Wundersame Verwandlung

Verwunderte Gartenbesitzer trauen ihren Augen nicht:
 
„Meine Zaubernuss blüht plötzlich hellgelb anstatt rotbraun“. – „Mein Mandelbäumchen trägt Früchte wie Mirabellen“. – „ Meine Rose blüht in diesem Jahr weiß und rosa.“ – Dies werden die Experten der Bayerischen Gartenakademie oft gefragt.
 
Was ist da mit den Pflanzen geschehen?
Die Ursache liegt im Untergrund!
 
Zweiteilige Pflanzen
 
Solche Phänomene sind nicht selten und treten vor allem bei veredelten Gehölzen auf. Veredelte Pflanzen bestehen aus zwei Teilen. Triebe und Wurzeln stammen nicht von einer Pflanze sondern wurden im Jugendstadium gepfropft oder veredelt.
 
Die Wurzeln werden Unterlagen genannt und stammen von einer anderen Sorte, Art oder einem Wildling. Nach einiger Zeit verbinden sich die beiden, wachsen zusammen und gemeinsam weiter.
 
Dieser gärtnerische Kunstgriff kommt dann zum Einsatz, wenn eine attraktive Edelsorte auf „eigenen“ Wurzeln zu kümmerlich wächst.
 
Auf Unterlagentriebe achten!
 
Wildtriebe bei Rosen erkennt man erst auf dem zweiten Blick. Zweige mit spitzeren und siebenblättrigen Blättern gehören meist zur Unterlage.
 
Entfernen Sie diese Triebe sobald wie möglich, denn sie wachsen so stark, dass sie bald die Regie übernehmen und die Edelsorte unterdrücken.
 
Legen Sie die Veredlungsstelle frei. Triebe, die unterhalb der Veredlung herauswachsen, schneiden Sie so tief wie möglich ab oder reisen Sie aus. Um die Veredlungsstelle zu schützen, sollten sie danach das Loch wieder auffüllen.
 
Beim Flieder kennt man ähnliche Probleme. Wildtriebe aus der Unterlage nehmen dem Edelflieder die Lebensgrundlage. Beim Kauf eines neuen Strauches, achten Sie am besten darauf, wurzelechte Flieder zu kaufen.
 
Mandelbäumchen sitzen oft auf wüchsigen Pflaumenarten. Hält man die Wildtriebe nicht im Zaum, wachsen an dem Bäumchen kleine mirabellengroße Früchte, die essbar sind.
 
Wenn Ihre Zaubernuss schon im Herbst zitronengelb blüht, dann handelt es sich um Hamamelis virginiana. Sie wird oft als Unterlage für winterblühende Hamamelis x intermedia Hybriden eingesetzt. Allerdings ist der herbstblühende Untersetzer keine schlechte Alternative und kann unter Umständen stehen bleiben.
 
Veredlungsstelle über dem Boden
 
Die Veredlungsstelle erkennen Sie an einer verdickten Stelle am Stamm. Achten Sie darauf, dass dieser Knubbel beim Pflanzen immer über dem Erdboden liegt. Damit verhindern Sie, dass der Edelreis ungewollt Wurzeln treibt.
 
Ein wichtiger Hinweis:
 
Diese Veredlungsstellen müssen in den Boden: Die Veredlungsstelle der Rosen kommt mindestens 5 cm unter die Erde. Das schützt die empfindliche Veredlungsstelle nicht nur vor Frost, sondern hemmt zudem die Bildung von Wildtrieben. Auch die Strauchpfingstrosen wollen tief gepflanzt werden . Hier ist es sogar gewünscht, dass die Edelsorte Wurzeln bildet und die Unterlage unterstützt.
 
Quelle:  Brigitte Goss, Bayerische Gartenakademie
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