, wo sie allerdings unter enormem Preisdruck und mit großen Pestizid-Mengen produziert und von schlecht bezahlten Erntehelfern gepflückt werden. Diese Tatsache und der unvergleichliche Geschmack der Orangenschale mit ihren Zitrusölen hat mich dazu bewogen, nur noch Bio-Orangen zu kaufen. Mit dieen kann ich auch Pesto und Orangenmarmelade herstellen sowie Salat-Marinaden, Risotto, Panna Cotta und Kuchen verfeinern.

Stets interessiert an neuen Zubereitungen hat mich der Orangenkuchen meiner Freundin Gitta besonders fasziniert. Dafür werden die ganzen Früchte samt Schale gekocht, püriert und unter den Teig gerührt. Zwar enthalten viele Rezepte Saft, Fruchtfleisch und Schalen – wegen seines atemberaubenden Aromas bei geringem Arbeitsaufwand ist dieser Orangenkuchen jedoch kaum zu toppen. Schon der Duft der köchelnden Früchte sowie des Kuchens beim Backen wirkt wie eine Aromatherapie und macht gute Laune. Auch die Orangenmarmelade meiner Nachbarin Monika ist ein Muntermacher auf dem Frühstückstisch und die fruchtige Orangencreme meiner Freundin Ines ein Partyrenner.

Lassen Sie sich von der Südländerin durch den Winter begleiten, bis auch in unseren Breiten wieder Aromatisches vor der Haustüre sprießt.

Orangencreme 

Zutaten für 6 Portionen:
6 Blatt Gelatine, 650 ml Orangensaft von 6–7 Bio-Orangen, 3 Eier, 100 g Zucker,
1 Becher Sahne (200 ml)

• Orangen auspressen, Gelatine einweichen, Eiweiß und Eigelb trennen.
• Eigelb mit dem Zucker schaumig rühren, Orangensaft dazugeben und auf dem Herd langsam bis zum Kochen erhitzen und dabei mit dem Schneebesen aufschlagen.
• Gelatine ausdrücken, unterrühren, bis sie sich aufgelöst hat, das Ganze erkalten lassen.
• Wenn es anfängt einzudicken, nach etwa 2 Stunden, Sahne steifschlagen und unterrühren.
• Eiweiß mit etwas Salz steifschlagen und unterziehen, Creme mehrere Stunden im Kühlschrank oder Keller kühl stellen, mit Orangenstücken oder -zesten garnieren.

Orangen-Panna Cotta 

bereite ich wie die Rhabarber-Panna Cotta zu (siehe dazu April 2014 ‘Im Jahr der Panna Cotta’) und verwende für 8 Portionen statt des Rhabarbers 500 g Bio-Orangen (Frucht und Schale), eineinhalb Stunden gekocht und fein püriert, wie beim folgenden Orangenkuchen.

Orientalischer Orangenkuchen 

Zutaten für 1 Springform:
2 Bio-Navel-Orangen, 6 Eier, 220 g Zucker, 250 g Mandeln, 2 TL Backpulver

• Ganze Orangen mit der Schale 1 ½ Stunden köcheln. Dann erst den Stielansatz entfernen (sonst läuft Wasser in die Frucht), und die ganzen Früchte fein pürieren.
• Eier schaumig schlagen, Zucker zufügen und weiterrühren.
• Gemahlene Mandeln und gesiebtes Backpulver unterziehen, gut verrühren. Zuletzt das Orangenpüree unterrühren.
• Teig in eine gefettete Springform geben und glatt streichen, bei 180 °C
50–60 Minuten backen, die letzten 20 Minuten mit Alufolie abdecken.
• Kuchen abkühlen lassen, nach Belieben mit Puderzucker bestreuen oder mit einer Glasur aus Orangensaft und Puderzucker bestreichen und mit Orangenzesten oder Orangenfilets verzieren.

Orangenmarmelade 

Zutaten für 5–6 Marmeladengläser: 1–2 kg Bio-Orangen, 500 g Gelierzucker 2:1, nach Belieben Ingwer, Zimtstange, Orangenlikör

• Am Vortag von 3–4 Orangen die Schale in dünnen Streifen abziehen (Zestenreißer) und einzuckern.
• Orangen schälen, weiße Haut entfernen, 1 kg Fruchtfleisch abwiegen. Zwei Drittel pürieren, ein Drittel in kleine Stücke schneiden.
• Orangenpüree, -stücke und -zesten mit dem Zucker, 1 Zimtstange und etwas klein gehacktem Ingwer aufkochen, vier Minuten sprudelnd kochen lassen.
• Zimtstange entfernen, evtl. 1–2 EL Orangenlikör zufügen und den Fruchtbrei heiß in sorgfältig gespülte Schraubgläser abfüllen, zudrehen, einige Minuten auf den Kopf stellen.
• Die Marmelade passt zusammen mit dem Chutney auch hervorragend zu Käse.

Orangenpesto

Zutaten für 2 Gläser à 200 ml:
1 große Bio-Navel-Orange, 50 g Pinienkerne, 1 Knoblauchzehe, 100 ml neutrales Öl (mildes Olivenöl. Rapöl, Traubenkernöl), 50 g Parmesan, Salz und Pfeffer, evtl. einen Spritzer Zitrone

• Orange abwaschen, 30 Sekunden blanchieren, in kaltem Wasser abkühlen.
• Orange halbieren, Saft auspressen. Schale, und Fruchtfleisch in Stücke schneiden.
• Orangenschale mit dem ausgepressten Fruchtfleisch, Pinienkernen, Knoblauch, Öl und Parmesan zu feinem Pesto pürieren.
• Dieses mit Orangensaft geschmeidig rühren, eventuell noch Öl oder Zitrone zur Abrundung zufügen.
• Das Orangenpesto schmeckt in der Salatmarinade, passt ins Risotto und in sahnige oder fischige Nudelsoßen sowie zu Fischgerichten.

Blutorangen-Chutney

Zutaten für 2 Gläser à 200 ml:
4 Blutorangen (Bio), 2 Knoblauchzehen, 2 rote Zwiebeln, 20 g Ingwer, 1 rote Chilischote, 3 EL Öl, 60 g Zucker, 1 TL Senfkörner, Samen einer Kapsel Sternanis, Salz, Pfeffer, nach Belieben 1 EL Orangenlikör oder 1 Handvoll Rosinen

• Orangen heiß waschen und abtrocknen, 1 EL Schale fein abreiben. Orangen schälen, zwei Drittel pürieren, ein Drittel kleinschneiden.
• Zwiebel würfeln, Knoblauch, Ingwer und entkernte Chilischote fein hacken
• Zwiebel und Knoblauch in 1 EL Öl andünsten, Zucker zugeben, karamelisieren lassen. Fruchtpüree und –stücke zufügen.
• Senfkörner grob zerstoßen, mit Anis, Chili, Orangenschale und Ingwer hinzufügen.
• Chutney bei kleiner Hitze 30–40 Minuten einkochen, salzen, abkühlen lassen.
• Das Chutney passt zu Reisgerichten, Bratlingen, Käse, Grillfleisch, kaltem Braten oder Roastbeef.

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