Ziergras Rutenhirse: Staude des Jahres 2020

Ziergras als Staude des Jahres 2020: Rutenhirse
Das frische Grün der Rutenhirse ’Squaw‘ ergänzt Sonnenhut (Rudbeckia) und Mädchenauge (Coreopsis) farblich perfekt. Ab September bringen violettrote Blütenrispen und eine rostrote Laubfärbung spannende Farbeffekte ins Beet. - Foto: GMH/André Stade

Attraktiv, robust und trockenheitsverträglich gehört das Ziergras Rutenhirse zu den aktuellen Stars der Gartengestaltung. Zu den klangvollen Sortennamen zählen ’Northwind‘, ’Warrior‘ oder ’Thunder Cloud‘.

Die Rutenhirse ist ein Präriegras, das sich als Solitär und als Begleiter für spätblühende Stauden eignet. Mit ihren diversen Sorten ergänzt und verschönert das Ziergras viele Pflanzengemeinschaften.

Alte Ziergras-Züchtung von Karl Foerster: ’Strictum‘

Bernd Hertle, Professor für Freilandzierpflanzen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf erinnert sich gerne an seine erste Begegnung mit der Rutenhirse zu Beginn seines Gartenbaustudiums im Sichtungsgarten von Weihenstephan:

„Dort stand inmitten einer prachtvollen Asternpflanzung die Panicum–virgatum-Sorte ’Strictum‘ (Straffe Rutenhirse) – eine aufrecht wachsende, sehr standfeste Auslese mit rotbraunen Blütenständen, deren Halme sich im Herbst leuchtend gelb verfärben. Sie war 1950 die erste hierzulande erhältliche Sorte und stammte von Karl Foerster selbst – dem berühmten Staudengärtner und -züchter, der ja die Gräser überhaupt erst in den Fokus der Gartengestaltung gerückt hat.“

Eindrucksvoller Klassiker: Die bereits 1950 von Karl Foerster ausgelesene Sorte ’Strictum‘ gehört bis heute zu den besten Rutenhirsen – straff aufrecht wachsend, bis zu 180 cm groß und mit ebenso fantastischer Blatt- wie Blütenwirkung. Foto: GMH/Bernd Hertle

 Heute leitet Bernd Hertle die Weihenstephaner Gärten und die Rutenhirse gehört längst zum festen Inventar. „Auf die drei, vier Panicum-Sorten meiner Studentenzeit folgte nämlich vor etwa 20 Jahren ein regelrechter Gräserboom, als der Präriestauden-Trend aus den USA nach Deutschland schwappte“, berichtet der Staudenexperte. Es war also höchste Zeit, das Sortiment genauer unter die Lupe zu nehmen: Rund 30 Sorten wurden im Rahmen der Staudensichtung aufgepflanzt und vier Jahre lang regelmäßig bewertet – auch in Weihenstephan.

Grandiose Gartenwirkung

Das Ergebnis bestätigte die herausragenden Qualitäten insbesondere vieler Echter Rutenhirsen (Panicum virgatum). „Sie sind wunderschön, gestalterisch anpassungsfähig und absolut pflegeleicht“, fasst Bernd Hertle zusammen. „Als sogenannte Late-Season-Grasses entwickeln sie sich im Frühjahr etwas langsamer und blühen erst im Juli/August, sehen dann dafür aber umso prächtiger aus.“

Die mal straff aufrecht wachsenden, mal sanft übergeneigten Halme sind je nach Sorte grün, graublau oder glänzen schon ab dem Frühsommer mit attraktiven roten Spitzen. Zur Farbenvielfalt der Halme gesellen sich die zarten Gräserblüten, die wie zarte Schleier über und zwischen den scharf umrissenen Konturen der Blatthorste schweben. Im Herbst warten schließlich zahlreiche Sorten mit einer herrlichen Herbstfärbung zwischen leuchtendem Gelb und glühendem Rot auf.

Vielseitig und pflegeleicht

Über den Standort muss man sich dabei keine großen Gedanken machen, einzig volle Sonne ist ein Muss. In der Natur ist Panicum von Südkanada bis nach Mexico verbreitet und an den unterschiedlichsten Standorten zu finden. Davon profitieren auch die Gärten: Die meisten Gartensorten gehören der Art Panicum virgatum an und gedeihen auf allen mäßig trockenen bis frischen Böden. Für sehr leichte, sandige Böden und an Straßenrändern, wo viele Pflanzen unter Streusalzeinträgen leiden, eignet sich die Bittere Rutenhirse (Panicum amarum) ‘Dewey Blue‘ besonders gut.

Und das nahezu ohne Pflege. Während der vierjährigen Sichtungszeit wurden die Pflanzen nicht ein einziges Mal gewässert, doch bis auf wenige sehr breitblättrige Sorten zeigten sie keinerlei Trockenschäden. Düngen ist auf den typischerweise gut versorgten Gartenböden ebenfalls überflüssig.

Auch im Winter attraktiv

Lediglich einen jährlichen bodennahen Rückschnitt sollte man den attraktiven Gräsern gönnen. „Aber damit unbedingt bis zum zeitigen Frühjahr warten, sonst beraubt man sich der reizvollen Winteraspekte“, erklärt Bernd Hertle und verrät auch gleich noch seine persönlichen Favoritinnen. „Den besten Winteraspekt hat meiner Ansicht nach ’Northwind‘, die ich auch sonst sehr schätze. Sehr positiv ist mir auch die wüchsige, 1,50 Meter hohe neue und noch rare Sorte ’Badlands‘ aufgefallen, die ein fantastisches kupferfarbenes Herbstkleid hat.“

Von den hohen Sorten gefällt Hertle die bis 2,20 Meter hohe, ebenfalls neue Sorte ’Thunder Cloud‘ am besten. „Und nach wie vor finde ich auch ’Strictum‘ sehr schön mit ihren feinen Fruchtständen und der beeindruckenden Herbstfärbung.“ Irgendwo im Sichtungsgarten, davon ist auszugehen, wird man diese und manch andere Rutenhirse wohl immer antreffen – sie ist definitiv ein Gras mit Zukunft.

Quelle: GMH

Streifenlook: Kühl und schnittig und eben darum unverzichtbar präsentiert sich Panicum virgatum ’Northwind‘ im Sommer. Auch im Herbst lenkt diese straff aufrecht wachsende Rutenhirse die Aufmerksamkeit auf sich und wechselt schon früh von Graugrün in ein extravagantes Streifenkostüm. Foto: GMH/Bernd Hertle
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